Es war schon Tradition geworden: Immer am Dienstag nach dem St. Annafest in Mähring wird mit Gästen, die noch ein paar Tage länger blieben, eine Tagesfahrt ins Nachbarland gemacht. Eine Tour mit dem Bus konnte wegen Corona heuer nicht stattfinden, so bot Ingrid Leser eine Wanderung durch das verschwundene Dorf Paulusbrunn entlang des Böttgerweges an.
Treffpunkt war an der Ortstafel von Paulusbrunn am Parkplatz vor dem Grenzübergang, um sich einen Überblick von dem einst 1 500 Einwohner zählenden Dorf und seinen Ortsteile zu verschaffen. Die Wanderung begann in Hinterpaulusbrunn. Ferdinand Zwerenz, ein geborener Hinterpaulusbrunner, konnte viel über sein frühere Heimat erzählen. Er erinnerte sich, dass vor dem Krieg viele Hinterpaulusbrunner in der alten "Prinzfabrik" als Knopfarbeiter beschäftigt waren. Nach der Vertreibung hatte Frau Prinz keine Arbeitskräfte mehr, so bemühte sie sich um den Zuzug. So kamen die Hinterpaulusbrunner, die durch die Vertreibung bis nach Magdeburg geflüchtet waren, wieder zurück in die "Prinzfabrik". Sieben Familien lebten und arbeiteten etwa bis 1952 in diesem Gebäude.
Der Weg führte die Teilnehmer durch das naturbelassene Landschaftsschutzgebiet mit vielen uralten Bäumen aller Art an die Stelle, an der einst der "Schmuckerhof" stand. Die Besitzer bauten ihn genau 100 Meter weiter auf deutscher Seite wieder auf. Leser informierte zur Geschichte und dem Namen "Schmucker" und zum Thema "Goldene Straße" sowie Meilensteine entlang der Goldenen Straße. Der Name "Schmucker" geht wahrscheinlich auf die Sumpfdotterblumen zurück, die dort iweitverbreitet ist. Im Egerländischen heißen die Dotterblumen "Schmurkn" - daraus leiteten sich dann die Bezeichnungen "Schmuckerhof", "Schmuckerberg", "Schmuckerbach" oder "Schmickerwiesn" ab.
Immer wieder verdeutlichte Ferdinand Zwerenz mit Erklärungen und Bildern wo einst Weg- und Feldkreuze, Gasthöfe, Denkmäler wie die Nepomukstatue oder das Kriegerdenkmal, oder die Kirche standen. Auf den Schulstandort weißt heute eine Rotbuche hin, die der damalige Lehrer Bittner noch vor der Vertreibung im "Lehrergarten" gepflanzt hatte.
An der Böttgersäule, im Volksmund "da Noutstoa", angelangt, berichtete Ingrid Leser von der Entstehung und Wiedererrichtung der Böttgersäule. Am Friedhof, dessen Anlage die Wanderer sehr bewunderten, endete die Führung. Die Teilnehmer dankten Leser und Zwerenz für die Wanderung durch die Geschichte.
















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