19.03.2021 - 13:47 Uhr
BayreuthOberpfalz

Obergrenze für Ochsenkopf-Seilbahn

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Der Neubau der Ochsenkopf-Seilbahnen kann beginnen. In der Sitzung des Zweckverbands zur Förderung des Fremdenverkehrs und des Wintersports im Fichtelgebirge gab es aber zuvor einiges zu klären.

Die Talstation Nord am Ochsenkopf
von Autor FPHProfil

Es war ein hartes Ringen - um Zahlen, um einzelne Worte, um neu formulierte Beschlussvorlagen. Am Ende dann doch ein vielleicht entscheidender Schritt mit weitreichenden Freiheiten für Bayreuths Landrat Florian Wiedemann (FWG): Als Vorsitzender des Zweckverbands zur Förderung des Fremdenverkehrs und des Wintersports im Fichtelgebirge kann er den Neubau der Ochsenkopf-Seilbahnen vorantreiben. Mit einer Kostengrenze als Vorgabe.

Kapitel eins: Fünf Stunden dauerte die Sitzung am Donnerstagnachmittag, nach rund 90 Minuten nichtöffentlichem Gedankenaustausch durften auch die Medien und Zuhörer in den Saal. Unter Beachtung strenger Hygieneauflagen, klar. Zu diesem Zeitpunkt war bereits vieles gesagt worden, was sich dann wiederholte. Vor allem zu den Bedenken, die Kreisrat Hans Hümmer von den Freien Wählern gegen das bisherige Planungs-und Vergabeverfahren seit 2018 geäußert hatte. Rechtsverstöße, die auch eine Förderung des Projekts infrage stellen, hatte er aus seiner Sicht mehrfach aufgelistet. Dazu gab es Stellungnahmen, die dann auch eifrig diskutiert wurden. Fazit: Es gab manche Mängel, aber nichts, was strafrechtlich relevant wäre.

Experten aus Südtirol

Kapitel zwei: Viel wichtiger jedoch war Tagesordnungspunkt sieben – wie geht es weiter mit dem Seilbahnbau. Dazu gab es eine aktuelle Vorgeschichte. Auf Initiative von Axel Herrmann, Bürgermeister von Warmensteinach und Wiedemanns weiterer Stellvertreter als Verbandsvorsitzender, hatte sich dieser Tage ein Kreis von Verbandsräten mit Vertretern der Projektplaner Ropes/Dorfmann aus Südtirol bei einem Ortstermin getroffen, tags darauf wurde auch Betriebsleiter Andreas Schreyer mit ins Boot geholt.

Am Ende stand ein Konzept, das auf den Überlegungen der ursprünglichen Planung aufbaute und von Reinhard Pichl von der Hochbauabteilung am Landratsamt aufbereitet wurde. Mit Skizzen, mit Planungsumrissen, mit einer Kostenschätzung. All das wollte Landrat Wiedemann präsentiert und von den Verbandsräten bewertet wissen. Nicht ohne zuvor das Engagement der Runde zu loben.

Hörbares Unverständnis dagegen bei Hans Hümmer: Er verwies auf den Beschluss des Zweckverbands vom Oktober, sich auf den Entwurf der Planer von Ende 2018 zu beschränken und von Zusatzwünschen Abstand zu nehmen. Um Kosten zu sparen, um wieder in die Nähe des damaligen Kostenvolumens von rund 21 bis 22 Millionen Euro zu kommen.

„Wir reden hier von einer Seilbahn, ich denke, wir werden da irgendwo zwischen 25 und 30 Millionen rauskommen.“

Michael Schreier, Bürgermeister von Bischofsgrün

War man doch „zwischendrin“ schon mal bei 30 Millionen plus x unterwegs. Fange man jetzt an, wieder bei jedem Gebäude, bei jedem Gewerk wieder über Extras zu debattieren, „dann marschieren wir wieder in diese Richtung“.

Eine Kritik, die immer wieder aufflammte, auch nachdem Pichl mit der Vorstellung seiner Planungskomponenten begonnen hatte. Nicht nur Verbandsrat Günter Pöllmann (CSU) mahnte an, „sich das einfach mal anzuhören, wir müssen mit unserer Planung bei null beginnen, da führt kein Weg dran vorbei“. Ähnlich die Sichtweise von Guido Schreiner aus Bischofsgrün: „Ich bin bekannt dafür, immer fürs Sparen zu sein, aber manches muss halt einfach sein, auch im Sinne der Mitarbeiter.“

Noch weiter lehnte sich Bürgermeister Michael Schreier aus dem Fenster: „Wir reden hier von einer Seilbahn, ich denke, wir werden da irgendwo zwischen 25 und 30 Millionen rauskommen.“

Neu: Talstation Süd

Kapitel drei: Reinhard Pichl hatte letztlich doch die Chance, die im Vergleich zur Erst-Planung neuen Varianten zu erläutern. So sollen an der Talstation Nord Sanitäranlagen vom Unter- ins Erdgeschoss wandern, um Skitouristen das Treppensteigen mit schwerem Schuhwerk zu ersparen. Außerdem soll dort die Garage für die Kabinen in einer Halle untergebracht werden. In der Zwischenstation Nord ziehen Betriebsleiter Schreyer und seine Mitstreiter eine eher kompakte Bauweise statt des ursprünglich geplanten langen Flachbaus vor – in einer Mischung aus Massivbauweise und Nutzung bereits vorhandener Container. Spätestens jetzt wollte Hans Hümmer wissen: „Was kostet uns das mehr im Vergleich zum Oberexer-Konzept?“ Pichl: Rund 120 000 Euro, wobei da die Arbeiten im Umfeld mit eingerechnet seien, schließlich handle es sich um einen Berghang.

„Es ist nicht alles wirklich vergleichbar mit den Entwürfen von damals.“

Planer Stephan Oberexer

Neu auch: Bei den Bergstationen sollen Nord und Süd zusammengelegt, die Talstation Süd neu gebaut werden, weil ein Umbau des alten Bauwerks zu teuer kommt. Zustimmung auch dafür: Überall soll eine Überdachung erfolgen, um Besucher zu schützen und Kosten für ständiges Beseitigen von Eis und Schnee einzusparen. Auch wenn Planer Stephan Oberexer, selbst anwesend, wiederholt darauf hinwies, „dass nicht alles wirklich vergleichbar ist mit den Entwürfen von damals“, errechnete Hans Hümmer ein Plus von rund 2,5 Millionen Euro im Verhältnis zu Ende 2018. Damit könne er leben, das sollte aber schriftlich fixiert werden. Günter Pöllmann bevorzugte einer Obergrenze „zwischen 24 und 25 Millionen“. Das wurde dann auch am Ende ins Protokoll aufgenommen. Nach dem einstimmigen Beschluss, Landrat Wiedemann mit weitreichenden Befugnissen für das weitere Planungsgebaren zu beauftragen.

Die Talstation Süd am Ochsenkopf

Andreas Munder, Geschäftsführer der Tourismus & Marketing GmbH Ochsenkopf, über die Einbahnregelung

Fichtelberg

 

 

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