Weiden. (uz) Jetzt ist sogar der Kuckuck vom Aussterben bedroht. „Oder haben Sie in der letzten Zeit einen gehört?“ Schuld sei der Rückgang der Wirtsvögel, in deren Nester der Kuckuck seine Eier ablegt. Wolfgang Schreil ist Wildflüsterer. Vor seiner Kamera verlieren selbst ängstliche Tiere, wie Rehe oder Europas kleinster Vogel, das fünf Gramm schwere Wintergoldhähnchen, jede Scheu.
In seinem Buch „Zurück zur Natur“ entdeckt Schreil, der bei seinen Fans auch als „Woid Woife“ bekannt ist, die Kraftquelle Wald. Er ist Querdenker, geduldiger Naturbeobachter, vor allem aber ein begnadeter Erzähler. Am Mittwochabend begeisterte der Bodenmaiser sein Publikum in der Buchhandlung „Stangl & Taubald“ mit Entschleunigungstipps und Anregungen für eine bewusstere Wahrnehmung.
Auf 144 Seiten beleuchtet der Fotograf mit 100 Abbildungen in seinem Buch wie schön es draußen im Bayerischen Wald sein kann. Woid Woifes Revier: Das Arber-Gebiet. Zu Beginn klärte der Autor seine Zuhörer über die bayerische Pflanzenwelt auf, machte Schluss mit dem Märchen, dass der Bärwurz etwas mit Bären zu tun habe oder der Enzian-Schnaps mit blauem Enzian. „Alles nur ein Produkt der Werbeindustrie.“
Ebenso wenige stamme das Wort Eichhörnchen von der Eichel ab. „Die fressen sie nicht einmal.“ Eich komme vom altdeutschen Wort Eik und bedeute so viel wie flink. Im Gegenteil: „Eichhörnchen rauben Vogelnester aus. Die sind alles andere als vegetarisch.“ Am liebsten würden sie Mehlwürmer fressen. Schreil erzählte vom Grün- und Buntspecht von Turmfalken, Sperber und Habichten.
Sein Motto: Nicht ins Revier der Tiere eingreifen. Lieber fünf Schritte zurück und die Welt bleibe in Ordnung. Bestes Beispiel: Noch am Mittwochvormittag hatte er am Arber ein Reh fotografiert, das unmittelbar neben ihm äste ohne sich stören zu lassen. „Ich bin groß und breit. Das Reh hat gedacht ich wär ein Felsen.“
Die Natur sei in Gefahr, sagte er. Ein wesentlicher Grund sei der Flächenfraß. „Flüsse wurden begradigt. Alles wurde kaputt gemacht.“ Oder: „Warum muss auf jedem noch so kleinem Buckel eine Hütte stehen oder zu jedem Hügel eine Gondelbahn führen?“ Die Bequemlichkeit der Menschen zerstöre die Natur. Ob es ein Umdenken gebe? „Vielen Leuten ist doch alles scheißegal.“
Im Bayerischen Wald stelle sich diese Problematik noch nicht. Durch Schutzvorkehrungen habe sich sogar der Auerhahn – auf den Schreil für einen Fototermin übrigens sechs Jahre lang warten musste – wieder vermehrt. Aber: "Das Tier, das immer weniger wird - und da meine nicht nicht nur die Biene - ist das Insekt."
Früher sei die Windschutzscheibe am Auto voller Insekten gewesen. „Heute kannst du nach München fahren und hast vielleicht zwei Stück auf der Scheibe. Das sollte eigentlich zu denken geben. Wenn die Insekten sterben, dann sterben auch die Vögel und die Artenvielfalt an sich.“
Schreil ist Buchautor wurde jetzt auch fürs Fernsehen entdeckt. Der Bayerische Rundfunk dreht derzeit einen „Woid Woife“-Film. In Kürze erscheint ein weiteres Buch. „Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht.“













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