Bernreuth bei Auerbach
28.02.2019 - 15:49 Uhr

Neuer Protest gegen Schießlärm

Schüsse dröhnen, das Haus vibriert, an Schlaf ist nicht zu denken: In Bernreuth wirkt sich der Schießlärm des Truppenübungsplatzes Grafenwöhr enorm aus. "Gesundheitsschädlich!", klagen die Anwohner.

Es braucht keine Panzer, um auf dem Übungsplatz Schießlärm zu erzeugen. Auch US-Haubitzen krachen sehr laut. Bild: mor
Es braucht keine Panzer, um auf dem Übungsplatz Schießlärm zu erzeugen. Auch US-Haubitzen krachen sehr laut.

Eine Anfrage im Bundestag bringt wenig Neues. Abgeordneter Stefan Schmidt will aber dranbleiben. Denn es droht eine neue Eskalation. Sie trafen sich gleich vor Ort, um Informationen auszutauschen: Der Bundestagsabgeordnete Stefan Schmidt (Grüne) aus Regensburg mit seinen Parteikollegen Bernd Scheller vom Auerbacher Stadtrat sowie Stadt- und Kreisrätin Yvonne Rösel aus Sulzbach-Rosenberg. Auerbachs Bürgermeister Joachim Neuß und Dritter Bürgermeister Norbert Gradl komplettierten die Runde, die sich bei den Vertretern des BUT (Bürgerforum Umwelt und Truppenübungsplatz) versammelte.

Dort schilderten Angela und Werner Dier anschaulich die Situation neben der Schießbahn 213 im einzigen Übungsplatz der US-Streitkräfte in Europa mit Schießmöglichkeit für große Kaliber. Natürlich üben auch die Nato-Partner hier.

Schon viele Jahre währe der Kampf gegen den teils unerträglichen Schießlärm. Versuche, aussagekräftige Lärmmessungen zu erreichen und deren Ergebnisse zu bekommen, verliefen bisher im Sande, erfuhr der Grünen-Abgeordnete in Bernreuth. Er hatte im Bundestag eine Kleine Anfrage zu dem Thema gestellt und wartet jetzt noch auf aussagekräftige Zahlen von 2018. Bürgermeister Neuß dankte ihm für seinen Einsatz und berichtete, dass auch die Stadt kaum an Fakten komme: Messungen und Ergebnisse blieben unter Verschluss. Er selbst habe auf seinen Offenen Brief an das Verteidigungsministerium noch keine Antwort bekommen.

Die Stadt habe nun selbst ein Gerät angeschafft und Messungen durchgeführt, als der Schießlärm wieder einmal akut war. "Wir lagen bei teils 106 Dezibel." Das, so unterstrich Norbert Gradl, sei gesundheitsschädlich und dürfe nicht hingenommen werden. Man könne von Bernreuther Häusern aus teils das Mündungsfeuer der nur wenige Hundert Meter entfernten Panzerkanonen sehen und sogar Befehle über Lautsprecher hören, berichteten Angela und Werner Dier, die auch starke Staubemissionen im Sommer beklagten. Joachim Neuß berichtete noch von einer weiteren Eskalation: Schwere Artilleriegeschütze feuerten inzwischen aus flexiblen Stellungen, so dass auch der Stadtkern von Auerbach akustisch betroffen sei. "Man weiß nicht, wann es losgeht, wie lange es dauert und von wo es kommen wird", kommentierte er die zusätzliche Belastung.

Er und Stefan Schmidt wollen gemeinsam mit dem BUT ihre Anfragen als Grundlage für gemeinsame Arbeit nehmen, um endlich etwas bei bundesdeutschen Behörden zu erreichen - "aber auf dem sachlich-argumentativen Weg, ohne Emotionen." Informationen in die Region tragen und andere mitnehmen, das stellte auch der Abgeordnete Schmidt in Aussicht. Die Bundesregierung habe seiner Ansicht nach schon Mittel und Wege, trotz des Nato-Truppenstatuts, zugunsten der Bürger einzugreifen. Wichtig sei, darin zeigten sich alle Gesprächspartner einig, dass die Zahl der Beschwerden an die Behörden deutlich steigen müsse, wenn man etwas erreichen wolle. Darum der Aufruf an die Bewohner, sich künftig zu melden.

Gesprächsrunde mit Abgeordnetem Stefan Schmidt (Mitte) und Bürgermeister Joachim Neuß (Dritter von rechts) in Bernreuth: Links die Wohnbebauung, rechts hinter dem Wäldchen liegt die Schießbahn. Bild: Wolfgang Steinbacher
Gesprächsrunde mit Abgeordnetem Stefan Schmidt (Mitte) und Bürgermeister Joachim Neuß (Dritter von rechts) in Bernreuth: Links die Wohnbebauung, rechts hinter dem Wäldchen liegt die Schießbahn.
Beschwerden:

Zuständig bei Beschwerden ist das Bundesamt für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen der Bundeswehr, Referat K5 Immissionschutz Luft/Lärm, München, Tel. 089/12 49-23761, Mail oerabwmuenchen[at]bundeswehr[dot]org. Bei Fluglärm/Hubschraubern: www.luftwaffe.de, E–Mail: flitz[at]bundeswehr[dot]org.

 
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