13.07.2018 - 19:28 Uhr
BirglandOberpfalz

Birgländer Stresstest beim Challenge-Roth-Triathlon

Wenn sich beim Radfahren bestes Segelwetter einstellt, finden Triathleten das nicht lustig. Vor allem, wenn sie das Gefühl haben, dass sich vor lauter Gegenwind der Tacho gleich rückwärts drehen muss.

Sie stellen sich der sportlichen Herausforderung (von links): Jacky Maderer, Helmut Graf und Nicole Gundel.

(exb) In einem Stresstest werden Reaktionen auf eine erhöhte Beanspruchung und Belastung physischer oder psychischer Art gemessen. 2011 wurde der Stresstest sogar zum Wort des Jahres gewählt.

Der Challenge-Roth-Triathlon war ein solcher. Er wurde in den vergangenen Jahren mehrmals zum schönsten Rennen des Jahres gewählt. Wieso das? Weil die Organisation nicht besser sein kann, weil die Stimmung entlang der 226 Kilometer langen Strecke einzigartig ist und weil es scheinbar Spaß macht, sich den Strapazen eines Langdistanz-Triathlon auszusetzen, heißt es in einer Presseinformation.

Unter den 3500 Einzelstartern waren auch drei Birgländer, die sich am Sonntagfrüh aufmachten, im Main-Donau-Kanal nicht die Orientierung zu verlieren. Bei einer Sichtweite von weniger als einen halben Meter ist dies an sich schon eine Herausforderung. Die beiden ASV-Schwend-Triathleten Jacky Maderer und Helmut Graf brauchten etwas mehr als eine Stunde für die 3,8 Kilometer. Nicole Gundel, die sich für den CIS Amberg in das trübe Wasser stürzte, hatte stark mit der Orientierung in den Weiten des Kanals zu kämpfen und stieg nach 1:14 Stunden, weit unter ihrem Niveau, aus dem Kanal.

Beim Radfahren stellte sich dann bestes Segelwetter ein. Wind von schräg vorne oder von der Seite aber nie von hinten. Einen Seemann hätte dies gefreut. Triathleten haben aber nicht diesen Humor und so mancher hatte in Greding das Gefühl, dass sich der Tacho gleich rückwärts drehen muss, so stark wie der Gegenwind war.

Am Solarer Berg als Zuschauer unter 20 000 anderen zu stehen, ist schon ein Erlebnis. Noch intensiver ist es aber, als Athlet von der Menschenmenge den Berg nach oben getrieben zu werden. Da brennen nicht nur die Beine, sondern man hat auch feuchte Augen. Dieses tolle Gefühl muss man möglichst lange behalten, denn schon bald geht es in die zweite Radrunde. Nicht nur die drei Birgländer merkten jetzt, dass nach über 100 Kilometern der Spaß vorbei ist.

Maderer konnte sein angepeiltes Tempo durchfahren und lief zwar mit schweren Beinen, aber mit einem Lächeln nach 11:19 Stunden ins Ziel. Graf hat die vom Veranstalter angebotenen Energie-Gel und -Riegel nicht vertragen und sein eigener Vorrat war bald verbraucht. Nach dem Radpart wollte er nicht mehr weiterlaufen. Bis zum Check Out der Räder hätte er aber drei Stunden warten müssen, deswegen nutzte er die Zeit und lief doch los. Rationales Denken ist im Wettkampf scheinbar nicht möglich, heißt es in dem Schreiben.

An der Hand seiner Tochter lief er die letzten 100 Meter auf dem roten Teppich ins Stadion. Nach 11:35 Stunden blieben er und die Uhr im Ziel stehen.

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