07.03.2021 - 10:02 Uhr
BodenwöhrOberpfalz

Früherer Truppenübungsplatz in Bodenwöhr mausert sich zu wertevollem Naturschutzgebiet

Diese 283 Hektar bergen einen immensen Schatz, und das ausgerechnet auf einem ehemaligen Truppenübungsplatz bei Bodenwöhr. Die Liste wertvoller Tiere und Pflanzen beeindruckt auch Regierungspräsident Axel Bartelt.

Gebietsbetreuerin Birgit Simmeth leitet Führungen durch das Naturschutzgebiet und erzählt von den Lebensbedingungen der „Blauflügeligen Ödlandschrecke“.
von Rudolf Hirsch (RHI)Profil

In der Oberpfalz sind 61 Naturschutzgebiete ausgewiesen, in denen Nutzungsbeschränkungen und Betretungsregelungen gelten. Zu ihnen gehört auch das „Naturparadies auf Sand“ auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz bei Bodenwöhr. „Hier ist ein Lebensraum für ausgesprochene Spezialisten entstanden“, erklärt Christina Meindl.

Die promovierte Biologin am Sachgebiet „Naturschutz“ bei der Regierung der Oberpfalz aktualisierte die Broschüre „Natur Vielfalt Oberpfalz“ und überreichte sie dem Regierungspräsidenten Axel Bartelt und Landrat Thomas Ebeling bei einem Spaziergang durch die Wald- und Heidelandschaft östlich von Bodenwöhr. Dieses 283 Hektar große Gebiet steht erst seit 2016 unter Schutz und ist damit das jüngste Naturschutzgebiet der Oberpfalz. Meindl weiß um den Reiz dieser Landschaft, denn: „Die militärischen Bewegungen haben hier strukturreiche Lebensräume entstehen lassen.“

Zu den Tierarten, die sandige Böden mit magerer Vegetation lieben, gehört die Heidelerche. Projektbetreuerin Meindl schätzt, dass sich im Heidegebiet mittlerweile 25 Paare des bedrohten Bodenbrüters angesiedelt haben. Birgit Simmeth, Gebietsbetreuerin beim Naturparkverein Oberpfälzer Wald und beim Zweckverband Oberpfälzer Seenland, hat noch mehr Zahlen parat. Sie listet fünf Reptilienarten, 44 verschiedene Brutvögel, zwölf Fledermausarten sowie 28 Tag- und 340 Nachtfalter auf.

Sand- und Magerrasen, Heidekraut, Silbergras und bunte Wiesen, umgeben von Flechten und Kiefernwäldern, bilden einen geschützten Lebensraum für Spezialisten. Zu ihnen gehört neben zahlreichen Wildbienen auch die Blauflügelige Ödlandschrecke, die trockene und vegetationsarme Lebensräume bevorzugt. Birgit Simmeth zeigt bei ihren Führungen Bilder der bedrohten Art und hat auch Präparate der Kreuzotter dabei, die dort ebenfalls vorkommt.

„Die Sandgebiete sind während der letzten Eiszeit durch Verwehungen entstanden“, erklärt Projektbetreuerin Meindl. Offene Stellen wechseln sich mit Rasenflächen, Heidekrautfluren und Strauchflechten ab. Zur Sicherung dieses Ökosystems sind Pflegemaßnahmen erforderlich, die die Regierung der Oberpfalz an den Naturparkverein und den Landschaftspflegeverband delegiert. Das Naturschutzgebiet gehört den Bayerischen Staatsforsten.

Beim Blick in die Broschüre ist Regierungspräsident Axel Bartel beeindruckt von der Vielfalt der Tier- und Pflanzenwelt. „30.000 verschiedene Pflanzen, Tiere, Pilze und Flechten prägen die Naturlandschaft der Oberpfalz“, steht dort zu lesen. Die 48 Seiten umfassende Broschüre ist in einer Auflage von 7000 Stück erschienen und wird kostenlos an Umweltstationen, Landschaftspflegeverbände, Tourismusbüros und Privatpersonen verteilt. Die Oberpfalz sei gekennzeichnet von einem großen Artenreichtum, versichert der Regierungspräsident. Als Beispiele nennt er ausgedehnte Wälder und Bergwiesen, Stillgewässer und Flussmoore, Magerrasen und steile Hänge. Sie gelte es auch für die nächsten Generationen zu erhalten. Dieser Meinung ist auch Landrat Thomas Ebeling, denn: „Unsere bayerische Kulturlandschaft, die über Jahrhunderte hinweg entstanden ist, hat eine artenreiche Tier- und Pflanzenwelt hervorgebracht.“

Biologin Meindl sieht die Biodiversität allerdings in Gefahr, wenn sie feststellt: „Die Lebensbedingungen für zahlreiche Arten haben sich in den letzten Jahrzehnten deutlich verschlechtert.“ Waren es vor zehn Jahren noch über 50 Pflanzenarten auf einer herkömmlichen Wirtschaftswiese, so seien es heute kaum mehr als zehn. Naturschutz liege in unser aller Verantwortung, so die Wissenschaftlerin. Die Broschüre kann per Mail kostenlos bei der Regierung der Oberpfalz bestellt werden (naturschutz[at]reg-opf.bayern[dot]de).

"Die Lebensbedingungen für zahlreiche Arten haben sich in den letzten Jahrzehnten deutlich verschlechtert."

Biologin Christina Meindl

Biologin Dr. Christina Meindl, Landrat Thomas Ebeling, Regierungspräsident Axel Bartelt und Gebietsbetreuerin Birgit Simmeth (von links) stellten bei einem Spaziergang durch die Heidelandschaft bei Bodenwöhr die neue Broschüre „Natur Vielfalt Oberpfalz“ vor.

Broschüre verfügbar unter

Naturschutzgebiete mit Lobby

Kulz bei Thanstein

 

 

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