07.08.2020 - 10:30 Uhr
BrandOberpfalz

Fußwallfahrt 2020 - ein besonderer Akt

Die Brander wollen eine lange Tradition nicht unterbrechen: Sie wollen auch heuer im September wieder nach Marienweiher pilgern. Einige Fragen sind allerdings noch offen.

Ein Foto aus dem Jahr 2010: Es ist geschafft! Einzug in Marienweiher mit dem vom damaligen Pfarrer Richard Bauer angeschafften Kreuz, das durch ein leichteres ersetzt wurde.
von Bertram NoldProfil

Die Fußwallfahrt nach Marienweiher steht im Veranstaltungskalender der Gemeinde Brand. Sie ist stets für den Samstag nach Schulbeginn eingeplant. In diesem Jahr ist es der 19. September - die 39. Wallfahrt. Dahinter stehen allerdings wegen Covid-19 noch viele Fragezeichen. Die Verantwortlichen versuchen jedoch, diese nach und nach zu klären, sodass die Wallfahrt stattfinden kann. Dass es sie gibt, ist sicher - dass sie anders verlaufen wird als in den Vorjahren, ebenso.

Der ehemalige Pfarrer von Brand, Richard Bauer, hat diese Art des Glaubenszeugnisses und Gebets eingeführt. Selbst an der Spitze und am Mikrofon, führte er viele Jahre lang eine Schar von über 70 Pilgern an. Einige, die von Anfang an dabei waren und der Wallfahrt immer noch die Treue halten, erinnern sich gerne daran. Eigens für dieses Ereignis schaffte der Geistliche ein großes, schweres Wallfahrerkreuz an, das mit einem Riemen um den Hals getragen wurde. Träger zu finden, war damals keineswegs schwierig. Genügend Männer waren dabei und meldeten sich, um mit dem Kreuz zwei Stunden vorneweg zu laufen.

Von "Engeln" begleitet

Begleitet wurde das Kreuz immer von zwei Frauen, die eben wegen dieser Aufgabe, zu beiden Seiten des Wallfahrerkreuzes zu laufen, „Engel“ genannt wurden: Gisela Reger und Gerlinde Thiel. Vorbeten ohne Mikrofon war nicht möglich, die Vorbeter mussten auch das "graue Ungetüm" unter dem Arm tragen. Das war nicht immer einfach, wenn es Texte zu lesen gab.

Um 5 Uhr morgens war stets Abmarsch an der Kirche, in Oberölbühl warteten weitere Pilger, die sich anschlossen. Nach dem Erteilen des Wallfahrersegens wurde zügig marschiert. Der Wald war beim „Hahnenfilz“ schnell erreicht, doch es war dort dunkel. Taschenlampen oder Kopflampen gehörten zum Gepäck, um den Weg auszuleuchten und so Wasserpfützen und Unebenheiten zu vermeiden. Fußwallfahrer aber wissen, dass ihre Wege kein Spaziergang sind, schließlich hatte man beim Erteilen des Wallfahrersegens auch darum gebeten, alle Mühen und Schwierigkeiten auf sich zu nehmen und diese zum Segen werden zu lassen.

Die Fußwallfahrt 2019

Brand

Erster kurzer Halt war dann auf einem Parkplatz an der Straße nach Fichtelberg, wo Rudi Ernstberger mit dem Bus der Feuerwehr Fuhrmannsreuth bereits wartete: Taschenlampen einpacken, Kleidung anpassen und gegebenenfalls den Flüssigkeitsbedarf decken, waren angesagt. Weiter hieß es: Nicht zu lange, man ist erst am Anfang! Am Seehaus-Parkplatz warteten weitere Pilger, die mit dem Privatauto dorthin gefahren waren, um sich das erste unbequeme Stück in der Dunkelheit zu ersparen. Für die Pilger ist es wichtig, dabei zu sein - sei es auf der ganzen Strecke, ab dem Seehaus-Parkplatz oder auch erst bei der letzten Etappe ab Streitau. Jeder darf das wie er möchte und nach seinen eigenen Möglichkeiten entscheiden.

Als Pfarrei Brand in Marienweiher einzuziehen und das in möglichst großer Zahl, war immer der eindrucksvollste und schönste Teil der Wallfahrt. Dazwischen waren aber immer zwei größere Pausen eingebaut: die erste gegen 10 Uhr und die große Pause zum Mittagessen in Streitau. Dort sind die Brander heute noch herzlich willkommen. Man kennt sich und freut sich auf das jährliche Wiedersehen. Speisen für alle sind vorbereitet und das Angebot wird gerne angenommen. „Pack ma`s wieder!“ heißt es nach einer guten Stunde und mit einem Lied erfolgt der Aufbruch zum letzten Abschnitt. Und der hat es in sich! Drei lange, steile Berge wollen noch überwunden werden und das klappt nur mit dem Hinweis: „Gebets-Pause“.

Wenn sich dann schon bald die Türme der Basilika von Marienweiher zeigen, ist es geschafft und nach dem Einzug in die Kirche folgt ein Gottesdienst, an dem auch Gläubige aus Brand teilnehmen, die mit dem Bus gekommen sind. Auch sie dürfen sich zu den Wallfahrern zählen. Vielleicht lässt eine Beteiligung ihr Alter nicht mehr zu, vielleicht ist ihnen der Weg zu beschwerlich - doch sie sind dabei, und wenn der Gottesdienst beginnt, wird dieser in Gemeinschaft der Brander Wallfahrer gefeiert, zu der auch sie gehören.

Vieles hat sich verändert in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten, vor allem wohl dem gestiegenen Alter geschuldet: Die Zahl der Teilnehmer ist kleiner geworden. 2018 war sie auf 17 gesunken, 2019 wieder auf erfreuliche 35 gestiegen. Das Wallfahrerkreuz wurde um ein leichteres ersetzt. Eine weitere große Erleichterung ist die Anschaffung von Head-Sets, die dem Lektor das Tragen eines schweren Lautsprechers ersparen und seine Hände frei machen für vorbereitete Texte.

Pilgern in Dreierreihen

Marienweiher 2020: Ein besonderer Akt wie das ganze Leben der vergangenen fünf Monate. Probleme aber sind da, um gelöst zu werden: Das Laufen mit größerem Abstand ist noch das einfachste, Zweier- statt Dreierreihen sind angesagt. In Marienweiher ist eine Messe in der Kirche nicht möglich, eine Andacht im Freien könnte Ersatz sein. Das muss mit dem Pfarramt in Marienweiher besprochen werden. Das Verhalten in den Pausen liegt in der Verantwortung eines jeden Einzelnen, und offen ist auch das Mittagessen in Streitau. Es wird sich zeigen, ob eine Lösung gefunden wird. Bleibt noch die Frage, ob es einen Bus für die Brander nach Marienweiher gibt, ob er wegen der einzuhaltenden Abstände größer sein muss und wie die Besetzung des Busses geregelt wird. Ohne Anmeldung wird es dieses Mal bestimmt nicht gehen. All das wird in den nächsten Tagen besprochen.

Sicher ist, dass die treuen Mit-Pilger die lange Tradition nicht unterbrechen und schon gar nicht aufgeben wollen. Die Fußwallfahrt soll stattfinden. Sicher ist auch, dass das Gebet wegen der schwierigen Lage der Welt nötiger ist denn je. Allein schon deshalb wäre auch eine große Teilnehmerzahl wünschenswert. Einzelheiten werden noch bekanntgegeben.

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