Brand (VG Neusorg)
16.04.2021 - 12:10 Uhr

Gemeinderat Brand: "Generationenwohnen" ohne Wabenhaus

Die Gemeinde Brand hält am Projekt "Generationenwohnen" fest. Keine Zustimmung fand allerdings der Vorschlag eines Wabenhauses.

Das ehemalige Anwesen Lindner in der Fichtelberger Straße ist seit 2018 Eigentum der Gemeinde. "Generationenwohnen" soll hier entstehen. In der vergangenen Sitzung wurden grundsätzliche Beschlüsse dazu gefasst. Bild: ld
Das ehemalige Anwesen Lindner in der Fichtelberger Straße ist seit 2018 Eigentum der Gemeinde. "Generationenwohnen" soll hier entstehen. In der vergangenen Sitzung wurden grundsätzliche Beschlüsse dazu gefasst.

Eines der großen Projekte der Städtebauförderung ist der Umbau des Anwesens Lindner in der Fichtelberger Straße. „Generationenwohnen“ ist zu einem Begriff in der Gemeinde geworden. Bürgermeister Bernhard Schindler (CSU) trug in der vergangenen Sitzung im Mehrzwecksaal die Entwicklung des Projekts bis heute vor.

2018 hat die Gemeinde Brand das Anwesen zur städtebaulichen Aufwertung der Ortsmitte erworben. In der öffentlichen Gemeinderatssitzung im November 2019 hat der Gemeinderat den Beschluss gefasst, das Anwesen in der Städtebauförderung in kommunale Mietswohnungen umzubauen. Die Kosten wurden in einer Machbarkeitsstudie des Architekturbüros Haimerl auf rund 1,4 Millionen Euro geschätzt, 20 Prozent Baunebenkosten inklusive. In der nichtöffentlichen Sitzung im Juli 2020 wurde einstimmig beschlossen, an dem Beschluss zum Umbau zu kommunalen Mietwohnungen festzuhalten. Die Möglichkeit des "Generationenwohnens" wurde ins Spiel gebracht und im September 2020 wurde Kontakt zu einem Sozialträger aufgenommen, um die Umsetzbarkeit eines solchen Projektes zu untersuchen. Das Architekturbüro Haimerl wurde mit Beschluss vom November mit einer zweiten Machbarkeitsstudie beauftragt.

Futuristischer Vorschlag

Die erste Vorstellung dieser Studie erfolgte in der öffentlichen Gemeinderatssitzung im Dezember 2020 - und sorgte mit einem futuristischen Vorschlag für rege Diskussionen im Dorf und unter den Gemeinderäten, nachdem sich in der Sitzung einige überraschend positiv dazu geäußert hatten. Die große Sachlichkeit, mit der im Gemeinderat derzeit gearbeitet wird, ließ den Diskurs außerhalb der Sitzungen wohl sehr intensiv und effektiv verlaufen. Eine gewisse Unsicherheit machte sich aber breit, die schließlich zu einer Ablehnung von Haimerls Vorschlag führte.

In einer nichtöffentlichen Sitzung im Februar 2021 wurde beschlossen, vom Neubau eines „Wabenhauses“ abzusehen. Für das Projekt „Generationenwohnen“ sollte eine Art Dreiseithof angestrebt werden. Deswegen wurden die Wabengebäude, die Haimerl auf dem Marktplatz in Linz als Kunstprofessor mit seinen Studenten errichten wollte, um sie anschließend nach Brand zu bringen, keinesfalls negativ beurteilt. Für das Freibad-Areal, für das Peter Haimerl einmal Glastürme vorgeschlagen hatte, wollte der Gemeinderat diese futuristischen Gebäude favorisieren. Des Weiteren wurden in der Februar-Sitzung in der Planung das Fehlen von ausreichend Gemeinschaftsräumen, eines Technik-und Heizraums sowie eines Abstellraums pro Appartement angesprochen.

In einer überarbeiteten Machbarkeitsstudie, die Haimerl nichtöffentlich im März vorgestellt hat, hielt er nach wie vor an seinem "Wabenhaus" fest. Ausführlich sei darüber diskutiert worden, berichtete der Bürgermeister. Es zeugt von Ernsthaftigkeit und großem Verantwortungsbewusstsein des Gemeinderats und vor allem vom festen Willen Bernhard Schindlers, dass in zwei weiteren nichtöffentlichen Sitzungen im März die Finanzierung sowie etwaige Mietpreise nach Fertigstellung der Baumaßnahmen beraten wurden, um zu fundierten Ergebnissen zu kommen. Diese waren erste handfeste Argumente abseits der optischen Vorbehalte.

Sowohl bei der Umsetzung der geplanten Maßnahmen über die Städtebauförderung als auch über das kommunale Wohnraumförderungsprogramm werde ein Fördersatz von etwa 30 Prozent in Aussicht gestellt. Zins und Tilgung spielen nach der Fertigstellung die große Rolle und führten zu Berechnungen aufgrund der geschätzten Baukosten zu Mietpreisen von 9,30 Euro pro Quadratmeter in der umgebauten Scheune, über 14,15 Euro im umgebauten bestehenden Wohnhaus und zu 9,30 Euro im umgebauten Wabenhaus. In einer Gemeinde wie Brand „weder wirtschaftlich noch vertretbar“, wird in der Sitzungsvorlage resümiert.

Eine Neuberechnung der Gesamtkosten durch Zweiten Bürgermeister Christian Drehobel (CSU) und Werner Brunner (FWG) hatte zu reduzierten Baukosten geführt: rund 1,13 Millionen Euro. Damit würde der Mietpreis bei etwa 7 Euro liegen. Durch einen Teilabriss des alten Stallbereiches könnte eine Reduzierung der Baukosten und des damit verbundenen Mietpreises für das Wohnhaus ebenso erzielt werden. Zusammenfassend stellte Bürgermeister Schindler fest, dass an der Umsetzung der Maßnahme „Generationenwohnen“ weiterhin festgehalten werden soll.

Generaldebatte im Gemeinderat

Der Abriss der alten Scheune mit Neubau erscheint wirtschaftlicher und flexibler in der Gestaltung und Raumaufteilung. Dies gilt auch für den Teilabriss des bestehenden Wohnhauses. Für das Wabenhaus war Haimerl um die Vorlage einer ausführlichen Werkplanung gebeten worden. Eine Ergänzung hatte er bis zur Sitzung geschickt. Sie enthielt jedoch keine Angaben, die zu einem anderen Ergebnis geführt hätte. 9,30 Euro auf der Basis der bisherigen Daten könnten von Seiten der Gemeinde Brand nicht umgesetzt werden. Mit Haimerls Ergänzung lagen nun alle Unterlagen vor, so dass entschieden werden konnte.

„Ich hätte das Gebäude mitgetragen, aber nicht bei solchen Zahlen. Wir wollen bezahlbaren Wohnraum für junge Leute.“

Brands Bürgermeister Bernhard Schindler

Was der Aufforderung des Bürgermeisters zu Wortmeldungen folgte, war das, was man im Bundestag Generaldebatte nennen würde. Den „Aufschlag“ machte Christian Drehobel. Er wiederholte seine Bedenken bezüglich der Einfügbarkeit des futuristischen Gebäudes in die Fichtelberger Straße, bewertete die erste Machbarkeitsstudie Haimerls positiv und berichtete davon, dass er sich mit dem damaligen Bürgermeister Ludwig König ähnliche Beispiele eines "Generationenwohnens" andernorts angeschaut hatte. Auch äußerte er Bedenken wegen nicht ausreichender Flächen und bemängelte, dass Haimerl bei der Vorstellung der zweiten Machbarkeitsstudie den Grund für das Verwerfen der ersten nicht hundertprozentig nennen konnte. Offenbar sei es doch so, vermutete der Sprecher, dass in Linz das Wabengebäude entstehen solle, um es dann in Brand an den Mann zu bringen. Für die Freibad-Brache passe das Wabengebäude „wie die Faust aufs Auge“. Auf den unangemessenen Mietpreis eingehend, resümierte er: „Passt optisch und wirtschaftlich nicht!“

Wolfgang Doleschal (CSU) unterstrich alle Argumente seines Vorredners und äußerte energetische Bedenken, unter anderem wegen zu dünner Wände. Er sprach mögliche Probleme bei der Bauausführung an wie Dichtigkeit, nicht verlegte Leitungen und einen schwer zu handhabenden Material-Mix, der in wenigen Jahren zu Problemen führen könne. 200 000 Euro müsse man wohl noch drauflegen. Wenn es passen und sich für Brand eine "Win-Win-Situation" ergeben würde, hätte er nichts dagegen. Auch Mängel am Schlachthaus in seine Zusammenfassung einbeziehend, erklärte er: „Ich habe das Geld der Bürger zu verwalten!“

Persönliches Interesse vermutet

Auch Werner Brunner (FWG) reihte sich nahtlos in die Reihe der Kritiker ein und vermutete bei Haimerl persönliches Interesse, das den Aufbau der Waben in Linz beinhaltet hätte, um sie dann in Brand loszuwerden. Er ging auf den Umbau des Wohnhauses ein und sprach die Möglichkeit an, Teile der Mauern zu erhalten, um dem historischen Wert des Gebäudes, eines der ältesten von Brand, gerecht zu werden.

Georg Zaus (FWG) wollte Haimerl aus humanen Gründen „etwas angenehmer begegnen“. Er könne die Meinung zur Person von Peter Haimerl nicht mittragen. Bevor er sich der Sache zuwandte, lobte er das Verfahren, das schließlich in diesen entscheidenden Abend gemündet sei. „Intensiv diskutiert, oft geredet, kein falsches Spiel gespielt und das nichtöffentlich“, was eigentlich nicht seiner Vorstellung entspreche. Doch sei dies in den vielen Sitzungen nötig gewesen, um offen und klar zu reden. Öffentlich sei das einfach nicht möglich gewesen. Die Erlaubnis, von einer anfänglichen „Euphorie“ nach Erörterung vieler Details in den vielen Sitzungen zu einem neuen Ergebnis zu kommen, leitete er auch von seinem Alter beziehungsweise seiner Lebenserfahrung ab: Er könne das Wabengebäude nun nicht mehr mittragen und hoffe im Sinne von „miteinand für Brand“, dem Slogan der FWG, auf gute Beschlüsse.

Brand (VG Neusorg)22.12.2020

Nicht alle haben ihre Meinung korrigiert: Michael Brucker (CSU) hielt daran fest: Er hätte das Wabenhaus passend zum Schlachthaus als sehr schön empfunden, und vor allem der Begriff „Generationenwohnen“ hätte in dem Nebeneinander von Althergebrachtem mit Futuristischem seine Identität gefunden. Den Mietpreis stufte auch er als zu hoch ein; der müsse bezahlbar sein.

Auch Robert Seitz (FW) tendierte in diese Richtung, entschied sich jedoch wegen der hohen Kosten dagegen. ebenso nicht mehr zustimmen: „Ich hätte das Gebäude mitgetragen, aber nicht bei solchen Zahlen. Wir wollen bezahlbaren Wohnraum für junge Leute.“

Bei der Abstimmung votierte nur Brucker für das Wabengebäude. Das Projekt „Generationenwohnen“ wird weiterverfolgt. Die Scheune wird abgerissen und durch einen Neubau ersetzt, für das Wohngebäude ist ein Teilabriss vorgesehen. Um die weiteren Schritte kümmert sich nun die Verwaltung.

In diesen futuristischen Gebäuden für junge Leute gibt es alles, was modernes Wohnen ausmacht. Grafik: Architekturbüro Haimerl
In diesen futuristischen Gebäuden für junge Leute gibt es alles, was modernes Wohnen ausmacht.
 
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