15.07.2021 - 16:21 Uhr
BrandOberpfalz

Himmlische Musik mit einem himmlischen Instrument

Harfinistin Silke Aichhorn gastierte in Brand. Es war das erste Konzert ihrer 3500 Kilometer langen Tournee durch Deutschland und Europa.

Harfinistin Silke Aichhorn gastierte in Brand. Es war das erste Konzert ihrer Tournee durch Deutschland und Europa.
von Bertram NoldProfil

Viereinhalb Stunden Fahrt lagen hinter ihr, als Harfinistin Silke Aichhorn, aus Traunstein kommend, in Brand eintraf. Silke Aichhorn ist perfekt organisiert. Brand ist der Auftakt zu einer Tournee, die sie in den nächsten drei Wochen 3500 Kilometer quer durch Deutschland und Europa führt.

Die Heckklappe ihres Busses öffnet sich: Am meisten Platz nimmt zwar die Harfe ein, drin ist aber auch viel Gepäck und ein Fahrrad. Der Sport ist ein Ausgleich für den Konzert-Marathon. Hilfe beim Transport der Harfe wird strikt abgelehnt. "Die Harfe transportiere ich immer selbst!" Jeder Handgriff sitzt. Das 40 Kilogramm schwere und 40 000 Euro teure Instrument wird auf einen Wagen gestellt, richtig gedreht und Stufe für Stufe nach oben gezogen in den Mehrzwecksaal. Weil wegen der Pandemie-Vorschriften keine 100 Besucher im Saal zugelassen waren, bot die Künstlerin an, das Programm zweimal zu spielen.

Sie schon allein beim Einspielen zu beobachten, ist spannend: der Blick in die Noten auf dem Tablet, letzte Anmerkungen mit einem besonderen Stift. Umblättern geschieht nicht per Hand sondern mittels Pedal. Nicht einfach, denn zu den ohnehin zweistufig zu bedienenden sieben Pedalen der Harfe kommt ein achtes hinzu. Allein das Instrument zu spielen, erfordert ungeheures virtuoses Können.

Virtuosität mit Schuss Kabarett

Das Programm des Abends lautet "Lebenslänglich Frohlocken", auf dem Silke Aichhorn ihre Erfahrungen mit Konzerten und deren Vorbereitungen erzählt und das keine Sekunde langweilig. Große Virtuosität mit einem Schuss Kabarett - die sympathische Harfinistin verleiht mit ihren Erzählungen dem Konzert eine humoristische Note. Nach einem ersten Stück gab es eine Stunde lang Einblick in die große Kunst des Harfenspiels und in das Leben einer Harfenistin.

"Muggen" - "Musik gegen Geld" - nennt Silke Aichhorn die musikalischen Beiträge bei Hochzeiten und Beerdigungen, wobei sie letztere vorzieht. Bräute, Brautmütter und Schwiegermütter seien oft sehr anstrengend wenn es um die Programmfestlegung ginge. Dazu gab es den bekannten "Pachelbel-Kanon", der sich für festliche Einzüge gut eignet, als Kostprobe. "Der dritte Mann" lautete der Titel der Geschichte über ein nicht unbedingt passendes Musikstück zu einer Hochzeit, das dann nach vielen Irrungen und Wirrungen doch nicht zur Aufführung kam. Silke Aichhorn beherrscht die Harfe mit den vielen komplizierten Pedalen großartig und liebt offenbar französische Komponisten, von denen sie mehrere Stücke zu Gehör bringt, mit phantastischem musikalischen Ausdruck, absoluter Perfektion, feinen Abstimmungen in der Dynamik und vor allem in bestechender Leichtigkeit.

Stehende Ovationen

Das Parade-Stück des Abends ist das Stück "Die Moldau" von Bedrich Smetanas. Die beiden Quellen der Moldau beginnen in atemberaubend schnellen Läufen über die Saiten zu plätschern. Wunderbare Stimmungen erzeugt Silke Aichhorn, wenn die Hochzeitsgäste am Ufer Polka tanzen und sich Nebelschwaden über dem Fluss entwickeln. Im Marschrhythmus und in Dur wird das Ziel, die Mündung in die Donau erreicht. Spätestens jetzt drücken stehende Ovationen die große Achtung vor der Künstlerin aus. Aichhorn bedankt sich mit einer besonderen Zugabe. "Alla turca" von Mozart gibt es in einer jazzigen Fassung des türkischen Komponisten Fazil Say. Leider musste das Konzertprogramm wegen des Coronavirus gekürzt werden. Der Vorsitzende des Kulturellen Förderkreises, Bertram Nold, dankte für "himmlische Musik, ein himmlisches Programm und die himmlische Erzählkunst" mit einem Rosenthal-Engel mit Harfe, die leider keine war. Silke Aichhorn identifizierte das Instrument in der Hand der Figur als Lyra.

Josef Luber aus Massenricht baut edle "Luber-Harfen"

Massenricht bei Hirschau
So kompliziert "plätschert" die Moldau über ein Notenblatt, umgeschrieben für Harfe. Kein Problem für eine virtuos spielende Harfenistin.
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