18.02.2020 - 11:21 Uhr
BrandOberpfalz

Von Männern und Gscheidhaferln

Roswitha Spielberger, alias "Stirnhausratschn" gastiert in Brand und bringt 70 Besucher in den Mehrzwecksaal: Szenen aus dem täglichen Wahnsinn des Alltags.

Beste Unterhaltung über mehr als zwei Stunden: Roswitha Spielberger als "Stianghausratschn"
von Bertram NoldProfil

Roswitha Spielberger gastierte auf Einladung des Kulturellen Förderkreises (KFK) in Brand. Der Name sagt kaum jemandem etwas, ihr Künstlername umso mehr und er wird dem, was sie macht, mehr als gerecht. Als "Stianghausratschn" zieht sie durch Säle und Veranstaltungsräume und unterhält die Besucher prächtig. "Richtig gute Unterhaltung, einmal zwei Stunden an nichts denken und sich nur an dem freuen, was sich auf der Bühne tut", drückte eine Zuschauerin ihre positiven Eindrücke aus.

Dort sitzt Rosi mit zwei baugleichen Gitarren. Nur sicherheitshalber! Wenn eine Saite reißt, wäre das eine Katastrophe für sie. "Bis die neue Saite aufgezogen ist und dann stimmt sie ja stundenlang nicht! Unvorstellbar!" Sie gibt sich locker und zwanglos; ihre Infrastruktur in der Hand ihres Mannes ist das Gegenteil. Sie besteht aus ganz viel Equipment, das meiste Eigenbau ihres Gatten. Er ist Garant, dass auch alles ordentlich abläuft. Der erste Eindruck haut niemanden um; sie wirkt eher phlegmatisch, als sich als "Ratschn" mit ungebremstem Redefluss zu geben.

Verse in Paarreimen

Doch ihr Bühnen-Phlegma ist Programm, lässt die Show so wirken, als läge einer dieser erdrückenden Alltage hinter ihr, denen ihr Programm gewidmet ist. Aber die Rosi hat es faustdick hinter den Ohren. Sie braucht größtenteils nur einfache Paarreim-Verse, die sie mit eingängigen Melodien zusammengefügt und so ganz schnell das Ziel erreicht: gute Unterhaltung! Das schafft sie mühelos, weil der Inhalt genau zu dem gespielten Phlegma passt. Er ist aus dem täglichen Wahnsinn des Lebens genommen.

Ihre Botschaft erreicht die Besucher vor allem deshalb ganz leicht, weil sie sie mit ihrer wunderbaren Stimme verknüpft und den Liedern oft provozierende Rhythmen aufzwingt; ein verstecktes Augenzwinkern steckt in jedem ihrer Beiträge, die sie humorvoll vor allem an die Frau bringt. Sie kommt besser weg als der Mann. Das liegt in der Natur der Sache. Ihr ist der "Schnabel bayrisch gewachsen" und so präsentiert sie auch ihre Sicht auf die Welt.

Ohne Mann geht's aber doch nicht. Er hat die Akteurin in der Hand und das im wahrsten Sinne des Wortes, nämlich in Form eines Tablets, mit dem er vom hinteren Bereich des Saales aus die Technik bedient und Rosi auch einmal kurz ausknipst, wenn das nächste Lied wieder den Schwächen des sogenannten starken Geschlechts gewidmet ist. Ob geplant oder spontan? Man weiß es nicht! Es passt, gehört ins Programm, wirkt echt! "Warum geht die Gitarre nicht? - Mo, tua wos!" Er gehorcht und Rosis Gitarre ist wieder aktiv. Da ist auch schon auch einmal die ganze Technik weggeschaltet: "Scho wieder! Hör halt auf! Des is doch langweilig! - Des mog er net!" weiht sie die Besucher, ihm Absicht unterstellend, ein und schon kriegen die Männer wieder ihre Schwächen aufs Brot geschmiert.

TV-Shows und Kinder

Es ist nun einmal ihr Lieblingsthema: "Männer!" Wenn der Rosi was nicht passt oder ihr an ihren Mitmenschen besondere Eigenschaften auffallen, dann schreibt sie "a Liadl drüber". Auch bekannte Fernseh-Shows sind Thema und ihre Kinder mit all den bekannten Vorgängen, die es in Familien gibt. Der eine wohnt noch daheim und sucht eine Freundin, der Große ist schon ausgezogen und selbstständig, die Tochter nennt sie liebevoll "kleines Miststück". Das "Hotel Mama" spielt da eine Rolle, die nicht aufgeräumten Zimmer und der plötzliche Gesinnungswandel der Tochter, nachdem diese eine eigene Wohnung bezogen hat: Mit Straßenschuhen kommt die Mama nicht rein!

Viele Themen werden gestreift: das gleichgeschlechtliche Paar, die Nachbarn, die Swinger-Clubs besuchen, und vieles mehr. Das Urteil kommt musikalisch nach der Einladung, kräftig mitzusingen: "Des geit di gar nix a!" Es geht auch um die "bucklade Verwandtschaft" und um eine hässliche rosa Vase, die nach einer Odyssee wieder in ihrem Haus landet und nun in Scherben in der Ecke liegt. Schade! Es war ein Erbstück aus Meißener Porzellan.

Rosi verschont sich auch selbst nicht, lädt zwar die Gäste ein, sie deutlich hörbar zu bemitleiden, kann es sich aber auch nicht verzeihen, wenn sie es nicht schafft, abzunehmen. An dem Schuldigen, ihrem "innerem Schweinehund", rächt sie sich auf ihre Weise: "Du Sau! Etz schreib i dir a Liadl!"

Kurzweilige Unterhaltung

Ab und zu greift Rosi zu zwei Puppen, um einen Dialog zwischen "Frau Gscheid und Frau Haferl" darzustellen. Damit wird sie ihrem Namen gerecht: "Stianghausratschn!" Gut zwei Stunden sind vorbei und keiner hat's gemerkt! Kurzweilige Unterhaltung mit Themen aus dem "richtigen Leben" und ein kleines bisschen dahinter, um ein paar ganz besondere Wesen auch ab und zu auflaufen lassen: Da eignet sich für Frauen der Mann am besten.

Der Bitte um einen Eintrag in ihr Gästebuch, fügt sie ihren Kommentar hinzu: "Wenn's ma net passt, lösch' ihn wieder raus!" Oft wird das bestimmt nicht der Fall sein.

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