11.06.2019 - 18:08 Uhr
BrandOberpfalz

Die Natur ist wieder "in"

Der Bund Naturschutz und der Fichtelgebirgsverein haben zu einem Wiesenspaziergang eingeladen. Das Interesse war riesengroß. Es scheint wirklich ein ökologisches Zeitalter anzubrechen.

Großes Echo fand die Einladung zum Wiesenspaziergang in die Flur von Brand. Walter Hollering vom Landesbund für Vogelschutz (lbv) gab wertvolle Erläuterungen zu Blumen und Gräsern und streifte deren Bedeutung für Vögel und Insekten. Gabi Greger (gelber Pulli) wies auf besondere Kräuter hin und erklärte ihre Verwendung. Eingeladen hatte Gerald Hoch (rechts)
von Bertram NoldProfil

Greta Thunberg und die ÖDP als Initiator des Volksbegehrens für mehr Artenvielfalt haben mit ihren Aktionen ganz offenbar einen markanten Impuls zur Entwicklung eines neuen Umweltbewusstseins gesetzt. "Natur ist in!" könnte die Parole geheißen haben, unter der am Pfingstsonntag ein Spaziergang in die Wiesen um die Gemeinde Brand stattgefunden hat. Dabei war gar nicht viel Werbung nötig, um fast 60 Interessenten zu gewinnen.

Start am Rathaus

Der BN und die Naturschutzgruppe des Fichtelgebirgsvereins hatten eingeladen und viele kamen. Das freute vor allem Organisator Gerald Hoch, der die Teilnehmer am Rathaus herzlich begrüßte, bevor sich die Gruppe auf den Weg ins Birket machte. Dort galt es, eine Wiese anzuschauen, die erst im Vorjahr angesät wurde. Blau und rötlich blühend ist sie Heimat für viele Insektenarten geworden, voller Leben und dennoch ...

Es war eine Samenmischung, die der Natur eine schnell blühende Wiese bescheren sollte und wegen der Blütenpracht von den Teilnehmern der Tour vielfach bestaunt wurde. Sie muss nicht gemäht werden, kann ein paar Jahre so stehen bleiben und muss dann doch noch einmal umgebaut werden. Natürlich wird dieser Wiesen- oder Ackertyp nicht in ein Naturschutzprogramm aufgenommen. Dazu müsste die Mahd entfernt werden. Doch der Besitzer hat daran seine Freude und hat mit Bienenkästen am Wiesenrand noch eine wichtige Ergänzung hinzugefügt. Nicht gedüngt, nicht gemäht, reich an Blüten für Insekten.

Aber was nun, wenn der Nachbar seine Wiese nebenan spritzt und der Wind das Spritzmittel auf die naturbelassene Wiese weht? Da gibt es Vorschriften bezüglich Abstand und Windverhältnissen. Am Ende bleibt es ein Problem, das nicht lösbar ist.

Ein Teilnehmer klagte auch über zähfließende Ausgleichszahlungen nach Verkauf von Bio-Getreide. Ein Drittel von den zugesagten Mitteln habe er nach mehreren Monaten erst erhalten. Das müsse sich ändern. Eine unbehandelte Magerwiese wurde besucht - mit vielen gar nicht mehr häufig vorkommenden Blumen-Arten. Darunter waren auch Kräuter-Arten, die die Nageler Kräuterexpertin Gabi Greger beschrieb. Wer kann sich noch an "Schlatterler" erinnern? Leichtes Schütteln des Halmes erzeugt bei gutem Hinhören ein Geräusch. Der offizielle Name lautet Zittergras. Es ist dort ebenso zu finden ist wie ein paar Arnika-Blüten.

Großer Artenreichtum

Vor ein paar Jahren sind die schwer von Hand ausbringbaren Wildpflanzen mit durchwachsenem Ergebnis gesät worden, erklärte Gerald Hoch. An der Geburtstagswiese im Birket wurde ein Halt eingelegt. Der Artenreichtum dort sei groß. Mit seinem beeindruckenden Fachwissen ging Walter Hollering vom Landesbund für Vogelschutz auf die einzelnen Blumen und Kräuter ein. Er weiß genau, welches Insekt welche Pflanze braucht und auch wie man den Vögeln helfen kann. Bewertet wurde die Kinderobstwiese als eine "ökologisch herausragende Fläche", eine Extensiv-Wiese mit dem Rotschwingel als dominantes Gras. 50 Arten würde man hier locker finden, die Wiese sei sehr krautreich und sehr blütenreich. In den nächsten Jahren sollen auch die Kinder bei der Pflege, bei der Ernte und bei deren Verwendung eingebunden werden, erklärte Hoch.

Zwei Weideflächen wurden noch angeschaut. Bei einer Rotvieh-Fläche wurde empfohlen, abschnittsweise vorzugehen, Bereiche einzuzäunen, damit sich die Wiese wieder erholen kann. Eine Pferdekoppel wurde als sehr artenreich eingestuft. Viele Kräuter, viele Blumen, vom Bewuchs her auch positiv für die Pferde. Ihren Abschluss fand die Wiesenwanderung am Rathaus, wo BN-Kreisvorsitzender Josef Siller Brand als ökologisch vielfältig hervorhob.

Blühende Wiese im Birkett.
Auch eine Pferdekoppel wurde besucht. Walter Hollering nannnte sie artenreich und vielfältig. Auch die Pferde haben ihren Nutzen davon.
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