Jetzt geht’s weiter am Schlachthaus: Das Wetter hatte eine Zwangspause verordnet. Die Erneuerung der Dacheindeckung steht an und da wollte die Firma Plannerer kein Risiko eingehen und bei Regenwetter das Dach öffnen.
Mit OSB-Platten wurde das Dach nach teilweiser Erneuerung und Sanierung der Balken von unten verschalt, nun kann neu eingedeckt werden. Die alten Ziegel auf dem vorderen Teil des Hauses können nicht mehr verwendet werden. Sie werden durch Blechplatten ersetzt, die einer Ziegeleindeckung ähneln, was auch einer geringen Belastbarkeit des alten Daches geschuldet ist. Der asbesthaltige Welleternit auf dem hinteren Teil muss selbstverständlich weichen. Er wird ersetzt durch eine Stehfalz-Blecheindeckung.
Der weitere Fortgang des Projekts wurde beim Bauschautag besprochen, bei dem auch Architekt Peter Haimerl und seine Mitarbeiterin Anna Firak anwesend waren. Mit den Gemeinderäten wurden Einzelheiten detailliert erörtert. In der vergangenen Gemeinderatssitzung wurden dann weitere Details besprochen.
Größte Neuerung, an der das Gesundheitsamt maßgeblich beteiligt war, ist die Schaffung einer zweiten Toilette, die einen kleinen Anbau an der Ostseite nötig macht. Nach Vorstellung der Architektinnen soll dieser als schwarzer Kubus aus Holz entstehen, der an die Wand „gehängt“ wird. „Eine statische Herausforderung“ sei dieses „Schwalbennest“ meinte Christian Drehobel. Bernhard Schindler sah es anders: „Wenn schon schweben, dann alles.“ Es wird kein WC für Männer oder Frauen, sondern eines für alle.
Von einem Wasserspielplatz war die Rede, von einer Grillstation mit Wasser-Zapfstelle. Zäune, zum Teil beweglich, werden an verschiedenen Stellen gebraucht, ein Fahrradparkplatz für E-Bikes wird kommen. In diesem Zusammenhang regte Dieter Suttner an, zumindest ein Kabel für eine Auto-Lade-Station vorzusehen, um später nachrüsten zu können. „Doch wer soll in Brand schon acht Stunden am Schlachthaus parken, bis sein Auto aufgeladen ist?“ lautete eine Frage. Suttners Beispiel war überzeugend: „Ein Wanderer stellt hier sein Auto ab und kommt nach vier Stunden zurück. In dieser Zeit ist das Auto nicht wieder voll, zumindest aber teilweise geladen.“ Und die Technik werde sich weiterentwickeln, dann seien sicher kürzere Ladezeiten möglich. Selbstverständlich werde eine 32-A-Steckdose gebraucht für Feste und Veranstaltungen. Diese wird von innen aus abschaltbar sein.
Gesprochen wurde auch einmal über die Geräte in der Küche: Geschirrspüler, Herd und auch Kühlschränke mit Sichtfenstern. Es soll im Schlachthaus möglichst viel erhalten bleiben: unbehandelte Eisenträger ebenso wie die Fliesen, die nicht abgeschlagen werden. Das Regenwasser wird nicht über Fallrohre abgeleitet. Es wird eine Vorrichtung geben, die das Wasser um das Schlachthaus herum auf dem Boden verteilt.
Steht noch die Nutzung zur Debatte. Interessenten scheint es schon zu geben, doch eine Chance, dort mitzumischen, sollen alle Leute haben. Deshalb wird es am Mittwoch, 13. November, im Rathaus eine Sitzung geben, zu der alle eingeladen werden, die Interesse bekundet haben. Die Einladung geschieht öffentlich, um allen die Möglichkeit geben, daran teilzunehmen.
Bauschautag mit „Caramel“-Architekt aus Wien
Zu einem weiteren Bauschautag hatte die Gemeinde mit dem Architekturbüro Haimerl eingeladen. Eine Gruppe von Stammgästen findet sich dazu immer ein und verfolgt die Ausführungen mit großem Interesse. Das „Gober-Haus“, das die Familie Drehobel vor zwei Jahren gekauft hat und seitdem saniert, war Treffpunkt.
Es ist eines der Bauschauhäuser der Oberpfalz, woran gezeigt werden soll, wie historische Gebäude saniert werden können. Als Gast war Ulrich Aspetsberger von den „Caramel“-Architekten aus Wien gekommen. Er berichtete über unterschiedliche Herangehensweisen an städtebauliche Projekte in Wort und Bild. Die Beziehung seines Vortrags zum „Gober-Haus“ herzustellen, fiel anfangs schwer, die Absicht, die er mit seinen Ausführungen verfolgte, wurde jedoch mit zunehmenden Beiträgen der Besucher immer deutlicher. Vor allem die Einbeziehung des sozialen Aspekts war sein Anliegen – zu zeigen, dass mit einem kleineren, festen Budget auch vieles möglich ist. Dann seien neue Ansätze erforderlich, es müsse umgedacht werden, um ein Ziel zu erreichen. Das Ausufern der Ortschaften müsse eingeschränkt werden. Bei einem Vergleich von Oberösterreich und Bayern schnitt Letzteres positiver ab. Konzeptlose Umbauten, die stets alten Klischees folgen, wurden verurteilt.
Aspetsberger sprach die Initiative „Fairplanning“ an, die auf bezahlbare Projekte abzielt, wobei es immer um den Erhalt der Substanz gehe. Die Jugend wisse mit alten Häusern oft nichts anzufangen. Ihr zu helfen, diesen Bereich zu erschließen, sei eine wichtige Aufgabe. Plätze in Wien seien durch farbliche Umgestaltung zu einem Anziehungspunkt geworden. Wo sich früher niemand aufgehalten habe, sei nun ein Treffpunkt entstanden. Es gehe um Möglichkeiten, das Zusammenleben zu fördern und zu gestalten. Beispiel war unter anderem auch ein Aufnahmelager: Ein wenig ansprechendes Gebäude wurde mit einfachen Mitteln zu einem Zuhause für Asylsuchende errichtet.
Wichtiges Thema des Bauschautages war auch die Heizung, die Diplomingenieur Jürgen Dahmen aus München propagiert und im „Gober-Haus“ Anwendung findet. Ein Rohrsystem unter Putz verlegt, das Fenster und Türen umfährt und die Wand quasi als Heizkörper nutzt, erklärte Christian Drehobel. Dabei geht es auch um die Trockenlegung der Wand, die der sogenannte Null-Leiter, der am Boden entlang verlegt wird, leisten muss. Es handelt sich bei diesem System um eine Ganzjahres-Heizung, die mit niedrigen Temperaturen betrieben wird und entsprechend des Kachelofens mit Strahlungswärme für ein angenehmes Wohnklima sorgt.
Es ist schon gemütlich gewordenIm „Gober-Haus“ sind Gewölbe erhalten geblieben, der Eingangsbereich ist noch mit großen Granitquadern ausgelegt. Alles wirkt sehr gemütlich. Da stellt sich die Frage nach den Kosten, die wird von den Drehobel-Geschwistern konkret beantwortet: „Soviel wie ein Neues.“ Aber nur durch Eigenleistungen im großen Umfang. Diese hat vor allem ein Verwandter geleistet, ohne dessen Beitrag das Projekt noch lange nicht soweit gediehen wäre.
Brander Architekt wird Professor
Am Rande des Bauschautages wurde bekannt, dass Architekt Peter Haimerl einen Ruf nach Linz erhalten hat. Dort wird er ab 1. November als Professor an der Kunst-Universität lehren. Er ist dann auch Leiter der Kunstabteilung. Seine Reaktion bei der Gratulation zur Ernennung war eher verhalten. Eigentlich würde das bei 36 laufenden Projekten nicht gehen. Dennoch bezweifelt niemand, dass der vielfach ausgezeichnete Architekt der Uni neue Impulse verleihen wird.
In der Liste der 36 Projekte findet sich auch der neue Konzertsaal am Haus Marteau in Lichtenberg, der dem Blaibacher Konzerthaus ähneln wird. Im kommenden Jahr wird der neue Saal in Lichtenberg fertig und seiner Bestimmung übergeben. Die Gemeinde Brand gratuliert „ihrem“ Architekten zur Ernennung und wünscht ihm viel Freude und Erfolg in der neuen Aufgabe.

















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