18.11.2019 - 15:28 Uhr
BrandOberpfalz

"Die Übernahme von Verantwortung ist Bürgerpflicht"

Erinnerungen und mahnende Worte gibt es bei den Feiern zum Volkstrauertag in Brand und Fuhrmannsreuth.

In Brand erinnerte Irmbert Schmidt (SRK) daran, dass die Geschichte des Volkstrauertags älter ist die die Geschichte der Bundesrepublik Deutschland.
von Bertram NoldProfil

Den Volkstrauertag beging die Gemeinde an den Mahnmalen in Brand und Fuhrmannsreuth. Gemeindereferentin Bettina Rögner sprach Fürbitten und Gebete, die Blaskapelle Ebnath und der MGV Max Reger schufen einen würdigen musikalischen Rahmen.

Bürgermeister Ludwig König ging auf die schwierige Lage der Welt ein und erinnerte, dass auch in der Stunde dieses Gedenkens Menschen in vielen Teilen der Welt unter Krieg und Gewalt leiden. Der Volkstrauertag sei ein Tag des Bekenntnisses zu Frieden und Freiheit, zur Wahrung der Rechte und der Würde eines jeden Menschen. Deutschland habe sich nach 1945 seiner düsteren Geschichte gestellt, Vieles wurde aufgearbeitet.

Doch erlebe man auch, wie es Bertolt Brecht einmal formuliert hat, dass das "Gedächtnis der Menschheit für erduldete Leiden erstaunlich kurz" ist. Die dunklen Seiten deutscher Geschichte würden verdrängt, beschönigt oder relativiert. Krieg und Gewalt fänden nicht nur in der Ferne statt, auch Deutschland sei in jüngster Vergangenheit Opfer von Terror geworden.

Der europäische Einigungsprozess, der nach den verheerenden Erfahrungen des Zweiten Weltkrieges in Gang gesetzt wurde, sei nicht so selbstverständlich wie lange gedacht. Das politische Klima habe sich verändert: Populisten schürten Ängste oder instrumentalisierten sie, Hetze gegen andere Menschen schienen wieder salonfähig zu sein. Die Mehrzahl der Bürger habe keine Erfahrungen mehr mit dem Leben in einer Diktatur. Eine von Solidarität und Toleranz geprägte Gesellschaft sei nicht selbstverständlich. Für den Frieden zu wirken, erfordere großes Maß an Können und viel Fantasie. Nach Henry Miller sei jeder Krieg eine "Niederlage des menschlichen Geistes."

Für die Soldaten-und Reservistenkameradschaft Brand (SRK) erinnerte Irmbert Schmidt daran, dass die Geschichte des Volkstrauertages älter als die der Bundesrepublik ist. Sie gehe zurück auf das Jahr 1920. Verbunden damit war die Hoffnung, dass die Erinnerung an die Schrecken und das millionenfache Leid des Ersten Weltkrieges den Frieden unverbrüchlich machen würde. Schon weniger als 20 Jahre später sei sie grausam enttäuscht worden. Seit 1945 würden erneut Hunderte von Kriegen überall auf der Welt geführt.

Das Gedenken an die Toten sei Mahnung, aus der Vergangenheit Schlüsse für die Gegenwart zu ziehen und danach zu handeln. "Wann immer und wo immer wir heute helfen können, Blutvergießen zu beenden und Not zu lindern, wenn wir einen Beitrag leisten können, Versöhnungsprozesse voranzutreiben, wenn wir helfen können, Menschen vor Gewalt und Terror zu schützen, dann müssen wir es tun." Das sei ein Gebot der Menschlichkeit und auch vorausschauender Vernunft. Dass deutsche Soldaten an Friedensmissionen in der Welt beteiligt sind, sei wichtig und richtig. Deutschland stelle sich damit der Verantwortung. "Wir entscheiden mit darüber, wie das 21. Jahrhundert verlaufen wird."

Das Gedenken am Volkstrauertag ehre das Leid, das die Opfer zu tragen hatten, und es ehre darin prinzipiell die Würde ihrer Personen, meinte Reinhard Bauer für die Krieger- und Soldatenkameradschaft (KSK) Fuhrmannsreuth. Dies sei die Grundüberzeugung unserer Kultur, die sich auf die Menschen- und Bürgerrechte jedes Individuums gründet. Über viele Jahre hinweg sei aus der Trauer um die Toten und aus ihrer Würdigung immer wieder das Bedürfnis entstanden, ihre Opfer auch dadurch zu ehren, dass man Gründe für die Rechtfertigung ihres Todes vortrug. Damit habe man oft die Gründe für die Kriege, denen sie zum Opfer gefallen sind, gerechtfertigt.

Heute, wo rechte Kräfte versuchen, die dunklen Seiten der Deutschen Geschichte nur allzu gerne zu relativieren, sei es wichtig, sich zu erinnern. "Wer sich dazu herablässt, die Erinnerung an die Opfer zu verdunkeln, der tötet sie ein zweites Mal," zitierte Bauer den Schriftsteller und Holocaust-Überlebenden Elie Wiesel. Deshalb sei die Bereitschaft zur Erinnerung und die daraus resultierende Bereitschaft zur Übernahme von Verantwortung eine Bürgerpflicht. "Nehmen wir diese Pflicht ernst!" Die Feiern Brand und Fuhrmannsreuth endeten jeweils mit Kranzniederlegungen und dem Lied "Ich hatt' einen Kameraden" begleitet von Salutschüssen.

Reinhard Bauer (KSK) rief in Fuhrmannsreuth dazu auf, die Übernahme von Verantwortung als Bürgerpflicht zu sehen.
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