Tscheljabinsk ist eine Großstadt am Ural. 3872 Kilometer sind im günstigsten Fall zu bewältigen, will man von dort nach Brand fahren. Doch wer will das schon? Irina und Dimitri Provalov, die in der russischen Stadt wohnen. Es fällt auf, wenn ein schwarzer Bus mit einem derart fremden Kennzeichen durch den Ort fährt, noch dazu in einem langsamen Tempo, weil eine Adresse gesucht wird.
Die finden die beiden am Ende der Fichtelberger Straße am Ortsausgang in Richtung Mehlmeisel. Dort wohnt Wolfgang Liedl, und was das russische Ehepaar dort sucht, erfährt man, wenn man das Scheunentor öffnet. 80 trollige Hasen werden plötzlich lebendig und recken dem Besucher ihre Hälse entgegen. Andere sind eher ängstlich und verkriechen sich in die hinterste Ecke.
Was sich Wolfgang Liedl zum Hobby gemacht hat, nämlich die Zucht von Rexen, so der Name der Rasse, machen Irina und Dimitri Provalov beruflich. In Russland gibt es professionelle Hasenzüchter, und natürlich ist auch ihre Welt vernetzt wie heutzutage alles. Fast 4000 Kilometer haben sie zurückgelegt, dreimal wurden sie getestet, und geimpft sind sie nach Auskunft natürlich auch. Rücksitze gibt es in dem Bus nicht. Den Platz brauchen die Boxen für die Hasen, Futter und Wasser müssen auch dabei sein. Sehr gepflegt wirkt alles nach dem Öffnen der Schiebetür.
Dolmetscher am Handy
Wie klappt nun die Verständigung? Kein Wort Deutsch, dafür gibt es heute Handys. Ein Dolmetscher ist schnell angewählt, der Lautsprecher auf Mithören geschaltet und schon klappt alles problemlos. Wolfgang Liedl erklärt, nimmt Tiere aus den Käfigen und zeigt sie ihnen; all das, was gute Qualität bei den Zuchttieren ausmacht. Hier unterhalten sich Profis, der Laie ist da schon fast überfordert. Der Dolmetscher erklärt auch die Umstände des Besuches. In Russland ist die Vielfalt der Rassen wie hierzulande noch nicht zu finden. Darum fährt das Ehepaar Provalov einmal im Jahr nach Westeuropa, besucht hier große Messen und wird immer wieder fündig. So lernt man sich kennen, und so entstehen diese Kontakt unter den Hasenfreunden.
Vier Tiere mitgenommen
An diesem Nachmittag war die Suche nach den richtigen Tieren im Stall von Wolfgang Liedl erfolgreich: Ein Rammler und drei Häsinnen wechseln den Besitzer und dürfen in den komfortablen Ställen auf dem Rücksitz die Reise nach Russland mit antreten. Nächste Station ist aber zuerst München. Dort erwartet man sie im Hotel. Die Aufforderung des Dolmetschers am Handy, keine Zeit mehr zu verlieren und loszufahren, erreicht die Besucher. Es wird bald dunkel und München ist noch weit entfernt.
Für die beiden Russen hat sich die Fahrt gelohnt, und für Wolfgang Liedl war es wohl ein nicht alltägliches Ereignis. Dass sich jemand aus der Nähe einen Hasen für den Kochtopf holt, erlebt er öfter. Dass aber einige seiner edlen Züchtungen in 4000 Kilometern Entfernung am Ural eine Hasenzucht bereichern, kommt wohl eher selten vor.
















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