17.10.2019 - 16:17 Uhr
Deutschland und die WeltOberpfalz

Bücher, Brillen und ein Boot

Hunderte Verlage präsentieren bei der Frankfurter Buchmesse ihre Neuheiten. Gastland Norwegen etwa beweist Humor. An einigen Ständen fragt sich der Besucher, was die Ausstellungsstücke noch mit Literatur zu tun haben. Ein Rundgang.

Auf der Frankfurter Buchmesse präsentieren die Verlage Neuerscheinungen – darunter viele Übersetzungen aus dem Norwegischen und das jüngste Werk von Elena Ferrante.
von Elisabeth Saller Kontakt Profil

Gewusel in Halle 3.0. Dort haben die großen Belletristik-Verlage ihre Stände bezogen, dtv ist da, Bastei Lübbe, Duden. Die Mitarbeiter beim Kinderbuchverlag Coppenrath sind immer belagert, der Frech-Verlag, der Bücher zum Handarbeiten und Basteln herausbringt, zieht vor allem Frauen an. Auf der Frankfurter Buchmesse, die noch bis Sonntag, 20. Oktober, läuft, verteilt fast jeder Verlag Prospekte, Kugelschreiber, Gummibärchen. Schnell sind die Taschen der Besucher voll und schwer.

Auf dem Blauen Sofa sitzt am Mittwoch die Autorin Felicitas Hoppe und informiert über Märchen. "Märchen sind Reiseliteratur, aber nicht Reisen im Sinne wie wir es verstehen. Es gibt keine Touristen in Märchen", sagt sie zu Moderatorin Dorothea Westphal und etwa Hundert Zuhörern. In diesen Geschichten gehe es um Vertreibung, Armut, Hungersnot. Hoppe hat das Buch "Heldinnen im Märchen" geschrieben und nutzt die Buchmesse wie viele ihrer Kollegen, um bei Verlagsmitarbeitern, Buchhändlern, Bibliothekaren und Kunden Werbung zu machen. Auch die Regensburger Verlage Friedrich Pustet sowie Schnell und Steiner sind vertreten.

Kühl und steril wirkt die Halle, in dem sich Ehrengast Norwegen präsentiert.

Bescheidener Verlag

Bescheiden präsentiert sich der Verlag Kampa, der unter anderem die Bücher von Literaturnobelpreisträgerin Olga Tokarczuk auf Deutsch und Übersetzungen der Simenon-Krimis herausbringt. Kampas Bücher passen in zwei Regale. Darunter ein Vorgeschmack auf 2020, wenn Kanada Ehrengast ist: Der Schweizer Verlag stellt die ersten Übersetzungen der Krimis von Louise Penny vor, beworben als "Nummer-1-Krimireihe aus Kanada".

Wem die Haupthalle zu voll ist, sollte ins Gebäude 4 wechseln. Im zweiten Stock trifft man die Aussteller zum Thema "Wissenschaft und Fachinformation". Die Thieme-Verlagsgruppe etwa stellt neue Medizin-Bücher vor. Ein paar Schritte weiter gibt es "Textbooks for vocational training" und Kinderbücher in grellen Farben und allen erdenklichen Sprachen. Um die Ecke stellt ein Verlag auf seinem Stand neun türkisfarbene Bilder aus. Mehr nicht. Auf den Gängen und den Ständen dominiert eine Sprache: Englisch. Entspannt geht es auch im Erdgeschoss zu, wo man sich über Brillen, Lesekissen und Trinkflaschen informieren kann. Ganz hinten ist es leer: Dort hätten noch einige Stände Platz - etwa für die neue Mode der Bücherregale.

Service:

Die Frankfurter Buchmesse läuft noch bis Sonntag, 20. Oktober. Für Privatleute ist sie am Samstag (9 bis 18.30 Uhr) und Sonntag (9 bis 17.30 Uhr) geöffnet. Neu ist, dass Aussteller schon am Samstag Bücher verkaufen dürfen. Bisher war das nur am Sonntag erlaubt. Es empfiehlt sich, die App „Buchmesse“ auf sein Smartphone herunterzuladen. Darin finden Besucher Lagepläne, ein Verzeichnis aller teilnehmenden Verlage und aller Veranstaltungen. Wer will, kann sich zu den Verlagen lotsen lassen.

So manches Unternehmen präsentiert Produkte, die mit dem Buch oder einem anderen Medium eigentlich nichts mehr zu tun haben. Ein Weingut ist dabei, woanders kann man ein Abo für Gin abschließen. Um Alkohol geht es auch im Forum, in dem sich das Gastland Norwegen präsentiert. Das Heftchen "23 Notizen über den Alkohol", eine Huldigung von Stig Sæterbakken, sorgt für Lacher und ist ein beliebtes Mitbringsel (erhältlich am Bücherstand vor der Halle). Im kühl gestalteten Saal kann der Besucher an mehreren Tischen in Neuerscheinungen schmökern, etwa in "Der Mann und das Holz" von Lars Mytting. Nicht nur bei diesem Werk, einer kulturgeschichtlichen Betrachtung des Fällens, Hackens und Feuermachens, zeigt Norwegen Humor. Ausgestellt sind 650 Bücher, die sich mit Norwegen beschäftigen. Darunter: "So werden Sie reich in Norwegen". Auch Ludwig Wittgensteins Boot ist ausgestellt. Damit soll der österreichische Philosoph in Skjolden öfter gerudert haben. Beliebtes Fotomotiv sind die silbernen Drähte, die sich über den Köpfen der Leser winden und mittels zwei wandfüllender Spiegel ins Unendliche reichen. Kos, die norwegische Gemütlichkeit, findet der Besucher hier nicht.

Illustratoren-Sprechstunde

Derweil bildet sich am Arena-Verlag eine Schlage. Etwa 20 Frauen stehen an. "Offene Illustratoren-Sprechstunde", erklärt Carolin Magunia aus Landshut. Auch sie will den Profis ihre Mappe zeigen und für den Verlag zeichnen. Reiche sie ihre Arbeiten per E-Mail ein, habe sie wenig Erfolg, sagt Magunia. "Hier hat man wenigstens mal einen Kontakt." Es geht nur langsam vorwärts. "Ich fürchte, das reicht mir nicht", sagt die Grafikerin und läuft zum nächsten Termin.

Klara Kolleck riecht in der Halle des Gastlands Norwegen an einer Dose.
So riecht Norwegen:

Düfte können eine Geschichte erzählen. Das dachten sich der Autor Erling Kagge und die Geruchskünstlerin Sissel Tolaas. Für den Auftritt des Gastlands Norwegen auf der Frankfurter Buchmesse haben sie sich ein Geruchsspiel ausgedacht. Auf Karten stehen Stationen eines Lebens, von sechs Wochen vor der Geburt bis kurz nach dem Tod der Großmutter. Die Besucher riechen an Dosen und versuchen, die Gerüche den Stationen zuzuordnen. Klara Kolleck betreut das Spiel. „Es ist was anderes als Bücher“, sagt sie. „Man assoziiert mit Wörtern Gerüche.“ Ihr Lieblingsgeruch ist der zum 17. Mai, dem norwegischen Nationalfeiertag: Er duftet nach Eis und Würstchen.

Eine Asterix-Figur steht auf der Buchmesse – sein Verlag ist nicht vertreten.
Asterix ohne Verlag:

Ein riesiger Asterix grüßt die Besucher der Frankfurter Buchmesse. Der Verlag Egmont Ehapa, der die Comic-Reihe „Asterix“ auf Deutsch herausbringt, ist 2019 nicht auf der Frankfurter Buchmesse vertreten. Und das, obwohl die Kultfiguren Asterix und Obelix heuer ein Jubiläum feiern – vor 60 Jahren ist das erste Buch von René Goscinny und Albert Uderzo in Frankreich erschienen. Schade, dass der Verlag zudem die Chance verpasst, den neuen Asterix-Band „Die Tochter der Vercingetorix“ auf der Messe vorzustellen. Das Buch erscheint am Donnerstag, 24. Oktober, auf Deutsch.

Auch ein Oberpfälzer Verlag ist auf der Frankfurter Buchmesse

Regensburg
Vielfältiges Kanada: Vorschau auf 2020:

Unter dem Motto „Singular Plurality“ („Einzigartige Pluralität“) will sich Kanada 2020 als Ehrengast auf der Frankfurter Buchmesse präsentieren. „Kanada wird kraftvolle Werke aus allen literarischen Genres von französischen, englischen und indigenen Kunstschaffenden vorstellen und zugleich die vielen unterschiedlichen Herkünfte und Hintergründe zeigen, die unser Land ausmachen“, sagte die Vorsitzende des kanadischen Gastauftritts, Caroline Fortin, am Donnerstag in Frankfurt. Das mehrsprachige nordamerikanische Land zählt um die 37 Millionen Einwohner, der Buchmarkt umfasst rund 300 Verlage. (dpa)

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