06.07.2018 - 10:06 Uhr
Cham in der OberpfalzOberpfalz

Die letzten Jedi leben in Cham

Die Macht ist stark in seiner Familie: Fabian Engl hat vor vier Jahren mit Vater Günther die einzige Lichtschwertschule Deutschlands gegründet, die Jedi-Academy Cham. Seine Schwester bildet die Kämpfer aus. Zu Besuch bei den Jedi-Rittern.

von Julian Trager Kontakt Profil

Kein Sumpfgebiet, keine Felseninsel – die Jedi werden in der kleinen Turnhalle der ehemaligen Schule in Loibling bei Cham ausgebildet. Vor Sprossenwänden und einer blauen Weichbodenmatte krachen Lichtschwerter aufeinander. Die Kämpfer drehen sich, sprinten, schlittern über den Boden, es quietscht. Die Haare sind nass, der Schweiß fließt ihnen über die Stirn. Jedi-Sein ist anstrengend. Ein junger Mann, breites Kreuz, dünne Brille, schulterlange Haare, unterbricht das Duell. Die Schüler scharen sich um ihn, lauschen seinen Worten. Der Mann heißt Fabian Engl, ist 21, Kellner – und Jedi-Meister.

Engl ist Mitbegründer der Jedi-Academy Cham. Die nach eigenen Angaben einzige Lichtschwertkampfschule in Deutschland, gegründet im Mai 2014 mit seinem Vater Günther Engl, der mittlerweile nicht mehr dabei ist. Fabian Engl ist gar kein übermäßig großer „Star Wars“-Anhänger: „Ich bin ein Fan, bloß ein ziemlich komischer.“ Ihn interessieren vor allem die Lichtschwerter. Der 21-Jährige ist so was wie der Chamer Yoda, eine berühmte Figur aus den „Star Wars“-Filmen: Außer ihm gibt es zurzeit keinen weiteren Jedi-Meister, zumindest in Cham. „Den Rang muss man sich wirklich verdienen“, sagt Engl. Man müsse alles können: Mindestens zwei Waffen beherrschen, Schauspielen, Stunts – ein Meister wird man aber nur, wenn man das alles auch unterichten könne. Ist alles schriftlich festgehalten. „Die Meisterprüfung ist wie eine Lehramtsprüfung, recht umfassend.“ Engl spricht darüber wie ein Professor über seinen Studiengang. Ist ja auch eine Akademie.

Zu Besuch in der Jedi-Academy Cham

Auftritte in Europa

In der Lichtschwertschule, die von Engls Schwester Larissa geleitet wird, werden die Grundlagen gelehrt. Ist der Schüler gut genug, kann er einer der beiden Showkampfgruppen beitreten. Die besten sind in der Pflichtkampfgruppe und treten in ganz Deutschland und im Ausland auf. Unter anderem in Österreich, der Schweiz und im Legoland. Die Shows werden von Fabian Engl geplant, er schreibt die Drehbücher, Dialoge, entwickelte den Kampfstil. Der orientiere sich zwar an den „Star Wars“-Filmen, sei aber anders, ein Mix aus 15 verschiedenen Kampfsportarten. „Der Lichtschwertkampf ist mit nichts vergleichbar“, findet Engl. Er sei viel eleganter, dynamischer, flüssiger als der normale Lichtschwertkampf.

Damit das auch gut ausschaut, muss viel trainiert werden. Die Choreografie muss sitzen, das Timing muss passen. Jeder Schritt, jeder Tritt, jeder Schlag muss stimmen – sonst tritt der Jedi zu offensichtlich ins Leere oder schlägt sein Gegenüber wirklich, obwohl’s doch nur so aussehen soll. Dann gibt es Verletzungen. Die Schüler berichten von Nasenbeinbrüchen und Bänderrissen. Oder es trifft gar das Publikum. Einmal saß ein Handgriff nicht, schon flog das Schwert auf die Schulter einer Zuschauerin.

Nur Disney darf Geld verdienen

Manchmal bezahlten Veranstalter aber Anfahrt und Übernachtung. Ansonsten ist Jedi-Sein nicht nur anstrengend, sondern kostet auch Geld. Der Aufwand lohnt sich aber, finden die Schüler, die man fragt. Vor allem die Auftritte. „Wenn Kinder mit großen Augen auf dich zu kommen und ein Foto mit dir wollen, ist das ein schönes Gefühl“, sagt Larissa Engl.

Die Jedi-Academy trainiert jeden Samstag in der kleinen Turnhalle. An diesem Tag sind neben Fabian und Larissa Engl sechs weitere Kämpfer da, insgesamt sind es aktuell 18 Mitglieder, im Alter zwischen 11 und 32 Jahren. Manchmal merkt man die 20 Jahre Unterschied: Wenn der jüngste Kämpfer gar nicht mehr aufhören möchte zu reden, runzelt der älteste die Stirn, schaut ihn fragend an. Dann wirkt der tatsächlich wie Yoda, der einmal zu seinem Schüler sagte: „Viel zu lernen du noch hast.“

"Das ist ein Riesending"

Ansonsten lachen die Chamer Jedi-Ritter viel. „Es macht einfach unheimlich viel Spaß“, hört man aus jedem Mund – auch wenn manche für ihr Hobby in der Schule ausgelacht werden. „Es gibt auch Leute, die sagen, wir sind Spinner“, gibt Fabian Engl zu. Interessiert ihn nicht. Den Kritikern hält er gerne die Erfolge seiner Academy entgegen: „Das ist ein Riesending, was wir hier machen. Ohne Budget, in Cham. Ist übertrieben, wie groß wir das bekommen haben.“ Die meisten Reaktionen seien aber positiv, viele Menschen fänden das extrem cool.

In der kleinen Turnhalle der ehemaligen Schule in Loibling sind die Kämpfer fertig mit dem Training. Für den Fotografen haben sie sich in ihre „Star Wars“-Outfits gezwängt. Nach ein paar Fotos und Videos ist Schluss. Ein Sith-Lord, schwarze Lederstiefel, schwarzer Umhang bis zu den Knöcheln, packt sein rotes Lichtschwert ein, trinkt aus seiner Apfelschorle und sagt Servus.

Info:

Lichtschwerter aus Taschenlampen

Das Lichtschwert ist die typische Waffe der Jedi und deren Gegenspieler, den Sith. Wer keins kaufen möchte, kann sich selbst ein Lichtschwert bauen. Zum Beispiel aus einer Maglite-Taschenlampe. Die dient als Griff, wie Fabian Engl erklärt. Die Klinge ist ein Rohr aus Polycarbonat, das mit einer LED beleuchtet wird. Spiegel und Folie verstärken das Licht. Für die Jedi-Academy Cham baute bis vor kurzem Fabians Vater, Günther Engl, die Lichtschwerter. Nach dessen Ausstieg kümmern sich Fabian Engl und Michael Loy darum. Die beiden entwickeln seit einem Jahr ein Soundsystem, das die Schwertbewegungen auf einen Computer überträgt und die Geräusche über ein Anlage ausspielt. Aktuell läuft bei ihren Auftritten nur Musik. „Der klassische Lichtschwertsound fehlt noch“, sagt Fabian Engl.

Info:

Star Wars

Die Filmreihe „Star Wars“ ist eine klassische Geschichte von Gut gegen Böse. In bisher acht Filmen kämpfen die Jedi-Ritter gegen ihre dunklen Gegenspieler, die Sith. Dazu benutzen sie die „Macht“ – eine metaphysische, bindende und allgegenwärtige Kraft. Die Story von Luke Skywalker, Han Solo, Meister Yoda und Darth Vader ist eine der berühmtesten Filmserien der Welt.

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