15.10.2018 - 21:24 Uhr
Oberpfalz

CSU holt sich trotz großer Verluste alle Direktmandate in der Oberpfalz

Es bröckelt und bröselt bei der CSU - auch in der "schwarzen" Oberpfalz. Das gefällt den Grünen im Regierungsbezirk, auch weil für sie nun eine Regierungsbeteiligung im Bereich des Möglichen liegt. Eine Gemeinsamkeit zwischen Schwarz und Grün schafft das Ergebnis der AfD im Bezirk.

Die Direktkandidaten der Oberpfälzer Stimmkreise
von Wolfgang Würth Kontakt Profil

Bei allen Verlusten und historischen Veränderungen: In der Oberpfalz ist die Welt wenigstens bei den Direktmandaten in Ordnung, zumindest auf den ersten Blick. Alle acht Mandate gehen am Sonntagabend an die Regierungspartei. Ein zweites Hinschauen zeigt aber schon: Auch in der vermeintlich "schwarzen" Oberpfalz müssen die Christsozialen Federn lassen.

Das gilt besonders für den Kandidaten in Regensburg Stadt: Franz Rieger war zuletzt in den Strudel der Regensburger Parteispenden-Affäre geraten, inklusive Hausdurchsuchung durch die Polizei wenige Wochen vor der Wahl. Als Konsequenz muss Rieger am Sonntag lange die Blamage fürchten, liefert sich ein enges Rennen mit dem Grünen Jürgen Mistol. Erst gegen 20 Uhr setzt sich Rieger leicht ab, aber sein Sieg mit lediglich rund 27 Prozent lässt den Rechtsanwalt alles andere als jubeln. Auch das Gesamtergebnis in der Bezirkshauptstadt ist bemerkenswert: Die CSU liegt mit 29,5 Prozent nur fünf Punkte vor den Grünen.

Gesamtergebnis zählt

Aber auch der Oberpfälzer Stimmenkönig ist nicht begeistert. Bezirksvorsitzender und Finanzminister Albert Füracker spricht am Sonntagabend unaufgeregt von einem "nicht erfreulichen" Ergebnis für die gesamte CSU. Er selbst war mit 50,4 Prozent stärkster Oberpfälzer Direktkandidat, sammelte aber auch rund sechs Prozent weniger als 2013. Für den zweitstärksten, Tobias Reiß, im Wahlkreis Tirschenreuth bedeuten 47,4 Prozent einen ähnlichen Verlust. Stephan Oetzinger kommt bei seiner ersten Kandidatur im Wahlkreis Weiden auf 41 Prozent. Harald Schwartz erreicht in Amberg-Sulzbach rund 43 und Alexander Flierl in Schwandorf knapp 38 Prozent. In Cham setzt sich Gerhard Hopp mit 44 Prozent durch. Sylvia Stiersdorfer sammelt in Regensburg Land 39 Prozent.

Albert Füracker stellte in seiner Analyse das Gesamtergebnis in den Vordergrund. Den Verlust der Regierungsmehrheit nennt er bedauerlich. "Die Analyse muss zeigen, woran es lag." Ernst wird es schon am Montag, wenn in München der Parteivorstand zusammen kommt. Fest steht für den aktuellen Finanzminister aber auch: "Die CSU hat erneut einen klaren Regierungsauftrag." Beim Thema Koalitionspartner gelte das, was Ministerpräsident Markus Söder gesagt hat, grundsätzlich sei die CSU bereit mit jedem zu koalieren, außer mit der AfD. Vorrang habe "natürlich das bürgerliche Lager, allerdings nicht um jeden Preis". Gegen die Grünen spreche deren Programmatik und die jüngsten Angriffe von Bundesvorsitzenden Robert Habeck, der Bayern demokratische Verhältnisse abgesprochen hatte.

Eslarn: 19 AfD-Prozent

"Das Wahlergebnis der Grünen in Bayern zeigt, dass man mit einem Wahlkampf, der auf Zuversicht setzt, erfolgreich sein kann", freute sich Jürgen Mistol. Das sei ein gutes Zeichen für den Zusammenhalt der Gesellschaft. Ob die Grünen bereit wären für eine mögliche Koalition mit der CSU? "Wir sind angetreten, um gestalten zu können", schloss der Regensburger Landtagsabgeordnete nichts aus. Die Wahl zeige vor allem: "Der Nimbus, CSU ist gleich Bayern, funktioniert nicht mehr."

Einig waren sich Grüne und CSU in der Oberpfalz über das Abschneiden der AfD im Regierungsbezirk. Mit rund 12,5 Prozent liegt die Partei deutlich über dem bayernweiten Schnitt. Absolute Hochburg der Partei in der nördlichen Oberpfalz ist die Gemeinde Eslarn mit mehr als 19 Prozent.

Im Landkreis Schwandorf liegt die AfD mit 14 Prozent nur knapp hinter den Freien Wählern auf Platz drei. In Cham erreicht die Partei sogar 16 Prozent, auch hier liegt sie hinter CSU und Freien Wählern. In einzelnen Gemeinden kommen die AfD und ihr Direktkandidat Josef Lankes auf bis zu 24 Prozent. Vergleichsweise schwach schneidet die AfD in Neumarkt (10 Prozent), Tirschenreuth (11) und der Stadt Regensburg (9) ab.

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