07.09.2018 - 12:49 Uhr
Diepoltsreuth bei FloßOberpfalz

Ziegen schützen die Hühner

"Irgendwie sind die ganzen Gollwitzer aus der Umgebung miteinander verwandt." Doch ausgerechnet Rüdiger Prölß hat einen anderen Namen. Der 38-Jährige ist heute Besitzer des Gollwitzerhofs, der seit 150 Jahren am Eingang zum Doost steht.

Christl Brandl und Rüdiger Prölß mit Ziege "Seppl" unter der Tafel, aus dem Jahr 1868 auf dem Gollwitzerhof.
von Uwe Ibl Kontakt Profil

Eine Steintafel mit der römischen Jahreszahl und den Namen der damalige Hofbesitzer Johann Bartholomäus und Anna Margarethe Gollwitzer ziert die Wand über dem Rundbogen, durch den es zum Stall mit den Hühnern, Enten und Ziegen geht. Bis der alte Hof abbrannte, bewirtschafteten die Gollwitzers ihre Felder direkt von Diepoltsreuth aus.

"Mein Traum war es von Jugendbeinen an, Landwirt zu werden", sagt Prölß. 2003 übernahm er den Hof, aus dem seine Mutter Gerlinde stammt. Der Vater war Lehrer in Floß, wo auch Rüdiger aufwuchs. Den Hof sollte der Onkel bekommen, der aber mit 26 Jahren bei einem Autounfall starb. Nach dem Unglück wurde die Landwirtschaft weitgehend verpachtet. Im Hitzejahr 2003 wurde Rüdigers Traum dann wahr, er übernahm den Hof samt kleinem Campingplatz, den der Opa Jahre zuvor am Weiher gegenüber aufgebaut hatte.

Von den über 80 Hektar Gesamtfläche sind rund ein Drittel Wald, etwas größer ist die Ackerfläche. Dazu kommen drei Teiche und das weiterhin verpachtete Grünland. Prölß hat sich neben dem Wald auf Ackerbau spezialisiert. Er baut Wintergerste, Raps, Mahlroggen, Weizen und wegen der Fruchtfolge in Kooperation mit einem Nachbarn Mais an. Die Vermarktung erfolgt primär über die Lamplmühle und das Raiffeisenlagerhaus Wurz. Obwohl er mit 50 Prozent Einbußen in diesem Jahr rechnet, will er nicht jammern. Auch nach den Niederschlägen der vergangenen Tage, sei der Boden in zehn Zentimetern Tiefe völlig trocken. Zuschüsse wegen der Trockenheit erwartet er nicht. "Das bekommen nur die Kollegen, die Rauhfutterfresser im Stall haben." Die angeblich höheren Preise aufgrund der geringen Erntemengen würden den Verlust nicht auffangen.

"Ich habe das Jahr als nicht so heiß empfunden ‒ nur als trocken", meint der gelernte Landwirt. "Wir haben manchmal einen etwas eigenartigen Standort. Die Wolken ziehen hier entweder südlich oder nördlich vorbei." Hagel sei selten, meist bleibe der Gollwitzerhof verschont. Doch: "2018 wird ein Jahr sein, an das ich mich lange zurückerinnern werde." Das Unwetter am Montag, 11. Juni, haute Dachluken von Wohnwagen auf dem Campingplatz und im Haus zusammen. Autoscheiben zerrissen. Er selbst flüchtete sich vor den tennisballgroßen Eisbrocken in die Scheune. Und dann brannte in diesem Jahr beim Dreschen auch noch ein Feld. "Bis zum Schupfen waren es nur noch zwei Meter." Mit dem Wasser aus Gießkannen rettete er zusammen mit einigen Campern die Gebäude vor den Flammen.

Freundin Christl Brandl kümmert sich um einige Hühner und Enten für den Eigenbedarf. Die Wiesendorferin hat von ihren Eltern drei Ziegen mitgebracht. Seit die mit dem Federvieh im auf der Wiese zusammenleben, hat der Habicht kein Huhn mehr geholt.

Daneben ist Prölß als Jäger sowie Jagdhornbläser in Windischeschenbach aktiv, geht gerne zum Zoigl und braut hin und wieder mit einem Bekannten selbst Bier. "Das ist zwar zeitintensiv, aber nicht so kompliziert." Am Hochsilo ranken vier verschiedene Hopfensorten empor, deren Dolden er zu Bier veredelt hat. "Jetzt bin ich leider schon länger nicht mehr zum Brauen gekommen."

Ärger gibt es manchmal mit Ausflüglern und Spaziergängern, die zum Doost wollen. Beim Gollwitzerhof endet die nicht asphaltierte Straße. Dann führt ein Pfad in den Wald. Problem: Es fehlt ein ausgewiesener Parkplatz. Um den müsste sich nach Prölß' Meinung der Markt Floß kümmern.

Camping am Gollwitzerhof:

Die Anfänge des Campingplatzes gehen auf den Großvater zurück. "Er hätte in der Genehmigungsphase fast das Handtuch geworfen", hatte Rüdiger Prölß von seinen Eltern erfahren. Mit der Sense in der Hand hätten die Gäste anfangs ihre Parzelle selbst gemäht. Das habe ihm ein alter Camper berichtet, schmunzelt Prölß. Die meisten seiner Kunden stehen seit Jahren am Weiher neben dem Haus, haben Zäune, Beete, gepflegten Rasen. Großes Plus für den Platz ist die absolute Ruhe. Keine Straße weit und breit. Kurzzeitgäste kommen auch, aber selten. Seit ein bis zwei Jahren registriert der Besitzer wieder mehr Kinder. "Das sind Enkel, aber auch junge Familien - auch wen die meisten ältere Semester sind." Saison ist von Anfang Mai bis Ende September. Das übrige Jahr sind die Sanitärräume geschlossen und das Duschwasser bleibt kalt. (ui)

Für die Dauercamper ist der Platz beim Gollwitzerhof in der Nähe des Naturschutzgebietes Doost das Paradies. Die meisten kommen aus dem Umkreis, aus Windischeschenbach, Weiden und Floß, Wiesau und Amberg.

Für die Dauercamper ist der Platz beim Gollwitzerhof in der Nähe des Naturschutzgebietes Doost das Paradies. Die meisten kommen aus dem Umkreis, aus Windischeschenbach, Weiden und Floß, Wiesau und Amberg.

Für die Dauercamper ist der Platz beim Gollwitzerhof in der Nähe des Naturschutzgebietes Doost das Paradies. Die meisten kommen aus dem Umkreis, aus Windischeschenbach, Weiden und Floß, Wiesau und Amberg.

Christl Brandl und Rüdiger Prölß mit Ziege "Seppl" unter der Tafel, aus dem Jahr 1868 auf dem Gollwitzerhof.

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