05.04.2019 - 16:37 Uhr
Dießfurt bei PressathOberpfalz

Weihwasserkessel muss weichen

"Ewig und drei Tage" reicht den Dießfurtern das Weihwasser. Das stellt Pfarrer Edmund Prechtl fest. Ob der Kessel deshalb gleich weg muss, müssen aber andere entscheiden.

Der Weihwasserbehälter in der Dießfurter Kapelle soll gegen ein kleineres Modell ausgetauscht werden.
von Anne Wiesnet Kontakt Profil

Der Weihwasserbehälter in seiner Kapelle in Dießfurt ist groß - zu groß, findet der Kirchenbauverein. In der Jahreshauptversammlung teilten die Vorstandsmitglieder deshalb mit, dass sie sich einen kleineren Behälter anschaffen wollen. Doch warum ist der Kupferkessel, der ein Geschenk des mittlerweile verstorbenen Pfarrers Ludwig Bock war, zu groß für Dießfurt?

Circa 1,35 Meter ist das Gestell mit dem Weihwasserbehälter insgesamt hoch. Der Kupferkessel hat einen Durchmesser von 45 Zentimeter. "Wie viel Liter werden das sein? 50 Liter vielleicht", schätzt der Pressather Pfarrer Edmund Prechtl, der einmal im Monat in der Kapelle Mariä Himmelfahrt eine Messe hält, auf Nachfrage von Oberpfalz-Medien das Fassungsvermögen des Gefäßes. Es könnten auch noch mehr Liter sein. "Es ist auf jeden Fall zu groß für das Dörfel", meint er. Der Bedarf für so viel Weihwasser sei nicht da, das Weihwasser stehe eine ganze Zeit lang. Wie oft es vorkommt, dass das Wasser gewechselt und neu geweiht werden müsse? "Ewig und drei Tage", antwortet der Pfarrer. Der große Behälter sei außerdem unhandlich. Ob der Pfarrer verstehen könne, dass der Kirchenbauverein, dem die Kapelle gehört, den Kupferkessel austauschen möchte? "Ja Gott, aber das ist deren Zeug." Zur Herkunft des Gefäßes kann Prechtl nichts sagen.

Dafür erinnert sich Altbürgermeister Anton Gareis. Demnach sei der Weihwasserbehälter nach der Sanierung der Pressather Stadtpfarrkirche Mitte der 1990er Jahre auf Wunsch des damaligen Pfarrers Ludwig Bock von Pressath nach Dießfurt verlegt worden. Bock sei der Meinung gewesen, der Kupferkessel passe vom Stil her nicht mehr in die Pressather Kirche und müsse woanders hin. "Der Weihwasserbehälter war auf die Stadtpfarrkirche in Pressath ausgerichtet und passt vom Größenverhältnis natürlich nicht nach Dießfurt", erklärt Gareis.

Vergleicht man die Zahl der Katholiken der Pfarrei Pressath und der Pfarrei Schwarzenbach, zu der der Gemeindeteil Dießfurt gehört, wird das auch deutlich: 3446 Katholiken zählt die Pressather Pfarrei St. Georg laut der Homepage der Pfarreiengemeinschaft Burkhardsreuth-Pressath-Schwarzenbach. In der Pfarrei St. Antonius von Padua Schwarzenbach seien es 1201 Katholiken. Der Weihwasserbehälter habe laut Gareis den Zweck, dass sich die Katholiken Weihwasser für zu Hause mitnehmen können. Doch die wenigen Dießfurter bräuchten natürlich nicht so viel Wasser wie die Pressather.

Deshalb solle nun ein neuer, kleinerer Behälter her, hieß es bei der Jahreshauptversammlung des Kirchenbauvereins. Für Informationen zu ihrem "alten" und neuen Weihwasserbehälter sowie dem Verbleib nach dem Austausch war der Vorstand auf Nachfrage nicht zu sprechen.

Info:

Kirchenausstattung wandert ins Depot

Was passiert mit der Ausstattung einer Kirche oder Kapelle, wenn die Gegenstände ausgetauscht werden sollen? Jakob Schötz, Pressesprecher des Bistums Regensburg, kennt die Antwort: „Bei Veränderungen in Kirchen, was die liturgische Ausstattung betrifft, wird immer die Kunstkommission der Diözese zu Rate gezogen“, berichtete er auf Nachfrage von Oberpfalz-Medien. „Die beurteilt erst einmal den Gegenstand, ob er von kunsthistorischem Wert ist.“ Je nachdem wie das Urteil ausfällt, könnten dann Veränderungen vorgenommen werden oder eben nicht.

Werden Gegenstände der liturgischen Ausstattung ausgetauscht, sei es entweder so, dass diese weiterverkauft oder zwischengelagert werden. „Wenn sie von großem kunsthistorischen Wert sind, dann kommen sie meistens ins Depot der Kunstsammlungen im Bistum Regensburg“, teilte der Pressesprecher mit. Die Gegenstände könnten dann für einen neuen Zweck wieder hervorgeholt werden.

Der Dießfurter Weihwasserbehälter sei jedoch ein Sonderfall, erklärte Schötz. Denn das Bistum nutze zwar die Kapelle, sei aber nicht der Eigentümer. Gebäude und Ausstattung würden dem Kirchenbauverein gehören. Deshalb will sich Schötz „in die Causa Dießfurt“ nicht einmischen.

Info:

Pfarrer Ludwig Bock

Der Weihwasserbehälter, der in der Dießfurter Kapelle Mariä Himmelfahrt steht, war ein Geschenk von Pfarrer Ludwig Bock. Der Geistliche wirkte ab dem Jahr 1976 über 36 Jahre als Seelsorger in Pressath. Zuvor war der gebürtige Weidener in Kaltenbrunn als Pfarrer tätig gewesen. Bock verstarb am 6. April 2015 – dem Ostermontag – im Seniorenheim St. Josef in Pressath. Der Schock über den Tod des Ehrenbürgers, der kurz darauf seinen 85. Geburtstag hätte feiern können, saß tief bei den Pressathern. Ihr Pfarrer war als „Baumeister“ und „Leutepfarrer“ bekannt, der sich gerne unter das Volk mischte. Ihm zu verdanken waren die Renovierung des Pfarrhofes sowie der Um- und Anbau von Kindergarten, Seniorenheim und Pfarrsaal. Mit der Pfarrer-Ludwig-Bock-Straße gedenkt die Stadt Pressath ihrem ehemaligen Pfarrer und Ehrenbürger.

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