09.08.2020 - 14:58 Uhr
DieterskirchenOberpfalz

100 Tage im Bürgermeisteramt: Anita Forster rüstet sich für großes Pflichtprogramm

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Die Stempel im Amtszimmer warten noch auf eine Inspektion. Den Rest hat Anita Forster, neue Bürgermeisterin von Dieterskirchen, nach 100 Tagen ganz gut im Griff. Etwas aus der Hand zu geben, das will sie noch üben.

Anita Forster fühlt sich wohl auf dem Chefsessel im Dieterskirchener Rathaus und ist zufrieden mit den ersten 100 Tagen im Bürgermeisteramt.
von Monika Bugl Kontakt Profil

Ziemlich leer sieht er aus, der Schreibtisch im Amtszimmer der neuen Dieterskirchener Bürgermeisterin Anita Forster. Drei neue Stühle hat sie sich zum Einstand im Rathaus gegönnt, dazu vom Dachboden ein Bild des örtlichen Kunstmalers Robert Bergschneider. "Ich war allerdings in den vergangenen Wochen meistens in der Verwaltungsgemeinschaft", sagt die Frau, die Hans Graßl als Rathaus-Chef abgelöst hat. Schließlich sei sie Neuling nicht nur auf dem Chefposten, sondern auch im Gemeinderat, und da sei erst mal der Kontakt zu den Sachbearbeitern wichtig beim Einarbeiten. Und gerade bei der Kontaktaufnahme hatte die 43-Jährige in der Corona-Pandemie kein leichtes Spiel.

Pandemie bringt Zeit zum Einarbeiten

"Da lief viel übers Telefon", bedauert Forster, die als ausgebildete Gemeindereferentin und Religionslehrerin in Neunburg schon immer gern mit Menschen zu tun hatte. "Aber um sich mal in die Beschlussbücher einzulesen, waren die Kontakt-Beschränkungen wegen Corona optimal", zieht sie Bilanz und berichtet von vielen neuen Bürgermeister-Kollegen, die die unerwartete Einarbeitungszeit zu schätzen wussten. Die liegt nun genauso hinter ihr wie der "Nervenkrieg" am Wahlabend, als sie sich mit nur sechs Stimmen gegen ihren Konkurrenten Thomas Köppl durchsetzen konnte. "Er ist jetzt Dritter Bürgermeister, das ist doch ein Zeichen für gute Zusammenarbeit", meint die Kommunalpolitikerin von der CSU und fügt hinzu: "Bei uns geht es um die Sache."

Rückblick auf die Bürgermeisterwahl am 15. März 2020

Dieterskirchen

Anita Forster hat ihren ersten 100 Tagen auch gleich Anregungen aus der Bürgerschaft aufgegriffen. "Eine meiner ersten Amtshandlungen war die Anschaffung von Hundetoiletten, den Spielraum dazu hatte ich", berichtet sie mit einem Schmunzeln. Eine neue Türe zum Felsenkeller ist längst bestellt, der neue Kindergarten schon eingeweiht. "Jetzt geht es an die Außenanlagen und den Zaun", erklärt die neue Bürgermeistern, die nach wie vor halbtags als Religionslehrerin in Neunburg arbeitet. Das Ehrenamt in der Politik sei tatsächlich ganz schön zeitaufwendig, räumt sie ein. Das hatte sie aber auch einkalkuliert. Auch, dass es abwechslungsreich sein würde und reich an Begegnungen mit anderen Menschen.

Delegieren lernen

"Was ich noch lernen muss, ist Sachen zu delegieren", hat die Chefin im Rathaus festgestellt. "Man würde sonst einfach nicht rumkommen." Also habe sie gleich dem Ehemann "den Garten aufs Auge gedrückt". Die 18, 17 und 15 Jahre alten Kinder packen ebenfalls mit an und übernehmen beispielsweise mal das Kochen. "Glücklicherweise sind alle sehr eigenständig, das läuft", meint die 43-Jährige .

Es ist mir wichtig, dass sich die Leute melden, wenn etwas nicht passt, statt hintenrum zu schimpfen.

Bürgermeisterin Anita Forster

Bürgermeisterin Anita Forster

Ein Sorgenkind sei hingegen die kleine Grundschule am Ort mit 40 Kindern in zwei Kombi-Klassen. Schwer vorstellbar und sehr kostenintensiv werde es sein, sie zur Ganztagsschule aufzurüsten, befürchtet die Bürgermeisterin. Dann ist da noch der Friedhof, auf dem es bislang noch keine Urnengräber gibt. Die Kläranlage müsse ertüchtigt werden, und den zehn Brücken über die Ascha im Gemeindegebiet steht eine Prüfung ins Haus. "Viel Pflichtprogramm", weiß die Rathaus-Chefin, die inzwischen auch ihre erste Trauung hinter sich hat. Bei all den Anforderungen in den ersten Amtstagen war sie froh, dass sie es im Beruf und als Leiterin eines 30-köpfigen Chors gewohnt ist, "sich vor Leute hinzustellen" – "gut, wenn man da nicht mit großer Aufregung kämpfen muss".

Ab September wird Anita Forster auch wieder eine Sprechstunde im Rathaus anbieten. "Es ist mir wichtig, dass sich die Leute melden, wenn etwas nicht passt, statt hintenrum zu schimpfen", macht sie deutlich. "Man wird nicht jedes Problem lösen können", schränkt die 43-Jährige ein, "aber wenn man nichts davon weiß, dann kann man auch nichts bewirken."

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