In Ebermannsdorf war zum Jahresende zur Raunachts-Wanderung des Historischen Vereins und der Köhler eingeladen gewesen. Der Weg führte von der Ebermannsdorfer Kirwawiese durch den Wald zum Köhlerplatz und wieder zurück. Entlang der Feld- und Waldwege erzählte Josef Gilch im Fackelschein von abergläubischen Begebenheiten, Bräuchen und geheimnisvollen Sagen rund um Ebermannsdorf. Er empfahl den Raunachts-Wanderern, in diesen Tagen den Wäschekorb unberührt zu lassen, denn sonst könnten Irrlichter und Geister in den zwölf Losnächten zwischen dem ersten Weihnachtsfeiertag und dem Dreikönigstag schlechte Laune bekommen und den Menschen zürnen.
Mystische Begebenheiten
Die Raunachtwanderung des Historischen Vereins und der Köhler aus Ebermannsdorf ist schon Tradition. Trockene Kälte, Raureif, und mystisch blau-roter Abendhimmel waren die besten Voraussetzungen für diese winterliche Veranstaltung zwischen Ebermannsdorf und Schafhof. Erwartungsvoll haben sich die Teilnehmer kurz vor Einbruch der Dunkelheit am Parkplatz bei der Luxemburg-Wiese zusammengefunden. Zum späten Glockenschlag der Schlosskirche hieß der Vorsitzende des Historischen Vereins Josef Gilch die erwartungsvolle Teilnehmerschaft willkommen, ehe man sich in Richtung Köhlerplatz auf den Weg machte.
Die Wanderteilnehmer erfuhren von mystischen Begebenheiten zu den Tagen zwischen den Jahren. So könne der Bestandteil des Namens „rau“ aus dem Mittelhochdeutschen „ruch“ für wild, haarig oder pelzig abgeleitet werden. Ein weiterer Name ist „Losnächte“, was von „losen“ für lauschen und horchen komme – im Oberpfälzischen „luhsen“. Was auf das Orakeln und die Möglichkeit der inneren Einkehr und die Zeit der Ruhe hindeute – und dass in diesen Tagen die Tiere im Stall sogar sprechen können, erzählt man sich.
Sage der Sirene „Huldra“
Josef Gilch erzählte im Halbdunkel von der sagenumwobenen nordischen Sirene „Huldra“. Im Gegensatz zu anderen Fabelwesen habe sie ihren Ursprung nicht im Heidentum, sondern im Christentum, nämlich in einer Geschichte über Eva im Paradies, die nur die Hälfte ihrer Kinder gewaschen hatte, als der Herrgott bei ihr vorbeischaute. Zutiefst beschämt über ihre schmutzigen Kinder, sollen sie versteckt worden sein. Der Sage nach soll Gott der Herr die Kinder daraufhin zu schönen, unsichtbaren Wesen verwandelt haben. „Der Sage nach ermöglicht die Sirene Huldra den Köhlern einen erholsamen Schlaf, während sie nachtsüber die glimmenden Kohlenmeiler bewacht.“ Als Dank hinterlassen die Kohlenbrenner auch heute noch zur Erinnerung eine Brotzeit am Kohlenmeiler.
Es war schon finster geworden, als die Raunachts-Wanderer im Fackelschein am Köhlerplatz eintrafen. Die beiden Festwarte Jürgen Rieger und Thomas Krybus hatten Gulaschsuppe vorbereitet und dampfenden Glühwein auf dem Holzofen angerichtet, ehe man sich dann gut gestärkt wieder auf den Rückweg nach Ebermannsdorf machte.
Unterwegs lauschten die Raunachts-Wanderer gespannt der Geschichte von armen Köhlern im Ebermannsdorfer Forst, denen in einer stürmischen Nacht von der wilden Jagd, dem „Wildgoich“, übel mitgespielt worden war. Wie Josef Gilch zum Ende der Nachtwanderung sagte, solle man das alte Wissen nicht vergessen und an nachkommende Generationen weitergeben.








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