17.08.2018 - 17:52 Uhr
EbermannsdorfOberpfalz

Zwischen A6 und B85: Siemens plant neues Logistikzentrum

Siemens plant in Schafhof (Ebermannsdorf) ein großes Logistikzentrum, in dem Produkte des Konzerns verpackt und in alle Welt verschickt werden sollen. Der Standort ist ideal - im Kreuzungspunkt von B 85 und A6.

Aus der Luft gut zu erkennen ist der bereits gerodete Teil des neuen Ebermannsdorfer Industriegebiets Schafhof Ost (Bildmitte). Es liegt gegenüber des ersten Industriegebiets, Schafhof West (im Vordergrund), zwischen der A 6 (am linken Bildrand) und der B 85 (quer durch die Bildmitte).
von Heike Unger Kontakt Profil

Ein großer Wurf für Ebermannsdorf und seinen Bürgermeister Josef Gilch. Der freut sich natürlich, räumt aber auch freimütig ein: "Das ist uns zugefallen". Die Gemeinde profitiere hier ganz klar von der optimalen Lage ihrer Industriegebiete: Im Knotenpunkt von A 6 und B 85 wird Schafhof nicht umsonst im Teilraumgutachten A 6 als Premium-Standort eingestuft. Und so gesellt sich in absehbarer Zeit zu den beiden bestehenden Industriegebieten Schafhof Süd und West noch ein drittes, Schafhof Ost. Und das vierte taucht auch schon am Horizont auf.

Praktisch schon ausgebucht

Von der Top-Lage wissen natürlich auch namhafte Unternehmen: Die Verkehrs-Anbindung sei für sie ein wichtiges Argument bei der Standort-Wahl, sagt Gilch. Ein Firmensitz direkt zwischen den beiden Hauptverkehrs-Adern der gesamten Region - kein Wunder, dass das neue, geplante dritte Industriegebiet Schafhof Ost praktisch schon ausgebucht ist, bevor überhaupt die Erschließung begonnen hat.

Letztere will die Gemeinde im nächsten Jahr durchziehen, in Zusammenarbeit mit der Amberger Gewerbebau. Zuerst aber muss der Bebauungsplan geändert werden: Das Logistikzentrum beansprucht nach Gilchs Worten so viel Platz, dass die ursprünglich hier ebenfalls vorgesehene Tank- und Rastanlage samt Fast-Food-Restaurant nicht mehr untergebracht werden kann.

Gestrichen ist dieser Teil aber nicht: Sowohl der Bürgermeister als auch der mögliche Investor für eine die Tank- und Rastanlage haben größtes Interesse, diese trotzdem Wirklichkeit werden zu lassen. "Eine Tankstelle wäre schon gut, ein weiterer Hit an diesem Schnittpunkt", meint Gilch. Dabei denkt er schon zwei Schritte weiter - an ein viertes Industriegebiet schräg gegenüber des jetzt entstehenden. Die Flächen, die er dafür ins Auge gefasst hat, gehören dem Freistaat. "Da sind wir drüber", kommentiert er den Stand der Dinge. Erste Überlegungen zu Themen wie Verkehrsanbindung/Zufahrten und Naturschutz zeigten, auch Schafhof IV "wäre möglich". Um das zu konkretisieren, will Gilch demnächst mit Michaela Kaniber, Ministerin für Landwirtschaft, Ernährung und Forsten, sprechen.

Zehn Jahre Vorbereitung

"Wir stehen Gewehr bei Fuß", bilanziert Gilch für sich und den Tankstellen-Investor. Aber das ist noch Zukunftsmusik. Die nicht nur langfristig gedacht, sondern auch geplant sein will: Die Vorgeschichte des jetzt entstehenden Gebiets Schafhof Ost erstreckt sich über zehn Jahre - sie begleitet Gilch, seit er sein Amt angetreten hat. Was für den Laien wie eine lange Zeitspanne klingt, sei aber in der politischen und wirtschaftlichen Wirklichkeit ganz normal. Schließlich müssten in Zusammenhang mit einem neuen Industriegebiet mit diversen Stellen alle möglichen Aspekte geklärt werden. Und zuweilen auch unmögliche, wie die Sache mit dem braunen Waldmoorfrosch (Hintergrund).

Aber jetzt ist alles geklärt. Die Hälfte des neuen Industriegebiets ist gerodet, Teil zwei folgt in Bälde. Auf "Kampfmittelfreiheit" sei das Gelände in der Nähe eines einstigen geheimen Flugplatzes der Nationalsozialisten schon untersucht, dabei seien keine Probleme aufgetaucht.

Der geänderte Bebauungsplan liegt derzeit öffentlich im Rathaus auf. Gilch hofft, dass er "bis Weihnachten" rechtskräftig wird.

Info:

Siemens plant mit einem Investor

Es geht um „die von Kunden geforderten Reaktions- und Lieferzeiten“: Die Lieferung von Ersatzteilen weltweit innerhalb von 24 Stunden gehöre hier dazu, aber auch „besondere Verpackungsformate“: Das erklärt die Disivion Digital Factory von Siemens in einer Presseinfo zum geplanten Logistikzentrum in Schafhof. Von hier aus soll „ein Großteil der im Großraum Nürnberg/Amberg gefertigten industriellen Siemens-Produkte verpackt, verladen, verzollt und zentral in alle Welt geschickt“ werden.

Bereits heute „liefert die Logistik jeden Tag rund 47 000 Lieferscheinpositionen an Kunden in 147 Ländern aus“, betont Siemens. Das Logistikzentrum in Schafhof „soll bis Ende des Kalenderjahres 2020 in Betrieb gehen und die bisherigen Logistikstandorte im Großraum ersetzen“. Der Freistaat und die Gemeinde würden die dazu benötigten Grundstücke „an einen strategischen und langfristigen Investor oder Logistikdienstleister verkaufen“, der den Bau verantworte. Er werde über eine Ausschreibung ausgewählt und soll auch „die operativen Logistikprozesse“ verantworten.

Die Verhandlungen „laufen, eine Vetragsunterzeichnung ist im Herbst dieses Jahres vorgesehen“. Konkreter will Siemens derzeit noch nicht werden.

Jetzt schon über 1000 Arbeitsplätze

Parallel zur Erschließung von Schafhof Ost im nächsten Jahr könnte der Bau des Logistikzentrums beginnen, gibt Ebermannsdorfs Bürgermeister Josef Gilch als Zeitrahmen vor. Für die dann noch verbleibenden Rest-Flächen im neuen Industriegebiet liegen der Gemeinde bereits „zwei, drei Anfragen“ vor – damit wäre das Areal voll, genauso wie die beiden Vorgänger-Gebiete Süd und West. Die beiden bescheren Ebermannsdorf jetzt schon „über 1000 Arbeitsplätze“.

Weitere rund 350 werde das dritte Industriegebiet bringen, schätzt Gilch. Das, fügt er noch hinzu, sei etwas, was viele Amberger und auch Landkreis-Bewohner „Schafhof gar nicht zutrauen“ – dabei „verstecken sich hier ganz tolle Betriebe“, was auch die Arbeitsplatz-Zahlen zeigten.

Schafhof und der Waldmoorfrosch

Im Fall von Schafhof Ost war der braune Waldmoorfrosch ein ganz spezielles Thema: Auch wenn der kleine Hüpfer hier derzeit nicht vorkommt, könnte er sich doch angesichts für ihn optimaler Lebensbedingungen auf diesem Terrain wohlfühlen: Darauf musste bei der Planung Rücksicht genommen werden.

Bürgermeister Josef Gilch mit dem Bebauungsplan für das neue Industriegebiet (farbig markiert). Der Ebermannsdorfer Bürgermeister denkt aber auch schon weiter und zeigt, wo die nächste Erweiterung, ein viertes Industriegebiet Schafhof, möglich wäre.

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Kommentare

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Stefan Kreuzeck

Natürlich immer schön an die Autobahn bauen, damit noch mehr Lkw die Straßen belasten...

18.08.2018

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