Ebnath
06.01.2020 - 12:44 Uhr

Demokratie nicht aufs Spiel setzen

Eine Gemeinde ist mehr als die Summe ihrer Einwohner. Sie lebe "immer vom Engagement und der Kraft ihrer Bürger, von deren Ideen und ihrer Innovationen", betonte Ebnaths Bürgermeister Manfred Kratzer beim Neujahrsempfang der Kommune.

Vor mehr als 100 Gästen in der Turnhalle der Fichtelnaabtalschule widmete sich Bürgermeister Manfred Kratzer (links) in seiner Ansprache beim Neujahrsempfang insbesondere 127 Wertebegriffen, von A wie Abenteuer bis Z wie Zuversicht. Bild: br
Vor mehr als 100 Gästen in der Turnhalle der Fichtelnaabtalschule widmete sich Bürgermeister Manfred Kratzer (links) in seiner Ansprache beim Neujahrsempfang insbesondere 127 Wertebegriffen, von A wie Abenteuer bis Z wie Zuversicht.

In seiner mehr als einstündigen Rede - erstmals in der Turnhalle der Fichtelnaabtalschule - forderte Manfred Kratzer die Bürger auf, in ihrer Tatkraft nicht nachzulassen und etwas für ihre Heimat zu bewegen. Ohne gesellschaftliche oder kommunalpolitische Ereignisse im vergangenen Jahr hervorzuheben, brachte das Gemeindeoberhaupt zum Ausdruck, dass die Mitarbeit im Verein, bei Verbänden, Institutionen, Zusammenschlüssen oder als Einzelperson in der Gesamtheit jenen Wohlfühlcharakter ergebe, der jeden Einzelnen gut tue. "Dies ist die Basis einer funktionierenden lebenswerten Gemeinde."

Der Schwerpunkt seiner Rede widmete der Rathauschef dem weltweiten Wandel und den damit einhergehenden stetigen Veränderungen. "Unsere heutige Zeit ist nicht mehr jene unserer Eltern und Großeltern. So wie sich die Wirtschaft und Technik rasant verändere, so haben sich auch Werte und Vorstellungen der Menschen neu ausgerichtet." Früher zählten noch Höflichkeit, Freundlichkeit, Herzlichkeit oder Dankbarkeit zu den moralisch gut empfundenen Eigenschaften. Heute werde täglich durch die Medien gezeigt, dass man sich für Beschimpfung, Verunglimpfung oder Denunziation nicht mehr schämen, geschweige denn verantworten müsse.

Grenzen verschwimmen

Staatsoberhäupter, egal ob Donald Trump, Boris Johnson oder Recep Erdogan, könnten ungeniert beleidigen, drohen oder Menschenrechte verletzten, ohne dass sie mit Konsequenzen zu rechnen hätten. Kratzer verwies auf die Worte von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, wonach das tägliche Feuerwerk von Beschimpfungen und Beleidigungen die Grenzen zwischen dem Sagbaren und dem Unsäglichen zusehends verschwimmen lasse. "Man spricht nicht mehr - man brüllt".

"Für mich ist es beschämend, wenn nicht mehr gegrüßt, hinter der Hand Intrigen gesponnen, Lügen verbreitet, sich durch Insiderwissen Vorteile verschafft werden und manchmal sogar betrogen wird", sagte Kratzer. "Wie tief wird die Moral in dieser Welt noch sinken?" Daher forderte der Redner: "Setzen wir uns alle mit unserem Verstand, mit Herz und Hand dafür ein, dass wir unsere Demokratie so beibehalten wie sie ist. Diese habe allen Frieden und Wohlstand gebracht und sollte wegen eigener Untätigkeit nicht aufs Spiel gesetzt werden.

In den vergangenen fünf Jahren sei auf gemeindlicher Ebene versucht worden, mit den Werten der Eltern und Großeltern zu locken, die in früheren Zeiten allen gut getan haben. Die dabei vermittelten Werte sorgten im sozialen und christlichen Umgang für Respekt, Achtung und letztlich für ein Wohlbefinden eines jeden.

Arbeit aus Überzeugung

Auf seiner Frage, wie eine Gemeinde eigentlich aussehen sollte, in der Jung und Alt friedlich und respektvoll miteinander umgehen und stolz auf ihre Heimat sein könnte, hatte das Gemeindeoberhaupt auch eine einfache Lösung parat: Die kommunalpolitischen Mandatsträger sollten fernab aller politischen Parteien und Zwänge ihre Arbeit aus tiefstem Herzen zum Wohle alle Bürger ausüben. Diese sah Kratzer aber auch in der Pflicht, die jahrhundertalten bekannten und so wirksamen moralischen Werte wie Anstand, Bescheidenheit, Freundlichkeit, Klugheit, Offenheit und Respekt zu pflegen. Seine Rede zum Neujahrsempfang bezeichnete er als einen unvollkommenen Rückblick auf seine Visionen und die Veränderung von Moral und Wertevorstellungen in nur fünf Jahren.

"Wenn alle an einem Strang ziehen, weg von parteilichen Denken, fokussiert auf die Gestaltung einer liebens- und lebenswerten Kommune, dann ist es auch zu schaffen, für unsere Kinder und Kindeskinder ein Umfeld zu errichten, in dem sich nicht nur die Bürger sich selbst wohlfühlen, sondern auch Besuchern dem Geleisteten ihre Anerkennung abfordern."

Dem Neujahrsempfang verlieh Daniel Zaus mit mehreren Musikstücken auf einem Stage-Piano (vergleichbar mit dem Klavier) eine besondere Note. Als krönenden Schlusspunkt sang Rainer Zaus in Bariton "My Way" von Frank Sinatra. Die Mitglieder des Heimat- und Volkstrachtenvereins "D'Gregnitztaler" hatten erneut die Bewirtung übernommen, wofür ihnen das Gemeindeoberhaupt seinen Dank aussprach.

 
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