07.11.2021 - 13:04 Uhr
EbnathOberpfalz

Inge und Bert Flor verwandeln ehemalige Sparkasse in Ebnath mit und in Kunst

Zu Besuch im Atelier: Inge und Bert Flor haben aus der alten Sparkasse in Ebnath eine Künstleradresse par excellence gemacht. In der neuen Heimat ist die Schaffenskraft des Künstlerehepaars aus Rosenheim noch mehr gewachsen.

Inge Flor hat nach einer weltweiten Karriere mit Künstlerpuppen ihre Leidenschaft zum Werkstoff Ton entdeckt. Seither schafft sie Skulpturen und Figuren mit Charakter. Jedes ihrer Werke hat seinen ureigenen Stil und macht Laune beim Anschauen, Anfassen und Bewundern.
von Ulla Britta BaumerProfil

Der „Professor“ gehört nicht zum Inventar des Künstlerateliers mitten im Ortskern von Ebnath. Obwohl die französische Dogge namens „Professor“ jederzeit auch eine Skulptur sein könnte, wenn sie brav und unbeweglich vor den Füßen von Frauchen sitzt. Die samtbraune Farbe des Haushundes von Inge und Bert Flor passt hervorragend zu den Tonarbeiten und Exponaten des Künstlerehepaars, das sich der Bearbeitungskunst von Naturmaterialien verschrieben hat.

„Professors“ Aufgabe ist es, das Atelier zu bewachen, sind Inge und Bert Flor kurz draußen in der Werkstatt oder beim Brennofen für Keramik oder oben in der Wohnung. Das Ehepaar mit Auswanderungsgedanken stammt aus Rosenheim, ist vor drei Jahren nach Ebnath gezogen und hat sich im wahrsten Sinne des Wortes im Steinwald kunstvoll eingerichtet.

Profitiert haben davon der Ort Ebnath und die alte ausgediente Sparkasse, denn Inge und Bert Flor sind wegen der Sparkasse aus Rosenheim in den Landkreis Tirschenreuth umgesiedelt. „Wir suchten was für später. Das alte Sparkassengebäude in Ebnath gefiel uns auf Anhieb“, erzählt Bert Flor, warum es ihn und seine Frau in die Oberpfalz verschlagen hat.

In Kunstwerk integriert

Von nüchternen Bankgeschäften ist in der ehemaligen Sparkasse nach drei Jahren Umbauarbeiten rein gar nichts mehr zu sehen. Nur der Tresor ist noch da. Den hat Bert Flor umgehend in ein Kunstwerk integriert. Wie das gesamte Haus, den kleinen angrenzenden Garten und den Schuppen nebenan. Die alte Ebnather Sparkasse ist zum Kunstwerk mutiert. Und heißt auch so. „Kunstwerk“ tauften die beiden Kreativen ihr neues Atelier mit Ausstellungsraum in ihrer neuen Heimat.

Vor der Tür ist ein Parkplatz, ohne Gebühr. Sehr praktisch. Und schon stolpert der Interessierte über Kunst. Denn Inge und Bert Flor haben Kunst für draußen und drinnen, haltbar gemacht, dank hohen Brenngraden im Brennofen für Keramik. Zwei davon stehen im Arbeitsraum hinter dem Atelier. Inge Flor kann darin locker Skulpturen brennen, die beinahe ihre Größe haben. Was die zierliche Kunsthandwerkerin auch tut. Ihre Leidenschaft ist das Bearbeiten von grobem Ton. Manchmal, sagt sie, bleibe er grob. Dann wieder packt sie die Muse von einer anderen Seite und Inge Flors Figuren, Menschen, Fabelwesen oder Geisterchen, werden mit Mimik und Gestik versehen, bis jede davon einen ureigenen Charakter entwickelt.

Während sich Inge Flor hingebungsvoll dem Ton widmet, zieht es ihren Ehemann Bert mehr zum Grobflächigen. Bert Flor sucht sich dafür sein Material draußen in der Natur. Wer jetzt an Holzschnitzelchen, Ästchen oder Moos denkt, liegt falsch. Was Bert Flor nach Hause schleppt, geht in die Größenordnung bis hin zu Tonnen an Gewicht. Manche Baumwurzel, mächtige Eichenbalken oder schwere Holzplatten bis hin zu Felsen und Steinen aller Art landen in seiner Werkstatt. Mit weiteren „Zutaten“ - wie altem Bauernwerkzeug, Teilen nostalgischer Landmaschinen oder schweren Kuhketten - baut sich Bert Flor eine Kunstwelt zusammen, die bestens zum modernen „Industriestil“ für Wohnungen passt.

Wie aus einem Guss

Mitunter stoppt ihn in seiner Tatkraft dann aber seine Frau, die einen stilvollen Sockel für ihre dicke Frau im Bikini oder für ein elfenhaftes Flügelwesen aus Ton benötigt. Dann beginnt der Symbiose-Effekt zwischen dem Ehepaar. Bert Flor schaut sich die entstehende Figur an und baut das Equipment dafür, bis alles zusammenpasst - wie aus einem Guss. Nach und nach hat sich bei derart viel Tatendrang eines gelernten Starkstromelektrikers und Schreiners und einer hochbegabten Puppenmacherin mit Welterfolg das neue Atelier im ehemaligen Schalterraum der Sparkasse gefüllt mit Kunst, die nicht unterschiedlicher und dennoch harmonierender sein könnte.

Inge und Bert Flor weichen in den Garten aus und in den zum Gebäudekomplex gehörigen Stadel, wo weiter Kunst in gemütlicher Atmosphäre vom Genießer und Kenner oder Szeneneuling genossen werden darf. Und bitte keine Scheu vor Kunst oder Künstler. Inge und Bert Flor sind bodenerdig wie ihre Materialien, aus denen sie Kunst erschaffen.

Bert Flors Werke aus rostigem Eisen, Metall, Holz oder Altmaterial sind robust. Inge Flors figürliche Darstellungen sind im Wohnzimmerregal ebenso ein Hingucker wie im Garten, wo die Feen, Frauengestalten oder Fabelwesen alle vier Jahreszeiten bereichern. Die Werke der Flors sind Unikate. Und es ist auch Traditionelles darunter. Während Inge Flor die „Badende Familie“ aus dem Schaufenster weiter nach hinten stellt, weil es Herbst geworden ist, baut Bert Flor eine Weihnachtskrippe mit großen Keramikfiguren auf. „Die kann man auch in den Garten stellen. Bei Schnee und beleuchtet schaut das toll aus.“ Wer sich umschauen möchte: Nur zu. Das Atelier Flor ist ein offenes Haus geblieben.

Werke von Robert Christ sind im Kunsthaus Waldsassen zu sehen

Waldsassen

„Wir suchten was für später. Das alte Sparkassengebäude in Ebnath gefiel uns auf Anhieb.“

Bert Flor

Hintergrund:

Die Künstler Inge und Bert Flor

  • Inge und Bert Flor haben vor ihrem Einzug in die ehemalige Sparkasse von Ebnath international Kunst gemacht. Unter anderem stellte Inge Flor ihre Puppen in vielen europäischen Ländern und auch in Amerika aus. Die Werke des Ehepaars konnten bereits in zahlreichen Ausstellungen in Deutschland bewundert werden.
  • Inge und Bert Flor sind Mitglieder im Verein Kunsthaus Waldsassen, im Kunstverein Tirschenreuth sowie im Kunst- und Kulturverein Erbendorf.
  • Das Atelier ist regelmäßig geöffnet. Inge Flor lässt sich bei der Arbeit gerne über die Schulter schauen.
  • Infos über die Arbeiten und Öffnungszeiten sind im Internet auf der Homepage des Ehepaars Flor (www.kunstwerk-flor.de) zu finden.
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