22.10.2021 - 14:26 Uhr
WaldsassenOberpfalz

Robert Christ präsentiert preisgekrönte Fotos im Kunsthaus Waldsassen

Robert Christ bannt Zeitmomente auf Fotopapier. Wie das möglich ist, zeigt er ab Sonntag, 24. Oktober, im Kunsthaus Waldsassen. Zu sehen sind 50 großflächige Fotografien, darunter auch prämierte Werke.

Mit zwei Werken hat sich Robert Christ bei einem Fotowettbewerb den oberfränkischen Meistertitel geholt. Eines der beiden Fotos (Bild) trägt den Titel „Dockland“.
von Ulla Britta BaumerProfil

Ein preisgekrönter Künstler präsentiert ab Sonntag, 24. Oktober, einen Auszug seines Schaffens im Kunsthaus: Es handelt sich um den Waldsassener Robert Christ, Mitglied im Fotoclub Arzberg, der kürzlich bei einem Wettbewerb des Deutschen Verbands für Fotografie (DFV) oberfränkischer Meister in der Einzelwertung wurde.

Als er sich zu der Ausstellung im Kunsthaus entschied, wusste Christ noch nichts von diesem Erfolg. Er wollte bereits im März dieses Jahres ausstellen, aber coronabedingt wurde die Präsentation auf den Herbst verschoben. Umso besser: Robert Christ, 48 Jahre alt und hauptberuflich Prokurist bei der Glashütte Lamberts, kann sich nun im Kunsthaus als Preisträger präsentieren. Seine beiden gekürten Fotografien bringt er mit.

Zeitraum einfangen

Das Werk mit dem Titel "Dockland" ist bei einer Langzeitbelichtung über vier Minuten in Hamburg entstanden. "Time flies" lautet der Titel eines Fotos, das er in der früheren Maiersreuther Schule geschossen hat. "Da musste wieder meine Freundin herhalten als Model", erzählt Robert Christ schmunzelnd. Er habe Annette Spreitzer gebeten, für ihn im Raum herumzulaufen, während er auf den Auslöser drückt. Herumlaufen hat für Robert Christ nichts mit Sportfotografie oder Action zu tun. Seine Passion ist es, beim Fotografieren nicht nur den Moment, sondern einen Zeitraum einzufangen. Es läge an uns selbst, die Zeit sinnvoll zu nutzen, schreibt der Künstler auf seinen Einladungskarten. Das wolle er darstellen.

Vor gut 15 Jahren hat er mit Fotografieren begonnen. Als Kind, erinnert er sich, habe er immer mit dem Fotoapparat seines Großvaters spielen dürfen. Das Klicken beim Auslösen habe ihn fasziniert. Seine erste eigene Kamera sei ein Polaroid-Exemplar gewesen. Christ genießt es, Fotografie als Hobby zu betreiben. Er unterläge dabei keinerlei Zwängen. Häufig spontan greife er zur Kamera und gehe auf Motivsuche. Was er aussagen wolle mit einer Fotografie, entstehe vorher im Kopf. Nicht der Baum, das Haus, die Landschaft oder der Mensch allein sind es, die Christ ablichten möchte. Er legt über banale Dinge auf der Straße oder in der Natur einen Zeitfaktor. Und er möchte damit eine gesellschaftspolitische oder emotionale Botschaft weitergeben. Hilfreich sei dabei der Minimalismus, wie er sagt: "Ich nehme mir vor, nur fünf Aufnahmen zu machen an diesem Tag. Das muss reichen."

Der Reizüberflutung entkommen

Im Zurücknehmen von Begierden wie dem Drang, alles Mögliche abzulichten, das in den Blick kommt, sieht Christ die Chance, der Reizüberflutung zu entkommen und das in seinen Fotos auch so zu deklarieren. "Dieses Hetzen und Rennen hindert uns am Erkennen des Wesentlichen", erklärt er seinen Anspruch, beim Fotografieren dem aktuellen Gemütszustand einer von Einflüssen überfluteten Gesellschaftsform Einhalt zu bieten. "Zeit zum Innehalten, Zeit zum Nachdenken, Zeit für Begegnungen mit anderen, aber auch Zeit für Begegnungen mit uns selbst wird immer wichtiger."

Dass er für seine Werke kaum komplizierte Technik nutzt, erklärt Robert Christ mit einem Beispiel: "Was nützt ein teurer Rennwagen, wenn der Besitzer nicht fahren kann?" Schöne Fotos entstünden nicht in der Kamera, sondern immer dahinter, betont Christ, der sein Schaffen bereits in zahlreichen Einzel- und Gemeinschaftsausstellungen gezeigt hat.

Im Kunsthaus Waldsassen präsentiert Robert Christ seine Fotografien auf drei Ebenen. Im Erdgeschoss sind unter anderem Bilder aus der Glashütte Lamberts zu sehen, im ersten Stock Werke, bei denen der angesprochene Zeitfaktor sichtbar wird. Im Kubus können Aktfotos betrachtet werden, die Christ bei einem viertägigen Workshop bei Fotograf Robert Veno in der "Galerie 4" in Cheb/Eger geschossen hat.

Die Ausstellung dauert bis zum 21. November und kann jeweils samstags und sonntags von 14 bis 17 Uhr besichtigt werden. Der Eintritt ins Kunsthaus ist frei, zu beachten sind die aktuellen Corona-Regelungen.

Erfolge für Fotoclub Arzberg und Robert Christ bei Wettbewerb

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Waldsassen
Was bewegt den Menschen auf dieser Welt, was bedrückt ihn, was macht ihn krank? Robert Christs Fotos haben eine starke Ausdruckskraft und fordern den Betrachter heraus, länger über das Motiv nachzudenken.
Eher selten nutzt Robert Christ (rechts, mit Werner Müller beim Aufbau der Ausstellung) Farben für seine Arbeiten. Aber auch bei Farbfotos ist ihm aber stets wichtig, zurückhaltend zu agieren, um Akzente zu setzen.

"Zeit zum Innehalten, Zeit zum Nachdenken, Zeit für Begegnungen mit anderen, aber auch Zeit für Begegnungen mit uns selbst wird immer wichtiger."

Robert Christ

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