02.10.2019 - 14:11 Uhr
EbnathOberpfalz

Klassentreffen zum 75.

Als 29 ABC-Schützen bildeten sie im September 1950 als Sechsjährige die erste Klasse an der Volksschule Ebnath. Jetzt mit 75 Jahren kam der harte Kern wieder zum Klassentreffen zusammen.

Die ehemaligen Klassenkameraden vom Einschulungsjahrgang 1950 trafen sich zum gemeinsamen Klassentreffen. Zuvor wurde der Gottesdienst in der Pfarrkirche Sankt Ägidius Ebnath besucht.
von Autor SOJProfil

In der heiligen Messe dachten die Ehemaligen natürlich an die früheren Geistlichen, Lehrer und besonders an die 13 schon verstorbenen Mitschüler.

Beim gemütlichen Beisammensein beim „Bistl“, dem Gasthof Bergblick in Ebnath, wurden Erinnerungen wach. Kurz nach Schulbeginn verunglückte ein Schüler der 6. Klasse (Werner Pöllath) tödlich: Mit seinem Papierdrachen kam er an die Hochspannungsleitung. Hatte er doch Bürstendraht als Drachenschnur verwendet! Damals war Ebnath eine Hochburg in der nördlichen Oberpfalz für das Bürstenbinden in Heimarbeit und somit war der feine Draht in vielen Haushalten vorrätig.

Der natürlich selbsternannte „Klassensprecher“ der Schüler, Ludwig Frank, konnte als späterer Rektor noch einige interessante Details in Erinnerung rufen: Man genoss die damals üblichen einwöchigen „Kartoffelferien“. Gab es wohl deswegen im September 1950 eine Rekordernte?

Am schönsten war aber der 13. September 1950: Kurz nach Schulbeginn schon wieder schulfrei! Alle Lehrer machten nämlich bei der sogenannten Volkszählung mit! Und man staune: Ebnath zählte damals 1710 Einwohner: 339 davon waren nämlich Flüchtlinge nach dem Zweiten Weltkrieg. Und in die langen Schulbänke drückten sich in Ebnath 252 Schüler, davon 183 Einheimische und 69 Flüchtlinge.

Oder wie schön waren doch die Schneemassen vom Februar 1952: Auswärtige Schüler kamen nicht zum Unterricht, und der „Fichtelgebirgsexpress“, das Bockerl, blieb in den Schneewehen stecken und musste mit Hand freigeschaufelt werden.

Nix mit Lift: Die schweren Holzski mit Lederriemenbindung, vom örtlichen Skimacher (vom Grouerten-Luck) gefertigt, wurden auf dem Buckel bis zur Kösseine auf 939 Meter hochgeschleppt, um einmal eine längere Bergabfahrt genießen zu können.

Und am „Heiselma-Ranger“ war Sprungschanzenbau angesagt. Stolz waren die damaligen Erstklässler über drei, vier oder fünf geschaffte Meter. Wie war das mit dem Pfarrer im Dorf? Wer nicht schnell genug flüchtete, musste hin und „Knicks“ machen.

Wie gut schmeckten doch die mit der Drahtschlinge illegal gefischten Forellen aus dem Goldbachl. Wie köstlich erfrischte ein Schluck Limonade aus der Glasflasche, abgefüllt mit Kohlensäure in der „Limonadenfabrik“ beim „Schafer-Naz“. Oder man folgte der Werbetafel „Auf Eis von Frank wird niemand krank.“ in den Naabweg. Nur, wo war ein Sponsor für einen Nickl (Zehn Pfennig) oder zwei für köstliche, farbige Eiskugeln? Oma und Opa hatten ja auch wenig Geld.

Und so kam beim Erinnern immer wieder das Gefühl auf, dass man es trotz karger Nachkriegszeit eigentlich gut hatte, dass man eine zufriedene Kindheit erlebte auch ohne großen Wohlstand, ohne Fernseher, ohne Smartphone und Computer, ohne Laptop, aber mit viel Lederhose und Schürze.

Die große Zäsur am Tag war das „Gebetläuten“: Das war für alle die ultimative Aufforderung: Sofort nach Hause! Diese und noch viele Erinnerungen mehr tauschten die ehemaligen Klassenkameraden aus. In naher Zukunft wollen sie sich wieder treffen.

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