03.03.2020 - 13:42 Uhr
EbnathOberpfalz

Umweltbewusst auf der Pirsch

Mehr als 70 Jäger von Revieren des Hegerings Kemnath 7 aus dem Raum Neusorg und Ebnath verpflichten sich zur ökologischen Jagd auf rund 6000 Hektar Fläche. Sie achten damit die Vorgaben des Ökologischen Jagdvereins.

Reinhard Herrmann ist Forsttechniker und Leiter des Hegerings Kemnath 7 sowie Ansprechpartner des Ökologischen Jagdclubs Hermannsreuth.
von Autor SOJProfil
Mischwälder sind das Gebot der Stunde.

Die Waidmänner wollen mithelfen, den Waldumbau - ausgerichtet auf klimaresistente Baumarten und eine zukunftsgerichtete Waldzusammensetzung, alles im Sinne der Bayerischen Ministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten - zu unterstützen. Die letzten beiden extremen Trockenjahre haben eindrücklich gezeigt, dass dabei keine Zeit mehr verloren gehen darf, um einen multifunktionalen Wald wie ihn die Gesellschaft benötigt, auch für künftige Generationen zu erhalten.

Die Jäger sind zusammengeführt in einem lockeren, nicht eingetragenen Verein, dem „Ökologischen Jagdclub Hermannsreuth“. Ansprechpartner sind der Leiter des Hegerings Kemnath 7, Reinhard Herrmann und Wolfgang Schödel. Die Jäger übernehmen dabei die Grundsätze und Ziele des ÖJV:

„Der ÖJV sieht die Jagd als eine legitime Form der nachhaltigen Naturnutzung an. Die Ökologie soll dabei als wertfreie Wissenschaft Grundlagen für die Jagd liefern, von der Waldbau, Natur-, Arten- und Tierschutz betroffen sind. Aufgabe der Jagd ist es, in der Kulturlandschaft ökologische und unzumutbare ökonomische Schäden zu verhindern und eine nachhaltige Nutzung der natürlichen Ressourcen zu ermöglichen. Demzufolge muss beispielsweise das Schwarzwild wegen seiner Schäden in der Landwirtschaft reguliert werden.“

Darüber hinaus ist aus Sicht des ÖJV eine grundlegende Anpassung der Jagd an die heutigen gesellschaftlichen Anforderungen, wildbiologischen Erkenntnisse und ökologischen Zusammenhänge dringend erforderlich. Dies betrifft zum Beispiel das überholte Aussetzen von jagdbaren Tieren, die Harmonisierung der Jagdzeiten der einzelnen Wildarten, die Aktualisierung der Jägerausbildung, ein Abschussverbot von Hunden und Katzen, Fallenjagd nur mit behördlicher Einzelgenehmigung oder die Verkürzung der Liste der jagdbaren Tierarten auf die, die wirklich bejagt werden müssen.

Aufgrund der aktuellen Umweltprobleme, allen voran der Klimaerwärmung und der damit einhergehenden massenweisen Vermehrung des Borkenkäfers und anderer Waldschädlinge, steigt die Bedeutung des Schutzes der Wälder. Deshalb muss der Umbau der Wälder in artenreiche Mischwälder, weg von Fichtenmonokulturen, durch die Jagd unterstützt werden. Das Überleben dieser Mischbaumarten wird aber maßgeblich durch die Schalenwilddichte beeinflusst. Hirsche, Rehe, Sikawild, Damwild und andere Schalenwildarten schädigen oder zerstören bei überhöhtem Bestand durch Verbiss, Schälen und Fegen den Wald und damit ihren eigenen Lebensraum. Geringere Wilddichten fördern somit die positive Waldentwicklung als auch den Gesundheitszustand der Wildpopulation.

Wald vor Wild

Die Folgen zu hoher Schalenwildbestände sind entmischte Wälder mit Tendenzen zu Monokulturen mit geringerer Biodiversität und dadurch geringerer Stabilität. Damit verbunden sind zudem hohe Kosten durch künstliche Pflanzung, Zäunungen oder andere Schutzmaßnahmen. Schalenwild muss deshalb so bejagt werden, dass sich die Wälder weitestgehend ohne zusätzliche Schutzmaßnahmen verjüngen können, so dass der Schwerpunkt ökologischer Jagd im Aufbau naturgemäßer, gemischter Wälder liegt. Nutzung und Schutz gehen hier Hand in Hand.

Mittelfristiges Ziel ist, dass auch die von Amts wegen bestellten Kreisjagdberater und Jagdbeiräte ausgewogen durch Mitglieder der ökologischen Jagdbewegung besetzt werden. Ein Weiter-so der trophäenorientierten Jagd sei nicht zielführend.

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