29.06.2021 - 11:50 Uhr
EdelsfeldOberpfalz

Miauen vor der Haustür: Fünf Kätzchen in Edelsfeld ausgesetzt

Als Jutta Schauß ihre Haustüre öffnet, sitzt dort ein Kätzchen, laut miauend und ausgehungert. Insgesamt fünf junge Katzen wurden in Edelsfeld ausgesetzt. Wie es mit den Tieren weitergeht und was das Tierheim in solchen Fällen empfiehlt.

Dieses Kätzchen ist eines von fünf Tieren, die in Edelsfeld ausgesetzt wurden. Anwohner haben es im Wald neben der Straße nach Bernricht gefunden. Es hat bereits eine neue Familie gefunden.
von Jasmin EhbauerProfil

In der zweiten Juni-Woche sind in Edelsfeld und Umgebung insgesamt fünf Kätzchen gefunden worden. Drei der Tiere haben sich auf der Gemeindeverbindungsstraße nach Bernricht befunden, ein Kätzchen bei einer großen Halle an der B 85 neben der Abfahrt nach Niederärndt und eines ist direkt vor der Haustür von Jutta Schauß ausgesetzt worden. Die in der Nachbarschaft als Katzenfreundin bekannte Edelsfelderin berichtet Oberpfalz-Medien, was sie erlebt hat.

An das genaue Datum könne sie sich nicht mehr erinnern, sagt Schauß, es sei auf jeden Fall an einem Wochentag in der zweiten Juni-Woche gewesen. Motorengeräusche hätten sie geweckt, kurz darauf ertönte ein Miauen durch das geöffnete Fenster, begleitet durch das Geräusch eines wegfahrenden Autos. "Ich habe mir nichts dabei gedacht, weil wir in der Straße viele Katzen haben, und einfach weitergeschlafen", erzählte die 69-Jährige Oberpfalz-Medien.

Schwarzes Fell und weißer Klecks

Als sie in der früh die Haustür öffnete, gab es eine Überraschung: Eine kleine Katze – Schauß' Einschätzung nach nur wenige Wochen alt – saß auf der Teppichmatte vor ihrer Haustür. "Das kleine Kätzchen war bestimmt nur eine Handvoll. Wie ein Häufchen Elend lag es da und hat so kummervoll miaut, das kann man sich gar nicht vorstellen." Mit dem schwarzen Fell und einem weißen Klecks auf der Nase habe sie das Tier gleich ins Herz geschlossen, erzählt die Rentnerin.

Als Schauß, die bereits einen Kater hat, der kleinen Katze Futter anbot, habe diese so viel und hastig gefressen, dass sie immer wieder mit den Zähnen auf den Teller aufschlug. Auch soll sich das Kätzchen ohne Scheu von Schauß hochheben haben lassen und in deren Arme geschmiegt haben. Das menschenbezogene Verhalten des Kätzchen lässt der Rentnerin zufolge darauf schließen, dass die vorherigen Besitzer sich gut um das Kätzchen gekümmert hatten. Gerade deswegen könne sie nur verständnislos und wütend den Kopf schütteln, wenn sie daran denkt, wie das Kätzchen zu ihr kam. "Wer kümmerst sich erst um ein Tier und lässt es dann hilflos zurück? Das Kätzchen ist doch noch ein Baby!" Für sie steht fest: "Wie man mit Tieren umgeht, so geht man auch mit alten Menschen und Kindern um."

Viele Katzen im Tierheim

Für Schauß stellte sich die Frage: Was tun mir dem gefundenen Kätzchen? Eine mögliche Anlaufstelle ist das Tierheim Amberg. Laut Ingrid Mallmann, zweite Vorsitzende des Tierschutzvereins der Stadt Amberg und des Landkreises, sind dort aktuell knapp hundert Tiere untergebracht, etwa die Hälfte davon sind Katzen. Nur selten lässt sich eindeutig feststellen, ob ein Tier absichtlich ausgesetzt wurde, wie es bei Schauß Kätzchen der Fall ist. "Gerade Katzen streifen am Land auch einmal ohne Halsband umher. Wenn jemand dann zu uns kommt und eine Katze nahe einer Straße oder auf einem Feldweg gefunden hat, kann sich das Tier auch einfach verirrt haben. Die eigentlichen Besitzer suchen ihre Katze dann und finden sie bei uns wieder", erzählte Mallmann.

"Natürlich besteht auch immer die Möglichkeit, dass die Besitzer das Tier nicht mehr wollen, es zu uns bringen und behaupten, sie hätten es gefunden. Das können wir halt nicht überprüfen." Wichtiger als die Frage nach der Herkunft der Tiere sei für das Tierheim sicherzustellen, dass die Tiere gesund sind, und ihnen ein neues Zuhause zu geben.

Generell würden sich die Abgaben von und die Nachfrage nach Tieren auch nach den Lockerungen in etwa die Waage halten. Auffällig ist Mallman zufolge aber, dass die Nachfrage an Pensionsplätzen in den letzten Wochen gestiegen sei, da wieder mehr Menschen in den Urlaub fahren und eine vorübergehende Bleibe für ihre Tiere suchen.

Prinzen-Tochter als Namenspate

Auch Jutta Schauß aus Edelsfeld brachte das gefundene Kätzchen ins Tierheim. "Ich konnte sie leider nicht behalten, weil mein Kater die Kleine die ganze Zeit angeknurrt hat. Der hätte sie wahrscheinlich vertrieben", erklärte die 69-Jährige. Im Tierheim taufte sie das Kätzchen Lilly, nach Prinz Harrys neugeborener Tochter. "Weil Lilly noch so klein ist, haben wir ihr eine Pflegestelle mit einem anderen kleinen Kätzchen gesucht, sodass sie einen Spielkameraden hat", sagte Mallmann vom Tierheim Amberg. Sobald die beiden Kätzchen alle medizinischen Untersuchungen durchlaufen haben, soll für Lilly und ihren Kameraden eine gemeinsame Familie gesucht werden. Und eine weitere gute Nachricht gibt es: Für die vier anderen gefundenen Kätzchen haben sich bereits privat neue Besitzer gefunden.

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Info:

Tierheim Amberg

  • Betreiber: Tierschutzverein Stadt Amberg und Landkreis Amberg-Sulzbach
  • Vorsitzende: Sabine Falk und Ingrid Mallmann
  • Tiere: Aktuell circa 100, darunter rund 50 Katzen und 7 Hunde
  • Urlaubssaison: Zuletzt deutlich mehr Anfragen nach "Pensionsplätzen" im Tierheim, weil Urlauber eine vorübergehende Bleibe für ihre Haustiere suchen
  • Spendenkonto Tierheim für Unterstützungswillige: Sparkasse Amberg-Sulzbach, IBAN: DE05 7525 0000 0190 0107 93

"Natürlich besteht auch immer die Möglichkeit, dass die Besitzer das Tier nicht mehr wollen, es zu uns bringen und behaupten, sie hätten es gefunden. Das können wir halt nicht überprüfen."

Ingrid Mallmann, 2. Vorsitzende des Tierschutzvereins Amberg

Ingrid Mallmann, 2. Vorsitzende des Tierschutzvereins Amberg

"Wie man mit Tieren umgeht, so geht man auch mit alten Menschen und Kindern um."

Jutta Schauß

 

 

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