29.06.2021 - 12:13 Uhr
EdelsfeldOberpfalz

Edelsfeld: Autofahrer lässt überfahrenen Kater auf der Straße liegen

Innere Blutungen, gebrochenes Rückgrat: Ein Unbekannter hat in Edelsfeld den erst einjährigen Kater Tommy überfahren – und leidend auf der Straße liegend lassen. Besitzerin Bärbel Pilhofer bricht das das Herz.

Dieses Symbolbild zeigt einen Tierfriedhof. Auch Kater Tommy aus Edelsfeld ist inzwischen begraben.
von Jasmin EhbauerProfil

Der Vorfall hat sich bereits Ende Mai ereignet, wurde aber erst jetzt öffentlich bekannt. In Edelsfeld nahe des Friedhofs hat ein Unbekannter einen Kater mit seinem Auto überfahren und das im Sterben liegende Tier anschließend einfach auf der Straße zurückgelassen. Das berichtet die Katzenbesitzerin Bärbel Pilhofer gegenüber Oberpfalz-Medien. Immerhin habe der Fahrer eines nachfolgenden Autos den armen Kater zum Tierarzt, wo das Tier eingeschläfert werden musste.

"Als die Nachbarin erzählt hat, dass jemand eine schwarz-weiße Katze überfahren hat, musste ich gleich an unseren Tommy denken", erzählte Bärbel Pilhofer, der der überfahrenen Kater gehörte. "Mein Tommy war so eine liebe Katze. Die ganze Nachbarschaft hat mir ihm gespielt." Da die 80-Jährige das einjährige Tier erst kurz zuvor mit einem Ortungschip versehen lies, konnte die Tierärztin die Familie verständigen. Der Kater habe innere Blutungen und ein gebrochenes Rückgrat gehabt, für lebensrettende Maßnahmen sei es zu spät gewesen. "Was bleibt einer Katze, wenn sie nicht mehr laufen kann? Und unnötig leiden lassen, das wollten wir auch nicht", sagt Pilhofer.

Entschuldigung erwartet

Man wisse nicht, wer der flüchtige Fahrer gewesen sei und könne das auch nicht mehr feststellen, erklärt die Rentnerin. Es sei ihr unverständlich, warum derjenige die Katze nicht zumindest auf die Seite gelegt hat. "Wenn ich sehe, dass ein Lebewesen leidet, dann ignoriere ich das doch nicht einfach. Egal, ob Mensch oder Tier!" Und auch wenn es Tommy nicht mehr lebendig macht, so hätte sie sich auf jeden Fall eine Entschuldigung von dem Fahrer gewünscht. "Das wäre zumindest ein Zeichen von Respekt oder Reue gewesen. Für uns war das nicht einfach nur ein Haustier, Tommy hat zur Familie gehört."

Aus diesem Grund war es Bärbel Pilhofer und ihrem Sohn, die sich gemeinsam um den Kater gekümmert haben, wichtig, sich bei dem Autofahrer, der das Tier zum Arzt gefahren hatte, zu bedanken. Der Kontakt wurde über die Tierärztin hergestellt.

Tier-Leben zählt wenig

"Ich finde es einfach traurig, dass das Leben von Tieren so wenig zählt", so Bärbel Pilhofer. "Der Mensch ist nicht das einzige Geschöpf auf dieser Welt. Aber wir verhalten uns so." Die Rentnerin besitzt neben Tommy noch eine weitere Katze und hat sich nach dessen Tod wieder ein kleines Kätzchen nach Hause geholt. "Wenn ich weine, dann kommen die beiden und schmusen mit mir, als wenn sie sagen würden: ‚Was ist denn los, ich bin doch da‘."

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Info:

Ratgeber: Katze überfahren - was tun?

  • Nicht weiterfahren, sondern zuerst Unfallstelle sichern.
  • Lebt das Tier noch, sofort die Polizei über 110 informieren. Einfach weiterzufahren, wäre Tierquälerei und somit strafbar. Die Polizei gibt einem Tierarzt Bescheid. Wichtig: Nur der Tierarzt darf entscheiden, ob das verletzte Tier eingeschläfert wird. Das Tier selbstständig zu töten, und sei es nur aus Mitleid, ist verboten.
  • Ist die Katze tot, sollte der Unfallfahrer das Tier selbst von der Straße holen oder die Polizei informieren. Anders als bei einem Wildunfall besteht bei einem toten Haustier keine Pflicht, die Polizei anzurufen.
  • Der Besitzer des Tieres hat gegenüber dem Unfallfahrer keine Entschädigungsansprüche. Der Grund mag paradox klingen, ist aber rechtlich so geregelt: Haustierbesitzer sind verantwortlich für ihre Tiere und dazu verpflichtet sicherzustellen, dass die Tiere keinen Schaden anrichten - wie zum Beispiel vor fremde Autos zu laufen.

"Für uns war das nicht einfach nur ein Haustier, Tommy hat zur Familie gehört."

Bärbel Pilhofer über ihren getöteten Kater

 

 

Kommentare

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Tanja Härtl

Es macht mich traurig, diesen Artikel zu lesen. Ich hoffe, der Kater Tommy ist nun in einer besseren Welt. Und seinem Frauchen wünsche ich, dass sie bei ihren beiden anderen Katzen Trost findet. Auch ich habe leider schon erleben müssen, dass die Katze meines Bruders überfahren wurde, vor den Augen seiner Kinder, und auch hier ist der Autofahrer einfach weitergefahren. Minka ist dann in meinen Armen gestorben. Das ist schon 18 Jahre her, aber ich kann und werde das niemals vergessen, ich sehe es noch vor mir, als wäre es heute passiert. Und ich hoffe, dass der Autofahrer zumindest irgendwann ein sehr schlechtes Gewissen bekommen hat deswegen. Auch ich bin der Meinung, dass Tiere unsere Mitgeschöpfe sind, die Schmerzen empfinden und Gefühle haben. Ich kann Menschen nicht verstehen, die so ein hilfloses verletztes Wesen einfach liegen lassen. Vielen Dank an den nachfolgenden Autofahrer, der sich um den Kater gekümmert hat!

29.06.2021