14.01.2021 - 11:20 Uhr
Eger (Cheb)Oberpfalz

Der Alchimist Sigmund Wann in einer Egerer Chronik

Die Stadt Eger (Cheb) hat eine über lange Zeit verschollene Chronik des einstigen Bürgermeisters Johann Thomas Funk erworben. Das schwer lesbare Werk gewährt auch Einblicke ins Leben des Alchimisten Sigmund Wann.

Sigmund Wann „vor dem Crucifix Ruiendt, und Bettend, die Hände unter einen kleinen Hüttl haltend, schwartz und weiß gekleÿdet wie ein Dominikanes… “, wie es in einer historischen Beschreibung zu dem Gemälde wörtlich heißt.
von Autor GJBProfil

Die Chronik von Johann Thomas Funk, Egerer Bürgermeister von 1740 bis 1748, war lange Zeit verschwunden. Als aber im Herbst 2020 der Stadt Cheb "eine alte Egerer Handschrift" zum Kauf angeboten wurde, erkannte der Historiker Milos Říha, dass es sich hier um die verschollene Chronik handelt. Seit dieses schwer lesbare Werk wieder am Ort seiner Herkunft ist, hat Říha bereits viele Teile abgeschrieben und außerdem ins Tschechische übersetzt, darunter auch einen Beitrag über Sigmund Wann.

Über diese Wunsiedler Persönlichkeit (geboren um 1395, gestorben am 11. Mai 1469) gibt es nur wenige gesicherte Angaben. Der Chronist J. T. Funk hat das Leben von "Sigismundus Wohn" ausführlich beschrieben - allerdings ist seine Darstellung sehr oft nicht im Einklang mit den heutigen Vorstellungen.

Danach war Wann der Sohn eines "Fichtelberger Bauern Wohn mit Nahme (...) Sobald das Bauern Sohn erwachsen, bekame er Lust ein sammtwerke zu erlehenen, worein auch der Vatter verwilliget, ehn nacher Eger geführet, und allda das Becken-Handwerke hat erlehren lassen." In seinen Wanderjahren "kame nacher Italien, und das Glücke führte ihn nacher Venedig".

Dort wurde er "beÿ einen Venetianischen Becken-Meister unterrgebracht" und war bald so beliebt, "das er ... fast alle Sonn- und Feÿertägs beÿ ihme speißen muste". Sein Meister war "zu grossen Reichthummen gelanget". Als dieser aber sterbenskrank wurde, eröffnete er ihm, "wie er anjetzo gesinnet seÿe ihn zu einen Universal-Haben seiner Reichthumen einzusetzen doch mit dieser Bedingnisse, wann er nach seinen Tode die hinterlassene junge Wittibe heürathen wurde". Nach einer Bedenkzeit, stimmte Sirmund Wann zu, "worauf der Kranke sein Testament verfertiget, alles in Richtigkeit gebracht, und kurtz darauf auch sein Leben getzudiget hat".

Nach einigen Jahren bekam Sigmund Wann Heimweh nach Deutschland. Zu seiner Rückkehr gab seine Frau die Zustimmung "weilen sie ihn sehr liebte, (...) verkauften derowegen ihre liegende gütter, mobilien und Hausgeräthe, und zogen mit grossen Reichthumen, und gleicher Wissenschaft Silber und Gold aus anderen Metallen ferauszuziehen, und zu Schoÿden in Teütschland, und langeten endlich zu Eger an".

Seine in Italien erworbenen Kenntnisse befähigten Wann zur Herstellung von Geschirr aus Messing und Zinn. Der Verkauf brachte ihm so großen Reichtum ein, dass er sich leisten konnte, Wohltäter von Eger zu werden: "Beÿ Erlängerungs-Bau der Kirche (...) Gefahr die Bauleüte (...) stiege er selbsten hinauf, und streüete in Geheim hin und wieder auf dem Gebäude Gold aus einige aus denen Bau-Leüthen durch sein Beÿspiel angefrieschet Stiegen auch hinauf, als sie aber Geld fanden, ... folgeten die übrige auch nach, legten die Hände an das Werk, und auf solche Weiße wurde die Gefahr überwunden, und der Bau glücklich effectnieret: pecuniæ obediunt omnia" ("Dem Gelde gehorchen alle").

Sigmund Wann vermachte der Stadt Eger noch weitere großzügige Stiftungen. Als er aber ein Siechenhaus gründen wollte, gab es so großen Ärger, dass er die Stadt verließ und nach Wunsiedel zog: "Zu den letzteren den anliegenden Wald gekauft, welches ihme aber die Egerer nicht zugelassen ...; es hat aber dieß den Herrn Wohn dermassen dichguheiret, und verdrosten, das er Eger verlassten, hinaus nacher Wohnsiedel ... sich begeben, alldorten ein Brüder-Hauß, oder Hospital reichlich gestifftet, und eine Kirche zu Ehren der heil. Catharinæ erbauer hat".

Der Chronist berichtet, dass Sigmund Wann in dem von ihm erweiterten Teil der Egerer Nikolauskirche "nächhe beÿ dem Tauff-Stein zufinden seÿe allwo er vor dem Crucifix Ruiendt, und Bettend, die Hände unter einen kleinen Hüttl haltend, schwartz und weiß gekleÿdet wie ein Dominikanes mitgehalten oberrack durchschlittet als im bedachtes Männl zu sehen ist".

J. T. Funk ergänzt, unter Bezugnahme auf die Chronik von Friedrich Sergius (1734), "das Herr Wohn (er heisset ihn Wann) 1548 zu Wohnsiedel sein Testament gemachet habe; ad annum 1467 aber lese ich in eodem pag. 16 folgendes: 1467 stieffet Sigismundus Wann Bürger in Eger das Spietal in Wunsiedel vor 12 Männer. Er stiffter aber hatte ein sehr reiches weib so den Alchimj wohl Erfahren von Venedig, er verwendete sonst viel zum Gottesdienst, und steüerete alle seine Dienstbothen aus. er wendete sonst viel zum gottesdienst, und steueret alle seine dienstbotten aus, er aber hatte kein erben".

"Zum Beschluß diese materi" ergänzt der Chronist J.T. Funk, "das in der allhiesigen Burg eine uralte, und anjetzo ausschuld der Egrischen Burggraffen zum einfallen sich neigende Capellen gewesen seye, ... und zur eher davon heiligen Erhardi, und Martinii erbauet worden ist, dessen Fehtum Dedicationis dem Sontag vor Martini sonsten imgefallen. In der Eberhardischen Chronick ... finde ich, das oben in einem winkel ein gemach zu sehen seÿe, allwo weÿlandt Sigmund Wohn sich aufgehalten, und seine Alchimiam getrieben (...)." Der Chronist berichtet aber nicht, welche chemischen Experimente im Dachgeschoss der Doppelkapelle durchgeführt wurden.

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