11.09.2019 - 09:41 Uhr
Eger (Cheb)Oberpfalz

Richtfest vorm Egerer Rathaus

In der tschechischen Nachbarstadt von Waldsassen arbeiteten die Handwerker wie vor 700 Jahren: Nur mit historischen Werkzeugen, so wie einst die Zimmerleute bei der Kirche „Mariä Verkündigung“ des Klosters der Franziskaner.

Die Gäste aus Sachsen zeigten, was ein „Zimmermannsklatsch“ ist.
von Autor GJBProfil

Die Festwoche für den ältesten Dachstuhl in Böhmen endete, wie vor 700 Jahren, mit einem feierlichen Richtfest. Die Zimmerleute führten auf dem Marktplatz vor, wie man nur mit Äxten aus Baumstämmen Balken fertigte und wie daraus ein Dachstuhl entstand. Täglich waren Schulklassen dabei, und die Zuschauer durften sogar einige der Tätigkeiten selbst erproben. Zimmerermeister Petr Ružicka, der Leiter der Aktion, stellte fest: "Es war eine mühevolle Arbeit, denn die Axt war das einzige Hilfsmittel. Aber man fühlte sich frei, denn man konnte eigene Lösungen entwickeln - und das Ergebnis war viel stabiler als heutzutage."

Zimmerleute in Kluft

Zur Abschlussfeier waren Zimmerleute aus Bayern und Sachsen in ihrer Kluft angereist. Jirí Cerný, Zweiter Bürgermeister von Cheb, stellte fest, dass mit dieser Projektwoche seine Erwartungen weit übertroffen wurden.

Der Bauhistoriker Michal Panácek gab einen Rückblick auf die geleisteten Arbeitsschritte, würdigte die Leistungen der mittelalterlichen Zimmerleute und dankte allen Beteiligten für die Arbeit in den vergangenen Tagen.

Segen für den Dachstuhl

Anstelle des katholischen Pfarrers segnete Methodius Vít Kout, Pope der orthodoxen Kirchengemeinde von Franzensbad, in feierlicher Zeremonie den neuen Dachstuhl. Der kann nicht auf dem Marktplatz bleiben: Das Werk soll im Garten einer sozialen Einrichtung auf ein neues Haus gesetzt werden. Darin sollen die Egerer Bürger die Gelegenheit bekommen, in einem traditionellen Backofen ihr eigenes Brot zu backen.

Karl Müller, Träger der goldenen Ehrennadel des bayerischen Zimmererhandwerks, trug dann zu Ehren seiner tschechischen Kollegen den Richtspruch vor. In Anerkennung der Leistungen des tschechischen Handwerkerteams überreichte Karl Müller dem Leiter der Projektwoche, Petr Ružicka, einen deutschen Zimmermannshut. Der Redner vergaß auch nicht, Marcela Brabacová zu würdigen, die diese Festwoche organisiert hatte. "Ihr ist es auch zu verdanken, dass man jetzt sogar in Deutschland und in Österreich die Arbeit der Egerer Zimmerleute bewundert." Für einen heiteren Abschluss der Feier sorgten die Zimmerer aus Sachsen, die einen alten Zunftbrauch, den sogenannten Zimmermannsklatsch, vorführten: "Wer schaffen will, muss fröhlich sein!"

Der Richtspruch:

Der Richtspruch

Karl Müller, Träger der goldenen Ehrennadel des bayerischen Zimmererhandwerks, trug den Richtspruch vor: "Es war vor siebenhundert Jahren, so konnten staunend wir erfahren, dass für den Franziskanerorden der Kirchenbau ist fertig worden. Der Dachstuhl, den der Abt gesegnet, uns wie ein Wunder heut' begegnet, ein Bau von unschätzbarem Wert, der seine Zimmerleute ehrt."

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