06.09.2019 - 09:11 Uhr
Ehenfeld bei HirschauOberpfalz

Ehenfelder Kindergarten: Hat der giftige Schimmel gesundheitliche Spuren hinterlassen?

Husten und Atemnot: Haben die Kleinen des St.-Michael-Kindergartens in Ehenfeld gesundheitlichen Schaden davongetragen? Einige Eltern sind beunruhigt, was der giftige Schimmel in der Luft mit den Atemwegen ihrer Kinder angestellt haben könnte.

Seit Ende Juli spielt hier kein Kind mehr: Der St.-Michael-Kindergarten in Ehenfeld ist geschlossen, weil giftige Schimmelpilze nachgewiesen wurden.
von Stephanie Wilcke Kontakt Profil

Wenn der vierjährige Maximilian rennt und sich körperlich besonders anstrengt, bekommt er schlecht Luft. Dann muss er husten, atmet kurz. Seit gut zwei Jahren ist das so. Seit Maximilian ein Cortisonspray vom Kinderarzt und Pneumologen verschrieben bekommen hat, und es regelmäßig morgens und abends nimmt, geht es etwas besser. "Wir hatten keine Idee, woher Maximilians Beschwerden kommen", sagen die Eltern Mandy und Marco Kassner.

Ehenfeld bei Hirschau

Bis vor kurzem hat Maximilian zwei Jahre lang immer von 8 bis 14.30 Uhr den Kindergarten in Ehenfeld besucht. Jene Einrichtung, die seit Ende Juli wegen giftiger Schimmelsporen in der Luft nur wenige Tage vor den Ferien geschlossen wurde. Im Sommer erfuhren die Eltern, dass ihre Kinder in einem Haus untergebracht waren, in dem sich "ein extrem gesundheitsgefährdender Schimmel ausgebreitet hat", sagt Mandy Kassner. Kommen Maximilians Probleme möglicherweise daher? "Wir haben sofort daran gedacht, als wir das erfahren haben."

Vollständiges Gutachten

"Wir haben demnächst einen Termin beim Kinderarzt", sagt Maximilians Mutter. Umso wichtiger ist es für die Eltern, dass sie an das vollständige Raumluftgutachten herankommen, welches das Gewerbeaufsichtsamt im Juni vom Betreiber angefordert hatte. Es ist mehrere Seiten stark, doch bislang haben die betroffenen Familien daraus lediglich zwei Seiten von der Kirchenstiftung erhalten. "Das steht uns potenziell Geschädigten doch zu", fordert sie. Je mehr Informationen die Eltern mit zum Facharzt nehmen können, umso besser. Mandy Kassner schränkt aber ein: "Sollten umfangreichere Untersuchungen verlangt werden, bei denen mein Sohn unter Narkose stehen muss, werden wir das nicht machen." Das will die junge Frau ihrem Sohn nicht antun.

Stachybotrys chartarum:

In dem zweiseitigen Auszug des Raumluftgutachtens, das die Kirchenstiftung an die Eltern weitergegeben hat, wurden je eine Probe aus dem Gruppenraum und eine von außerhalb des Kindergartens untersucht. Im Raum wurde der Schimmelpilz Stachybotrys chartarum nachgewiesen – Experten erklären über den angegebenen Wert „in einer nicht zu verachtenden Häufigkeit“.

Auf der Webseite eines Fachmanns heißt es: „Stachybotrys ist in Innenräumen regelmäßig im Zusammenhang mit Feuchteproblemen nachweisbar. Traurige Berühmtheit hat Stachybotrys chartarum bereits im vergangenen Jahrhundert erzielt, als Pferde qualvoll verendeten.“ Sie hätten den Schimmelpilz durch verseuchtes Heu aufgenommen. Symptome, die in Verbindung mit dem Pilz gebracht werden, sind Kopfschmerzen, Atembeschwerden und Lungenblutungen bei Säuglingen. Es wird auch vermutet, dass der Schimmelpilz die Alzheimer-Erkrankung auslösen kann. Ausdrücklich wird weiter darauf hingewiesen, dass „schon bei geringer Sporenkonzentration in der Raumluft Toxinwirkungen auftreten“.

Fachleute erklären zudem, dass sich die Sporen des Stachybotrys chartarum auch durch gewöhnlichen Hausstaub verteilen. Das heißt: Auch in Räumen, in denen sich kein sichtbarer Befall feststellen lässt, kann der gefährliche Schimmelpilz nachgewiesen werden. Das baden-württembergische Gesundheitsamt hat in der Abhandlung, die sich mit „Schimmelpilzen in Innenräumen – Nachweis, Bewertung, Qualitätsmanagement“ befasst, empfohlen, dass „im Sinne der Vorsorge durch Stachybotrys chartarum bedingte Schimmelpilzschäden besonders kritisch betrachtet“ werden sollten.

Auf die Probleme mit Schimmel haben Eltern von älteren Kindergartenkindern schon vor Jahren hingewiesen. Bei einem Ortstermin im August 2016 entschlossen sich Jugendamt, Gesundheitsamt und der Träger, die Kirchenstiftung Ehenfeld, den Keller zu räumen und nicht mehr zu benutzen. Ihrer Meinung nach war diese Maßnahme ausreichend. Doch ein damals von den Eltern bereits gefordertes Raumluftgutachten wurde vom Hausherrn abgelehnt. Die Kassners kritisieren, dass die Eltern mit jüngeren Kindern, also jene, die nicht von Anfang an involviert waren, nicht ausreichend informiert worden seien.

"Maximilian hat ab 2016 die Krabbelgruppe einmal wöchentlich besucht", sagt Kassner. Bei Elternabenden oder später dann, als Maximilian Kindergartenkind war, "wurde nichts vom Träger dazu gesagt". Sie habe damals aber gesehen, dass der Vorraum der Krabbelgruppe bereits mit Schimmel befallen gewesen sei. Später wurden Büroräume geräumt, die Schmusekatzen-Gruppe zog in den Turnraum um. "Es ist das Risiko eingegangen worden, dass Kinder Schaden nehmen."

Erst waren es fünf Elternpaare, die immer wieder nachfragten und sich zu wehren versuchten. Es schlossen sich immer mehr an. "Man hätte uns sagen müssen, dass man damit rechnen müsse, dass etwas sein könnte", sagt die besorgte Mutter. Natürlich haben die Kassners überlegt, Maximilian in einen Kindergarten nach Freihung, Kohlberg, Schnaittenbach oder Hirschau zu schicken. "Aber die waren alle voll."

Kindergarten in Schule umgezogen

Im Oktober 2017 hatte Mandy Kassner bei einem Elternabend wieder nachgefragt. Sie wollte auch wissen, wie die Pläne eines Umbaus oder Abrisses des Kindergartengebäudes sind. Eine befriedigende Antwort von Pfarrer Hans-Peter Bergmann, der seit gut einer Woche im Ruhestand ist, habe sie nicht erhalten. "Für die Eltern war das Thema nicht gegessen." Sie wollten genau wissen, was im Kindergarten los ist. Die Kinder besuchten unterdessen weiterhin die Einrichtung.

Ehenfeld bei Hirschau

Seit Mittwoch besucht Maximilian wieder den Kindergarten. Die Stadtverwaltung hat dem kirchlichen Träger Räume in der Hirschauer Schule zur Verfügung gestellt, um den Betrieb aufrecht zu erhalten. Die Kirchenverwaltung bleibt weitere sechs Monate in der Verantwortung der Trägerschaft. "Wir werden sehen, wie sich Maximilians Gesundheitszustand entwickelt", hofft die Mutter.

Stellungnahme der Stiftungsaufsicht am Bistum Regensburg:

Wie der Regensburger Bistumssprecher Clemens Neck in einer Stellungnahme gegenüber Oberpfalz-Medien/der Amberger Zeitung mitteilt, entschied sich im Juni 2018 die Kirchenstiftung, die Trägerschaft für den Kindergarten St. Michael zum 1. September 2019 abgeben zu wollen.

Kurze Zeit später informierte die Stiftung die Stiftungsaufsicht am Bistum in Regensburg. „Sie hat zu prüfen, ob die Entscheidung dem Stiftungszweck und dem Stiftungsrecht entspricht“, erklärt Neck. Es dauerte wiederum ein Jahr, bis die Stiftungsaufsicht ihre Zustimmung zur Aufgabe der Trägerschaft vor wenigen Wochen gab. „Die Prüfung ist ein üblicher Verwaltungsakt“, gibt Neck als Erklärung ab. Um einen Wasserkopf zu vermeiden, würde die Verwaltung im Bistum bewusst klein gehalten. Die verstrichene Zeit sei daher nicht ungewöhnlich. Bei einem ersten Treffen im Sommer 2016 von verschiedenen Amtsvertretern und Kirchenleuten in dem Kindergarten wurden die Probleme mit dem Schimmel an den Wänden und der Qualität des Trinkwasser angesprochen.

Als Ergebnis dieser Zusammenkunft sei unter anderen festgestellt worden: „In den Kellerräumen war Schimmel erkennbar. In Räumen, in denen Kinder betreut werden, sowie den Funktionsräumen konnte kein Befall festgestellt werden.“ Eine Liste mit Maßnahmen wie die Überprüfung des Trinkwassers, der Verschluss und die Räumung des Kellers sei von der Kirchenstiftung zügig umgesetzt worden. „Nach der Durchführung ist das an die Aufsichtsbehörden berichtet worden.“ Ein aufsichtliches Einschreiten vonseiten des Landratsamts sei nicht notwendig. Insbesondere sei die Betriebserlaubnis davon unberührt. Als sich die Eltern auf eigene Kosten ein Raumluftgutachten gewünscht hatten, sah das die Kirchenstiftung als nicht notwendig an. „Die Kirchenstiftung und die Behörde richteten sich nach den Ergebnissen der Begehung. Maßgeblich waren die Feststellungen der Fachleute. Sie sahen ein Raumluftgutachten nicht vor.“

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