29.07.2019 - 15:15 Uhr
Ehenfeld bei HirschauOberpfalz

Ehenfelder Kindergarten wegen giftiger Schimmelpilze geschlossen

Das Kindergartenjahr dauert nur noch wenige Tage, trotzdem musste der St.-Michael-Kindergarten in Ehenfeld geräumt werden: In der Luft sind Sporen giftiger Schimmelpilze nachgewiesen worden. Einige Eltern sind schon seit Jahren besorgt.

Die Fensterläden sind heruntergelassen, Gelände und Gebäude versperrt: Der St.-Michael-Kindergarten in Ehenfeld wurde wegen giftiger Schimmelpilze kurz vor Ende des aktuellen Kindergartenjahres geschlossen.
von Stephanie Wilcke Kontakt Profil

Zum Glück zeigt sich das Wetter derzeit von seiner schönen Sommerseite. Denn seit knapp einer Woche müssen die 31 Kleinen des Ehenfelder St.-Michael-Kindergartens im Gemeinschaftshaus Unterschlupf suchen. Das eigentliche Zuhause des katholischen Kindergartens ist seit vergangenen Dienstag komplett gesperrt - inklusive der Spielsachen, Unterlagen und auch Kleidung, die dort noch lagern. Wie es mit dem Kindergarten zum Start des neuen Betreuungsjahres weitergeht, scheint derzeit völlig offen.

Kellertür abgeschlossen

Man habe sich entschieden, das Haus zu schließen, erklärt Pfarrer Hans-Peter Bergmann. "Am Mittwoch gab es ein Treffen, bei dem unter anderem Vertreter des Gewerbeaufsichtsamts, Jugendamts und der Diözese dabei waren."

Im Juni überprüfte das Gewerbeaufsichtsamt aufgrund eines Hinweises die Einrichtung. Ein Raumluftgutachten belegt, dass in der Luft giftige Schimmelsporen sind. Daraufhin beauftragte die kleine Pfarrgemeinde einen Baubiologen, der das Ergebnis bestätigte. Die Quelle des Schimmelpilzes soll nach Angaben des Pfarrers der Keller des Kindergartens sein. "Am Samstag haben wir die Kellertür mit Folie und Silikon fest verschlossen." Nun brauche es Experten, die in der Lage sind, das Allernötigste aus dem Haus mit Schutzanzügen zu holen und fachmännisch zu desinfizieren. "Wir wollen schließlich niemanden gefährden", erklärt Pfarrer Bergmann.

Schon 2016 Schimmel entdeckt

Im Sommer 2016 entdeckte man zum ersten Mal Schimmel im Keller des Kindergartens. Dort lagerten Spielsachen und Putzmittel. Als damals ein Regal verschoben wurde, trat der großflächige Schimmel an den Wänden zutage. "Der Keller ist alt, der Boden besteht aus Beton", erklärt Bergmann. Bei einem Ortstermin, bei dem damals unter anderem Vertreter des Jugendamts, der Stadt und des Gesundheitsamts dabei waren, wurde nach Auskunft des Kreisjugendamts angeordnet, den Keller komplett zu räumen und für Personal nicht mehr zugänglich zu machen. "Die Maßnahmen wurden als ausreichend beurteilt", erinnert sich Bergmann.

Die Eltern der Kindergartenkinder wurden daraufhin aktiv. Sie machten Fotos, die den Schimmelbefall in einigen Räumen der Einrichtung im Sommer 2016 dokumentieren. Auch von außen war zu sehen, dass die Fassade nass ist. Ein früherer Materialraum, der dann als Nebenraum der Küche genutzt wurde, war ebenfalls betroffen, genauso wie ein Zimmer, das die Krabbelgruppe benutzt. Das Jugendamt sieht das anders: "In den Funktionsräumen des Kindergartens wurde kein Schimmel festgestellt."

Auch um die Qualität des Trinkwassers sorgten sich Eltern. Es soll bräunlich und nur lauwarm aus der Leitung gekommen sein. Die Eltern fürchteten, dass das Wasser mit Legionellen, also gefährlichen Keimen, verunreinigt sein könnte. Das Jugendamt als zuständige Aufsichtsbehörde ordnete eine sogenannte Kaltwasseruntersuchung an. "In der Folge wurde der Keller gereinigt und mit Kalkfarbe getüncht. Die Wasseruntersuchung wurde durchgeführt und notwendige Reparaturen vorgenommen", heißt es aus dem Landratsamt.

Doch reichte das aus? Ein Experte hat sich wegen des Schimmels und der Wasserversorgung im Namen einiger Eltern im Sommer 2016 schriftlich und mit Bildern an das Jugendamt, die Stadt Hirschau, die Diözese in Regensburg und das Wasserwerk in Hirschau gewandt. Darin forderte der Fachmann eine sogenannte Gefährdungsanalyse. Beim Räumen des Kellerraums solle demnach eine Mitarbeiterin Atemnot und Schwindel erlitten haben und musste deshalb den Kindergarten verlassen.

Ehenfeld bei Hirschau

Die Eltern, beziehungsweise der Elternbeirat, schlugen daher vor, ein Raumluftgutachten für sämtliche Räume erstellen zu lassen. "Auch gern auf Kosten des Gremiums", sagt Vorsitzende Martina Stahl. Vonseiten der Kirche habe es geheißen, dass dies nicht nötig sei. Das Einholen eines Gutachtens sei diskutiert worden, heißt es von der Pressestelle des Landratsamts. "Angesichts der Situation im Keller, in dem Schimmel offensichtlich vorhanden war, und der Schließung der Räume wurde dies jedoch nicht für erforderlich erachtet. Auch aktuell hat das vom Gesundheitsamt beteiligte Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) die Situation differenziert bewertet und darauf hingewiesen, dass es keinen gesundheitsbezogenen Grenzwert für Schimmelpilze gibt." Eine Untersagung des Betriebs sei daher vom LGL nicht gefordert worden. "Allerdings wurde auch dort kurzfristiger Handlungsbedarf gesehen", äußert sich die Behörde weiter.

Neubau oder Sanierung?

Im Herbst erfuhren die Eltern durch einen Aushang im Kindergarten, dass sich die Pfarrgemeinde bemühte, zusammen mit dem Bischöflichen Baureferat die Möglichkeiten einer Sanierung auszuloten. Zur Debatte standen die Alternativen: Generalsanierung des Kindergartens und des Schwesternhauses, der Abbruch des Schwesternhauses und des Nebengebäudes mit der Sanierung des Kindergartens und eines Neubaus für fehlende Raumkapazitäten oder der gesamte Abbruch und komplette Neubau durch ein diözesanes Rahmenprogramm.

Wiederum nach einiger Zeit wurden die Eltern informiert, dass die Pfarrgemeinde gewillt ist, die Trägerschaft des Kindergartens abzugeben. "Die Aufgabe für eine kleine Pfarrei mit 900 Gläubigen, einen Kindergarten zu organisieren, ist zu groß", begründet Pfarrer Bergmann den Entschluss. Die Kräfte, vor allem auch durch Ehrenamtliche, reichten nicht mehr, um den Anforderungen gerecht zu werden.

Die Zeit verging weiter. Im Juni 2018 bat das Kreisjugendamt nach eigener Aussage die Bayerische Landesunfallkasse um Unterstützung bei der Bewertung der Situation. "Eine gemeinsame Besichtigung des Kindergartens fand daraufhin statt", berichtet die Pressestelle des Landratsamts. Der Keller sollte weiterhin geschlossen bleiben. Die bis dahin erbrachten Maßnahmen "wurden zunächst für ausreichend erachtet".

Zu lange gewartet?

Etwa ein Jahr hat die Gemeinde nun auf eine Entscheidung des Bistums in Regensburg gewartet, ob es für den Rückzug aus der Trägerschaft des Kindergartens grünes Licht gibt. Nun sieht es so aus, als könne die Gemeinde damit beginnen, die Abwicklung des Kindergartens zu starten. Das Bistum konnte eine entsprechene Nachfrage von Oberpfalz-Medien am Montag aber nicht beantworten.

Hat man aufgrund der Verzögerungen zu lange gewartet? Vielleicht sogar die Gesundheit der Kinder und der Mitarbeiter aufs Spiel gesetzt? "Als Sofortmaßnahme hatte der Träger die Zugänge zum Keller luftdicht abdichten lassen und die Einrichtung wurde seitens des Kreisjugendamtes dahingehend beraten, die Kinder im Außenbereich zu betreuen und nur die Toilettenräume zu nutzen. Dem wurde auch unmittelbar Folge geleistet", heißt es aus dem Landratsamt über die Arbeiten am vorletzten Samstag. Ein Einschreiten der Behörde, den Betrieb des Kindergartens zu stoppen, sei nicht nötig gewesen. "Da der Träger von sich aus auf eine Nutzung der bisherigen Räume verzichtet."

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Hirschau

Einige Eltern sind darüber entsetzt, dass es Anfang des Jahres noch hieß, dass die Kinder an einem Ort betreut werden, der gesundheitlich unbedenklich ist. Die Eltern sind besorgt über die Ergebnisse des Raumluftgutachtens. "Die Schimmelspuren in der Luft sind toxisch. Heißt das möglicherweise, dass unsere Kinder drei Jahre lang in einer Einrichtung untergebracht waren, die giftig ist?", fragt sich Elternbeiratsvorsitzende Stahl. "Was passiert auch mit all den Sachen, die noch im Kindergarten liegen? Muss alles weggeschmissen werden?" Vor allem interessiere die Eltern auch der Bericht des Gutachtens, um gebenenfalls medizinische Beschwerden überprüfen zu können.

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