30.08.2020 - 11:55 Uhr
Ehenfeld bei HirschauOberpfalz

Störche sammeln sich bei Ehenfeld

28 Störche auf einem Streich. Und das im Spätsommer. Früher war es sonnenklar: Die Zugvögel rasten auf ihrem Weg gen Süden. Heute kann es auch anders sein. Denn nicht alle Störche machen sich noch auf den Weg nach Afrika.

Rund 30 Störche haben sich bei Ehenfeld versammelt. Unklar, ob sie dort nur gemeinsam auf Nahrungssuche gehen oder demnächst in Richtung Winterquartier in Afrika oder Spanien aufbrechen.
von Kristina Sandig Kontakt Profil

Frühmorgens am Kreisverkehr bei Ehenfeld: 28 Störche haben sich dort versammelt. Ein seltener Anblick, der mehrere Verkehrsteilnehmer fasziniert, schreibt Martina Luber, die die Störche auch fotografiert hat. Ob sie wohl schon auf ihrem Weg ins Winterquartier in Afrika sind und dort eine Rast einlegen? Eine Frage, die heutzutage nicht mehr so einfach zu beantworten ist, weiß Markus Erlwein, Pressesprecher des Landesbunds für Vogelschutz (LBV) in Hilpoltstein. Denn: Was man früher in der Schule gelernt hat, nämlich dass die Störche den Winter in Afrika verbringen, gilt inzwischen nur noch bedingt. Nicht alle zieht es nämlich dorthin. Ein Teil fliege nach wie vor nach Afrika, so Erlwein. Andere hingegen nur nach Spanien. Eine dritte Gruppe macht sich auf den Weg ins Elsass. Weitere Störche hingegen nehmen den Weg ins Winterquartier gar nicht mehr auf sich, sondern bleiben hier. Deshalb tut er sich schwer, die Ansammlung der Störche bei Ehenfeld einzuordnen. "Natürlich kann es eine Abflugssammlung sein", sagt er. Andererseits könnte es auch sein, dass dort eine Gruppe auf Nahrungssuche geht. Dass immer mehr Störche generell in der kalten Jahreszeit hier bleiben, sei den milden Wintern geschuldet. Schließlich machen sich Zugvögel generell auf den Weg ins Winterquartier, weil sie hier im Herbst und Winter nichts zu fressen haben. Finden sie jedoch hier ausreichend Nahrung, verzichten sie auf die Reise, bei der sie mitunter 10.000 Kilometer und mehr zurücklegen und die voller Gefahren sein kann. "Diese Entwicklung haben wir in den vergangenen zehn Jahren beobachtet", sagt Erlwein, der auch für das Elsass als Winterquartier eine Erklärung hat. "Dort hat man angefangen, Störche im Winter zu füttern." Das aber lehnt der LBV strikt ab. Die Gruppe von Störchen, die nicht mehr bis Afrika fliegt, sondern nur noch bis Spanien, findet dort beispielsweise auf Müllkippen ein Nahrungsangebot vor.

Generell ist es schon so, dass sich jetzt um diese Zeit – Ende August – die Störche sammeln, die nach Afrika fliegen. "Das beginnt gerade eben", sagt Erlwein. Das heiße aber nicht, dass sie sich auch schon auf den Weg machen würden. "Das kann durchaus sein, dass sie noch eine Woche hier sind. Oder erst einmal nur nach Oberbayern fliegen." Und auch die Gruppe, die tatsächlich noch nach Afrika fliegt, teilt sich: Die einen wählen die Route über den Bosporus, die anderen die über Gibraltar. Längst in warme Gefilde aufgebrochen sind nach Angaben von Erlwein andere Zugvögel: der Mauersegler und der Kuckuck.

Mehr Bilder zu den Ehenfeldener Störchen

Ehenfeld bei Hirschau

Laut einer Pressemitteilung, die der LBV vor wenigen Tagen veröffentlicht hat, kommt man im Jahr 2020 auf über 700 Storchenpaare im Freistaat. Laut LBV-Weißstorch-Expertin Oda Wieding steige die Storchpopulation seit Jahren an. 2019 seien 634 Brutpaare gezählt worden. Zwei Regenfronten im Mais hätten bei den Jungstörchen zwar für einige Verluste gesorgt. Sie hätten sich aber weit weniger schlimm ausgewirkt als ursprünglich befürchtet. "In den Regierungsbezirken Oberfranken, Oberpfalz und Niederbayern haben etwa 30 Prozent der Storchenpaare keinen Bruterfolg", so Wieding in der LBV-Pressemitteilung.

Störche gehören in Hahnbach einfach dazu

Hahnbach
Info:

Keine Nachwuchssorgen

Wenn das keine guten Voraussetzungen sind. Seit Tagen bevölkern rund 30 Störche die Wiesen und Felder um Ehenfeld. Sicher ein gutes Zeichen für den neuen Ehenfelder Container-Kindergarten, der auf dem Gelände der örtlichen Schule am Dienstag seine Pforten öffnet. Geht es nach den Störchen, dürfte die Einrichtung in den nächsten Jahren keine Nachwuchssorgen haben. Denn sechs der Störche thronten stundenlang auf dem Dachfirst der Ehenfelder Pfarrkirche St. Michael. Vielleicht ein Fingerzeig, dass der Ehenfelder Kindergarten weiterhin den Namenszusatz St. Michael behalten sollte?!

Störche auf der Ehenfelder Kirche
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