17.02.2021 - 13:25 Uhr
Hof an der SaaleOberpfalz

Einbruch im Rathaus Pechbrunn: Goldmünzen-Diebe vor Gericht

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In Hof stehen zwei Einbrecher vor Gericht, die sich auf Amtsgebäude spezialisiert hatten. Sie gestehen, dass sie in Landratsämtern die Kassenautomaten geplündert haben. Außerdem hatten sie im Rathaus Pechbrunn drei Goldmünzen gestohlen.

Vor dem Landgericht Hof müssen sich zwei Einbrecher verantworten, die sich auf Amtsgebäude spezialisiert hatten.
von Externer BeitragProfil

Von Joachim Dankbar

Eine ganz besondere "Marktlücke" hatten zwei Einbrecher entdeckt, die sich seit dieser Woche vor dem Landgericht in Hof verantworten müssen. Ihnen wirft die Staatsanwaltschaft eine ganze Serie von Einbrüchen in Landratsämtern und Rathäusern in Nordbayern und Sachsen vor. Dazu kamen noch einige Einbrüche in Tankstellen.

Insgesamt beziffert die Anklage den Wert ihrer Beute auf rund 73.000 Euro. Dazu kamen noch Sachschäden in Höhe von über 245.000 Euro. Gleich am ersten Verhandlungstag legten der 43 Jahre alte Daniel T. und der 39-jährige Mihai T. umfassende Geständnisse ab. Die beiden aus Rumänien stammenden Männer hatten sich 2015 in einem Gefängnis in Österreich kennengelernt. Sechs Jahre später trafen sie im fränkischen Steinach wieder aufeinander und beschlossen, ihr kärgliches Einkommen aus Gelegenheitsjobs aufzubessern.

Am Tresor gescheitert

Den ersten "Amtsbesuch" in Bayern statteten sie dem Landratsamt in Wunsiedel in der Nacht zum 22. Februar 2020 ab. Sie brachen das Fenster des Hausmeisterzimmers auf und kämpften sich bis zur Zulassungsstelle vor. Dort brachen sie den Kassenautomaten auf. Die Beute: rund 11.300 Euro. Am Tresor der Kreiskasse scheiterten sie hingegen. Vor ihrem Rückzug nahmen sie aus verschiedenen Räumen noch zwei Beamer, ein Navigationsgerät und einen Koffer mit. Sie richteten überdies einen Schaden von fast 76.000 Euro an. In der selben Nacht brachen sie in Wunsiedel auch noch in die Geschäftsräume von drei Firmen ein, die sich mit der Herstellung von Autokennzeichen befassen. Auch hier war der angerichtete Schaden weit höher als die Beute.

Der Einbruch in Wunsiedel habe ihnen gezeigt, dass bei den Ämtern etwas zu holen sei, sagte Daniel T. nun vor Gericht. Zwei Wochen später stiegen sie im Landratsamt in Hof ein. Offensichtlich ungestört von Sicherungsanlagen durchsuchten die beiden Männer eine Vielzahl von Büroräumen. Den Kassenautomaten der Kfz-Zulassungsstelle brachen sie mit einer Gerüststange auf und entnahmen ihm fast 11.000 Euro. Der Automat wurde dabei völlig zerstört. Insgesamt hinterließen die beiden Einbrecher im Hofer Landratsamt einen Sachschaden von über 65.000 Euro.

Dokumente finden keine Abnehmer

Viel weniger Beute – gerade einmal 1200 Euro – hatten sie im Dezember 2019 Januar bei einem Einbruch in Freital, im Landratsamt des Landkreises Sächsische Schweiz-Osterzgebirge, gemacht. Dennoch kehrten sie gleich eine Woche später eben dorthin zurück. Dieses Mal nahmen sie neben Geld über 3000 Blanko-Zulassungen und Landkreisstempel aus der Kfz-Zulassungsstelle mit. Ein Bekannter habe erwähnt, dass er so etwas brauchen könne, sagte Daniel T. Letztlich blieben sie auf den amtlichen Papieren aber weitgehend sitzen. "Wegen Interpol und dieser EU" habe niemand die Dokumente ankaufen wollen.

Im Rathaus von Pechbrunn stiegen sie nicht nur in die Räume der Gemeinde und das Bürgermeisterbüro, sondern auch in eine darunterliegende Arztpraxis ein. Drei Goldmünzen aus dem Pechbrunner Gemeindebüro wurden bei Daniel T. gefunden, als er festgenommen wurde. Dass er dem Bürgermeister aber auch noch 600 Atemschutzmasken abgenommen haben soll, bestritt er aber vehement.

"Schon immer geklaut"

Im Landkreis Bamberg drangen sie im Mai in einer Nacht gleich in zwei Rathäuser ein. Nach dem Einbruch in Rattelsdorf (Beute 4200 Euro, Schaden 10.000 Euro) befanden sie sich schon auf dem Rückzug. "Aber dann stand da in der Dunkelheit noch ein Schild ,Rathaus‘", erinnert sich Mihait T. Das Schild führte zum Rathaus von Altendorf, wo sie in einem Schlüsselkasten praktischerweise auch den Schlüssel zum Tresor fanden. Beute: rund 5000 Euro. Das war das Zehnfache dessen, was sie Tage zuvor im Landratsamt Roth erbeutet hatten.

Alle Fälle räumten die beiden Männer vor Gericht ebenso ein wie weitere Einbrüche in Tankstellen und Kfz-Werkstätten. Uneinig waren sie sich nur, wer von ihnen auf die Idee mit den Rathäusern und Landratsämtern gekommen war. Er habe "schon immer geklaut, seit seinem fünften Lebensjahr", bekannte Daniel T. Anderes sei ihm angesichts seines schlechten Elternhauses auch nichts anderes übriggeblieben; er wäre sonst verhungert. Die Verhandlung wird fortgesetzt.

Die Polizei hatte Ende September die beiden Einbrecher festgenommen

Pechbrunn
Hintergrund:

Einbruch im Rathaus Pechbrunn

  • Ein Einbrecherduo steigt am ersten Juni-Wochenende 2020 über ein Fenster in eine Arztpraxis (Erdgeschoss) und das Pechbrunner Rathaus (Obergeschoss) ein.
  • Beute: Im Amtszimmer des Bürgermeisters stehlen die Einbrecher drei Goldmünzen (eine Bürger- und zwei Ehrenbürgermedaillen). Die Münzen sind in einem abgeschlossenen schweren Stahlschrank und darin in einem Schließfach gelagert. Zudem nehmen die Täter die Spendenbox für die Grünabfall-Annahme und das Wechselgeld für den Müllsackverkauf mit.
  • Die Kripo Oberfranken gibt im September 2020 bekannt, dass sie das Einbrecherduo dingfest gemacht hat. Einer der Täter hat auch die drei Goldmünzen bei sich.

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