05.06.2018 - 18:25 Uhr
Ellenfeld bei BärnauOberpfalz

Suche nach Rotmilanen

War der tote Rotmilan bei Ellenfeld ein umherstreunender Vagabund oder gibt es dort eine ganze Population? Diese Frage versucht das Landratsamt zu klären. Bei der Antwort geht es auch um Geld.

Die Idylle trügt. Der Windpark bei Ellenfeld ist bei Naturschützern in die Kritik geraten. Nun prüft ein externer Gutachter, ob es dort eine Population von geschützten Rotmilanen gibt. Bild: tr
von Wolfgang Benkhardt Kontakt Profil

(wb) Der Antrag des Vereins für Landschaftspflege und Artenschutz in Bayern (VLAB) auf zeitweise Abschaltung des Bürgerwindparks Ellenfeld GmbH & Co. KG (Stadt Bärnau) ist mittlerweile im Tirschenreuther Landratsamt eingetroffen. Wie bereits ausführlich berichtet, möchte der anerkannte Naturschutzverband mit Sitz in Erbendorf, dass die Anlage mit sofortiger Wirkung vom 1. März bis zum 15. August von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang zum Schutz des Vogels abgeschaltet wird.

Anlass für den Antrag war ein in Stücke zerfetzter Rotmilan, der im Bereich des Windparks gefunden worden ist und, wie eine Untersuchung später ergab, vermutlich durch einen der Rotoren ums Leben gekommen ist.

Wie Pressesprecher Walter Brucker vom Landratsamt auf Anfrage mitteilt, hat die Behörde am Montag einen Fachmann damit beauftragt, eine erneute Bestandsaufnahme im Bereich des Windparks vorzunehmen. Der Experte soll vor allem ermitteln, ob es dort wirklich Rotmilanhorste gibt und welche Gefahr gegebenenfalls vom Windpark auf die geschützten Vögel ausgeht. Bei der Genehmigung der Anlage sei dies nicht berücksichtigt worden, so walter Brucker.

Der Pressesprecher hofft, in zwei, drei Wochen Ergebnisse der Untersuchung auf dem Tisch zu haben. Davon werde die weitere Vorgehensweise des Landratsamtes abhängen. Sollte der Gutachter wirklich zum Ergebnis kommen, dass hier ein erhöhtes Tötungsrisiko für den Rotmilan bestehe, werde man über nachträgliche Auflagen für den Betreiber nachdenken müssen.

Die Anwaltskanzlei der Bürgerwindpark GmbH hat vorsorglich bereits kurz nach Bekanntwerden des Antrags des VLAB beim Landratsamt eine "Gegendarstellung" eingereicht, in der die Ausführungen des Naturschutzverbandes angezweifelt werden.

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Kommentare

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Maria Estl

Zur Artikelserie um den Rotmilan
Dieser Artikelserie des Neuen Tag, der mit einer Behauptung des VLAB Vorsitzenden Bradtka im April 2018 begann, fehlt aus meiner Sicht bislang ein wichtiger Aspekt: Die Grundlagenrecherche, die einen Beitrag erst fundiert.
Es wurde offensichtlich nie recherchiert, ob die von Bradtka der Redaktion vorgelegten Fotos tatsächlich den Windkraftstandort Ellenfeld zeigen oder ob der Rotmilan dort tatsächlich zu Tode gekommen ist. Es wurde auch nie recherchiert, ob die Vorschriften eingehalten wurden, die den geltend gemachten Tatbestand („Geschredderter Milan bei Ellenfeld“) objektiv belegen und nachvollziehbar machen. Solche Vorschriften sind: sofortige Meldung an den Jagdpächter und Eigentümer über den Vorfall, sofortige Hinzuziehung des Windparkbetreibers und neutraler Dritter, um den Tatbestand objektiv zu dokumentieren.
Was stattdessen erfolgte, war eine recht einseitige positive Darstellung der Aussagen von Johannes Bradtka, die in keiner Weise als sachgerechte Dokumentation dienen konnte, sondern nur Spekulationen Vorschub leistete. Erst am 16.05.2018 erschien die auszugsweise Darstellung der Bürgerwindpark Ellenfeld GmbH, die einen Anwalt eingeschaltet hatte.
Heute nun wird berichtet, dass das Landratsamt Tirschenreuth klären will, ob bei Ellenfeld eine ganze Rotmilan-Population besteht, initiiert erneut vom VLAB Vorsitzenden Bradtka. Was anscheinend gar nicht mehr interessiert, ist die objektive Dokumentation zum angeblich durch ein Ellenfelder Windrad getöteten Rotmilan.
Kann das Landratsamt ohne diese Grundlage überhaupt objektiv entscheiden?
Was noch interessant ist, FW-Landrat Lippert ist engagierter Windkraft Gegner. Er will keine Verspargelung der Landschaft und findet die 10H Regelung, gegen die die Freien Wähler zusammen mit SPD und Grünen im bayerischen Landtag geklagt haben, „griffig und gut“.
Mein Fazit: Der Neue Tag versucht hier mit zweifelhafter Berichterstattung Leser zu erreichen und ggfs. die Auflagenzahl zu steigern. Das hat aber noch nie etwas gebracht, denn nur gute Recherche ist die Grundlage einer soliden Leserzahl.

06.06.2018