02.09.2019 - 12:22 Uhr
EnsdorfOberpfalz

Ausstellung von Sterbebildern im Kloster Ensdorf

"Vor 80 Jahren, am 1. September 1939, begann mit dem Überfall der deutschen Wehrmacht auf Polen der Zweite Weltkrieg." Dies betonte Johann Weiß zur Ausstellung von Sterbebildern aus der Pfarrgemeinde Ensdorf im Kreuzgang des Klosters.

Auch die Gemeinde stellte ihre Gedenktafel der Gefallenen und Vermissten des Zweiten Weltkriegs für die Ausstellung zur Verfügung.
von Hubert SöllnerProfil

"Damit es nicht nur Namen auf Stein sind", deshalb sei diese Ausstellung geplant worden, bei der Sterbebilder zu den gefallenen und vermissten Soldaten aus den Ortschaften Ensdorf, Dornberg, Götzenöd, Hirschwald, Hofstetten, Ruiding, Seulohe, Thanheim, Thanloh, Uschlberg und Wolfsbach erstmals veröffentlicht würden. Die Zahl von 69 Gefallenen und 27 Vermissten, führte Weiß weiter aus, erscheine zunächst nebensächlich im Vergleich zu den mehr als 55 Millionen toten Soldaten und Zivilisten des Zweiten Weltkrieges. "Dennoch sind sie als Vertreter für den verheerendsten Krieg in der Geschichte zu verstehen."

Und Johann Weiß betonte: "Es gab wahrscheinlich keine einzige Familie, die nicht mindestens einen Angehörigen durch den Krieg verlor oder zumindest in der Nachbarschaft und im Freundeskreis den Verlust eines vertrauten Menschen beklagen musste." Eingesetzt wurden die Gefallenen und Vermissten aus der Pfarrei bis zum bitteren Ende an Kriegsschauplätzen wie Polen, Frankreich, Russland, Afrika, Rumänien, Luxemburg, Norwegen, Italien, Griechenland und Ungarn. Auch 149 Priester, Kleriker, Laienbrüder und Novizen aus dem Noviziatshaus der Salesianer in Ensdorf seien gefallen oder werden vermisst. Zu ihrem Gedenken sei 1952 an der östlichen Klostermauer eine Gedächtniskapelle errichtet worden.

Das Kriegerdenkmal (im Hintergrund) solle Ort der Erinnerung und Mahnung sein „und fordert jeden Betrachter auf, sich mit den historischen Geschehnissen kritisch auseinanderzusetzen“, so Johann Weiß bei seiner Einführung in die Ausstellung.

Weiß ging auch näher auf die ausgestellten Sterbebilder ein, die als Dialog zwischen Toten und Hinterbliebenen zu verstehen seien. "Denn für die Hinterbliebenen war es wichtig, Strategien zur Trauerbewältigung zu finden." Die Gebete und Gedenksprüche auf den Sterbebildern dienten der Legitimation des Krieges und dem Ausdruck der religiösen Überzeugung, dass der Tod des Soldaten im Jenseits belohnt würde. Weiter erläuterte Johann Weiß zu den Sterbebildern: "Auf der Vorderseite von Soldatensterbebildern ist gewöhnlich ein Kunstwerk oder eine Grafik abgedruckt, die zum Tod Bezug hat. Auf der Rückseite finden sich oft detaillierte Angaben zu den verstorbenen Soldaten."

Meist seien diese kombiniert mit einem Portraitfoto, das den Toten in seiner Uniform zeige, manchmal mit den Orden und Abzeichen, die er für Kriegseinsätze und Tapferkeit verliehen bekommen hatte. Dazu kämen die biografischen Angaben, der Dienstgrad und die Einheit, bei der der Soldat gekämpft hat und zuweilen der Hinweis auf Ort und Umstände des Todes. Dies sei, so Weiß, nicht immer eindeutig zu benennen. Und so heißte es in den meisten Fällen lediglich "im Osten gefallen", "gefallen im Schwarzen Meer", starb im atlantischen Ozean" oder "starb den Heldentod".

Großes Interesse an der Ausstellung zeigte auch Josef Schmaußer, Ortsheimatpfleger der Gemeinde Ursensollen.
Großes Interesse für die ausgestellten Exponate der Ausstellung zeigten besonders ältere Einwohner der Gemeinde.

Sein Dank, fasste Johann Weiß zusammen, gelte allen, die ihn durch Bereitstellung von Exponaten oder bei der Recherche unterstützten. Zu Beginn der Führung durch die Ausstellung im Kreuzgang, die noch bis Sonntag, 8. September, besichtigt werden kann, wies Weiß darauf hin, dass auch die Angehörigen der Heimatvertriebenen aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten, die hier eine neue Heimat fanden, berücksichtigt wurden. Viele der Besucher entdeckten beim Rundgang durch die Ausstellung bekannte Namen, aber auch die eigenen Verwandten oder die von Freunden und Nachbarn.

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