24.10.2018 - 17:48 Uhr
EnsdorfOberpfalz

Als der Metzger noch der Mulzer war

Bäckgirgl, Spitlschuster, Thorhierl - noch vor wenigen Jahrzehnten waren Hausnamen wie diese ganz normal. Doch sie müssen Straßennamen und Hausnummern weichen. Hans Weiß holt sie ins Gedächtnis zurück.

von Hubert SöllnerProfil

"Langsam, aber sicher, geraten Hausnamen auch in Ensdorf in Vergessenheit", sagt Hans Weiß bei der Ensdorfer Senioren-Aktiv-Woche. Noch vor wenigen Jahrzehnten gingen die Ensdorfer im Dorf zum Mulzer, wenn sie zum Metzger wollten. Der Bäcker war der Schandill und ins Wirtshaus ging man zum Thorhierl, zum Bruckhierl oder zum Weißbacher.

Früher seien die meisten Familiennamen und Straßenbezeichnungen fast unbekannt gewesen, fuhr Weiß fort. Oft waren Hausnamen Jahrhunderte alt, wurden einmal vergeben und blieben auf dem Anwesen, auch wenn der Besitzer wechselte ein Beispiel sei hier Stoa-Mandl. Die einfachsten Hausnamen seien, wie etwa Stephl-Mo, von Vor- oder-Familiennamen übernommen worden. Aussagekräftiger seien berufsbezogene Namen wie Spitlbauer und Spitlschuster, die zu den wahrscheinlich ältesten Hausnamen in Ensdorf gehören. Dazu habe es Hausnamen gegeben, die sich deutlich von Familiennamen unterscheiden und von älteren Gemeindebürgern noch verwendet werden. Dazu gehören beispielsweise Neubäck, Bäckgirgl, Binner oder Binder, Neukramer, Blechschmied oder Hanslbauer.

Haus heißt wie Besitzer

Die ältesten Hausnamen, so Hans Weiß, würden sich auf natürliche Kennzeichen wie Bäume, zum Beispiel Lindlbauer, andere auf ausgeübte Berufe beziehen: Blechschmied, Wagner, Hufschmied, Bäckersaler, Bader, Wasserstrehl oder Hirschenschuster. "Der Name Hierl bedeutet so viel wie Hüter", erklärte Weiß. Er sei in den Namen Thorhierl und Bruckhierl enthalten. Später wurden Häuser nach dem Namen des Besitzers benannt, so wie etwa der jetzige Kindergarten. 1821 erwarb Maria Schub das Haus. Ihr Bruder Pater Maurus Schub verbrachte dort seinen Lebensabend, nach ihm wurde es Maurus(en)haus genannt.

Ein Biersack ist trinkfest

Oft seien auch Eigentümlichkeiten des Hausbesitzers bei der Bildung von Hausnamen herangezogen worden. Damals wurden die Dinge eben noch beim Namen genannt. Besonders trinkfeste Menschen etwa wurden schlichtweg als Biersack bezeichnet. Die Herkunft, führte Hans Weiß weiter aus, werde bei "Wallisch" deutlich: Welsch oder Wallisch war eine Herkunftsbezeichnung für Einwanderer aus romanischen Ländern. Auch wenn Hausbesitzer von auswärts zuzogen, zeigten dies Hausnamen wie Berliner auf.

In der ländlichen Region sind Hausnamen durchaus noch präsent, offen bleibt aber die Frage, wie lange sie noch an die nächste Generation überliefert werden.

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