04.09.2019 - 18:17 Uhr
EnsdorfOberpfalz

Orgelkonzert in Ensdorf: Ein Genuss, nicht nur für die Ohren

Zur Ausstellungseröffnung "Barockschätze Bayern Böhmen" im Kloster Ensdorf begeistert Organistin Markéta Schley Reindlová mit einem Konzert in der Pfarrkirche.

Die Pilsener Organistin Markéta Schley Reindlová gab zur Eröffnung der Ausstellung „Barockschätze Bayern Böhmen“ in Ensdorf ein Konzert.
von Hubert SöllnerProfil

Orgelkonzerte sind in der Ensdorfer Pfarrkirche nicht häufig zu hören. Eigentlich schade. Das Konzert der Pilsener Organistin Markéta Schley Reindlová zur Eröffnung der Ausstellung "Barockschätze Bayern Böhmen" war nicht nur akustisch ein Genuss. In der barocken Ausstattung der bestens ausgeleuchteten Asamkirche entdeckten auch die Augen Details, denen selbst eifrige Kirchgänger bisher wenig Beachtung geschenkt haben.

Gerhard Tschaffon, der Organist der Ensdorfer Pfarrkirche, meinte: "Ich erkenne den Klang unserer Orgel nicht wieder. So schnell und mit so viel Farbe auf einer pneumatischen Traktur zu spielen, zeugt von der Klasse der Künstlerin." Auch das nicht geschulte Ohr bemerkte, dass der Abend etwas Besonderes zu werden versprach. Mit zwei barocken Werken von Frantisek Xaver Brixi (Praeludium in F-Dur) und Jan Krtitel Kuchar (Andante a-Moll) zeigte Schley Reindlová gleich zu Beginn, was die Orgel zu bieten hat: voluminöse Strahlkraft, aber auch leise, ruhige und einfühlsame Register.

Es war so ruhig in der Kirche, dass das Gebläse der Orgel schon fast störte. Vielleicht blieben auch die Augen bei "Pulchrior, ut surgat", einem Medaillon am Kirchenfenster, hängen, das zum achtsamen Umgang mit der Schöpfung mahnt. Bei den Choralvorspielen op. 67 von Max Reger merkte man, dass der Orgelprospekt zwar barock ist, das Werk der Ensdorfer Orgel aber aus der Zeit der Jahrhundertwende des letzten Jahrhunderts stammt, also genau für Regers Musik konzipiert zu sein scheint. Die gewaltigen Bässe des Posaunenregisters waren nicht nur zu hören, sondern auch zu spüren.

Mit der zeitgenössischen Interpretation von Petr Eben zu einem slowakischen Marienlied aus Tyrnau korrespondierte die Musik auch wieder mit der Ausstellung. Der barocken Kirche von Tyrnau (nordöstliche von Bratislava) ist dort eine Druckfahne gewidmet. Mit Johann Sebastian Bachs Choralvorspiel "Wachet auf, ruft uns die Stimme" BWV 645 stand ein barockes Werk auf dem Programm, das mit dieser Orgel mangels der Zungenregister eigentlich nicht authentisch spielbar ist. Aber die Wahl-Bambergerin gab dem Stück so viel Farbe mit einer gedämpften Registratur, wie man es selten gehört hat. Nachdem die Turmuhr mit dem 8-Uhr-Schlag fertig war, zeigte Schley Reindlová mit Felix Mendelssohn-Bartholdys Sonata B-Dur op.65, Nr. 4, dass die Orgel zu Recht als die "Königin der Instrumente" bezeichnet wird. Wie sagte Gerhard Tschaffon am Ende: "Man muss nicht in den Regensburger Dom fahren, um ein schönes Orgelkonzert zu hören." Der langanhaltende Applaus der Zuhörer gab ihm Recht.

Ausstellung "Barockschätze Bayern Böhmen" in Ensdorf

Ensdorf
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.