27.06.2021 - 14:21 Uhr
ErbendorfOberpfalz

Berufsbildungszentrum Erbendorf: Fünf Schüler bieten Einblicke

Hausarzt werden über das Berufsbildungszentrum in Erbendorf? Das ist möglich. Renei Isallari ist ein gutes Beispiel dafür. Er schloss die Ausbildung zur Pflegefachkraft im vergangenen Jahr ab und will nun ein Medizinstudium beginnen.

Renei Isallari will künftig Medizin studieren. Er hat eine dreijährige Ausbildung zur Pflegefachkraft in der Altenpflege am Berufsbildungszentrum (BBZ) in Erbendorf hinter sich.
von Jochen NeumannProfil

Gut 100 Schüler besuchen das Berufsbildungszentrum (BBZ) in Erbendorf, um den Pflegeberuf zu erlernen. Dabei kreuzen sich die verschiedensten Lebenswege, was sich in Alter und Herkunft der Schüler widerspiegelt: Sie sind 17 bis 50 Jahre alt und haben aus verschiedenen Gründen das Berufsbildungszentrum für ihre Ausbildung gewählt.

Welche Zukunftsaussichten die Schüler haben, zeigt das Beispiel des 23-jährigen Renei Isallari: Er ist in einem kleinen Dorf in Albanien geboren, 2016 legte er das Abitur ab. In dieser Zeit war seine Familie auch für kurze Zeit in Hamburg, musste aber Deutschland wieder verlassen. „Aber das hat mich dazu gebracht, einen intensiven Deutschkurs an einer deutschen Schule in Albanien zu besuchen“, sagt Isallari. Die Deutschprüfung bestand er mit „sehr gut“.

Langwierige Visa-Verhandlungen

Schon in Albanien machte er sich daran, ein Ausbildungsangebot in Deutschland zu bekommen. Da tauchte unter anderem auch das Berufsbildungszentrum Erbendorf auf. Nach langwierigen Visa-Verhandlungen gelang es Isallari, wieder nach Deutschland zu kommen. "Im Berufsbildungszentrum hat mir vom ersten Tag an Schulleiterin Hannelore Doleschal sehr viel Unterstützung zuteil werden lassen", erinnert er sich. "Dafür werde ich ihr ein Leben lang dankbar sein."

Anfangs sei es nicht immer leicht für ihn gewesen. "Ich kam aus einer anderen Kultur und war mit den Sitten und Gebräuchen hierzulande nicht vertraut, doch mit der Unterstützung der Lehrer gelang es mir, mich zu integrieren, und ich habe es geschafft, mich in der Schule gut einzuleben." Die dreijährige Ausbildung zur Pflegefachkraft in der Altenpflege von 2017 bis 2020 hat der junge Mann mit einem herausragenden Ergebnis absolviert. Seitdem arbeitet er als Pflegefachkraft beim BRK-Kreisverband Tirschenreuth.

"Mein Traum war immer, in die Medizin zu gehen", führt der ehemalige BBZ-Schüler aus. "Da mein Abi-Durchschnitt dafür nicht ausreicht und ich gerne auf dem Land arbeiten möchte und hier meine Zukunft sehe, möchte ich über die Landarztquote ins Medizinstudium einsteigen." Das Auswahlgespräch sei sehr gut verlaufen. Jetzt hofft er, demnächst den Zulassungsbescheid zu bekommen. "Hoffentlich klappt es auch mit der Aufenthaltsgenehmigung, da es sehr schwierig ist, von einem Aufenthaltstitel mit dem Zweck Beschäftigung zu einem für ein Studium zu wechseln", sorgt sich Isallari.

Ausbildung zur Pflegefachfrau

Auch die Berufsfachschule für Generalistische Ausbildung findet sich unter dem Dach des Berufsbildungszentrums wieder. Stefanie Röhl aus Plößberg macht hier ihre Ausbildung zur Pflegefachfrau und hat es bislang noch nicht bereut. Sie hat Lehramt studiert, anschließend in der Industrie gearbeitet und ist jetzt Mitten in der Ausbildung zur Pflegefachfrau im BBZ. Stefanie Röhl will zukünftig als Pflegefachfrau in der Kinderkrankenpflege arbeiten.

Dabei hat sie die Berufsfachschule für Pflege in der Steinwaldstadt gezielt ausgesucht. Im September 2020 hat sie ihre Ausbildung begonnen - und das recht kurzfristig. Auch hat die Schulleitung die Schülerin bei der Suche einer wohnortnahen Ausbildungseinrichtung unterstützt. Für Röhl herrscht am Berufsbildungszentrum ein hervorragendes Schulklima. "Wir haben eine prima Klassengemeinschaft." Die 32-Jährige wird 2023 ihren Abschluss zur generalistisch ausgebildeten Pflegefachfrau in der Tasche haben. "Anschließend möchte ich in der Region bleiben."

Ausbildung mit 51 Jahren

Zum Pflegefachhelfer in einem Jahr: das ist an der Berufsfachschule für Generalistische Ausbildung im BBZ möglich. Die Beweggründe für eine Ausbildung sind vielschichtig. Im September vergangenen Jahres hat Karin Liegl aus Erbendorf im Berufsbildungszentrum die einjährige Ausbildung zur Pflegefachhelferin begonnen. In den nächsten Wochen beginnen bereits die Abschlussprüfungen.

Dass sie mit 51 Jahren diese Ausbildung begonnen hat, daran sei ein bisschen die Zeit von Corona mit Schuld, doch beruflich neu orientieren wollte sie sich schon länger. Im März 2020 begann sie im BRK-Seniorenwohn- und Pflegeheim ihre Arbeit im sonstigen Dienst. "Der Umgang mit den Menschen gefällt mir, deshalb bin ich zum Entschluss gekommen in dieser Richtung mehr zu tun", erklärt Liegl. Zuspruch fand ihr Wunsch nach einer "handfesten Ausbildung" auch bei ihrem Chef.

"Für mich ist der Pflegeberuf ein schöner Beruf", sagt sie. "Durch diese Arbeit lernt man aber auch für sich selbst etwas." Karin Liegl räumt aber ein, dass es keine leichte Ausbildung sei. "An diesem Ausbildungsberuf muss man Interesse haben, dann klappt´s auch." Wie es nach der Ausbildung weitergeht? "Mein Chef hat mich in meiner Motivation unterstützt, so dass ich im Anschluss der Pflegefachhelferausbildung die dreijährige Ausbildung zur Pflegefachfrau mache - natürlich im Berufsbildungszentrum."

Teilzeitausbildung möglich

Das BBZ bietet die Pflegeausbildung auch in Teilzeit an. So hätten auch Frauen mit Familie die Möglichkeit, sich ihren Berufswunsch zu erfüllen, sagt Schulleiterin Hannelore Doleschal. Zwei Frauen aus Kirchenthumbach sind Schülerinnen, die die Ausbildung in Teilzeit absolvieren.

Die 53-jährige Renate Retzer drückt im BBZ nochmal die Schulbank. "Mehrere Jahre habe ich die Mutter meines Mannes gepflegt." Als sie dann in ein Seniorenheim gekommen sei, hat Retzer in dieser Einrichtung auch das Arbeiten als Schwesternhelferin angefangen. "Nach zwölf Jahren ist mein Entschluss gereift, Fachkraft zu werden." Wegen ihrer Familie und der Lebensumstände sei eine Ausbildung in Vollzeit nicht möglich gewesen. Deshalb habe sie eine Schuleinrichtung gesucht, die diese Ausbildung auch in Teilzeit anbietet. Die dreijährige Ausbildung zur Altenpflegerin absolviert die gelernte Hotelfachfrau wegen Lehrzeitverkürzung in zwei Jahren. Nach dem Abschluss arbeitet Retzer in ihrer BRK-Einrichtung als Fachkraft. Weitere Ziele hat sie schon: "Ich möchte noch eine Ausbildung zur Gerontofachkraft absolvieren."

Eine Quereinsteigerin in die Altenpflegeausbildung ist auch Anna Marie Gebhard. Die verheiratete Mutter von zwei Kindern kam 2005 von Polen nach Deutschland. "Nach verschiedenen beruflichen Tätigkeiten entschied ich mich, zuerst Altenpflegehelferin zu werden", sagt Gebhard. Da sie die Ausbildung ebenfalls nur in Teilzeit absolvieren konnte, kam sie zum BBZ. Mit Erfolg schloss sie ihre Ausbildung zur Altenpflegehelferin ab und machte an der Schule gleich die weitere Ausbildung zur Altenpflegefachkraft, ebenso in Teilzeit. Nach dem Abschluss möchte Gebhard in der Pflege bleiben. "Ich bin fest entschlossen, Gerontofachkraft zu werden."

Auch der Beruf zum Heilerziehungspfleger ist am BBZ zu erlernen

Erbendorf
Service:

Das Berufsbildungszentrum Erbendorf

  • Das Berufsbildungszentrum (BBZ) Erbendorf befindet sich im ehemaligen Katholischen Schulhaus in der Bräugasse 29.
  • Das BBZ Erbendorf vereint unter seinem Dach die Berufsfachschulen für Altenpflege und Altenpflegehilfe sowie die Fachschule für Heilerziehung und Heilerziehungspflege.
  • Träger des Berufsbildungszentrums ist seit 2008 der Trägerverein Berufsbildungszentrum Erbendorf.
  • Kontakt: Telefon 09682/18240, E-Mail, info[at]bbz-erbendorf[dot]de, Homepage: www.bbz-erbendorf.de.

"Ich kam aus einer anderen Kultur und war mit den Sitten und Gebräuchen hierzulande nicht vertraut, doch mit der Unterstützung der Lehrer gelang es mir, mich zu integrieren."

Renei Isallari

 

 

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