25.09.2020 - 10:01 Uhr
ErbendorfOberpfalz

Fairer Meinungsaustausch über vermeintliche "Maiswüsten"

„Die grünen Maiswüsten und Getreidefelder geben den Insekten und Bienen keinerlei Nahrung ab.“ Das Pressezitat, mit dem der Erbendorfer Imkerchef Klaus Schmidt die Bauern aufschreckte, führt jetzt zur Diskussion in freier Natur.

Der sachliche Dialog fand zwischen den Feldern bei Ödwalpersreuth statt. Daran beteiligt waren (von links) Bernhard Adam, Stefan Adam, Ulrich Härtl, Alfons Stock, Ely Eibisch und Klaus Schmidt.
von Werner RoblProfil

Seit zehn Jahren führt Klaus Schmidt den Imkerverein Erbendorf. „Mir liegt die Natur sehr am Herzen. Sie gehört uns allen.“ Man müsse aber das Beste daraus machen, betonte er bei einem Treffen mit Bauernverband-Kreisobmann Ely Eibisch sowie den Eiglasdorfer Landwirten Stefan und Bernhard Adam. Dazu eingeladen waren auch der Land- und Teichwirt Alfons Stock aus Schönfeld bei Wiesau und der Kreisgeschäftsführer des Bauernverbandes, Ulrich Härtl. Anlass dafür war Schmidts Pressezitat, worin er die „Maiswüsten“ kritisch beäugte. Das könne man nicht so einfach stehen lassen, fanden der Bauernverband und Landwirt Stefan Adam. Sie luden Schmidt zu einem Meinungsaustausch ins Freie ein.

Mir liegt die Natur sehr am Herzen. Sie gehört uns allen.

Klaus Schmidt

Der vereinbarte Dialog, erst in Eiglasdorf, später an Adams Feldern bei Ödwalpersreuth, war sachlich und fair. „Wir sind sensibel geworden“, verteidigte Schmidt seine getroffene Aussage, mit der er die Bauern irritierte, aber laut seiner Aussage keinesfalls Kritik üben wollte. Blühflächen gebe es an vielen Orten. „Bei uns aber könnten es deutlich mehr sein“, verwies er auf die Region um Erbendorf. Sorgen mache er sich aber um die Bienenvölker. „Wir mussten bereits in Juni zufüttern. Hier stimmt was nicht“, beklagte sich Schmidt über die zunehmenden Probleme und die mangelnde Sortenvielfalt beim Honig-Ertrag. Mit ein Grund seien die Maiskulturen. Die Schaffung von Blühflächen wäre eine passable Lösung. „Vorschreiben kann und darf ich das aber nicht“, unterstrich Schmidt. Schließlich wisse auch er, dass die Landwirte gezwungen seien, Erträge zu erwirtschaften, um zu existieren.

Imker Klaus Schmidt freute sich über die Blühwiese an der B299

Erbendorf

„Dafür brauchen wir aber die Bereitschaft der Landwirte, blühende Flächen auch anzusäen“, machte der Kreisobmann des Bauernverbandes, Ely Eibisch, deutlich. Der Ansicht, Maisfelder würden überwiegen, widersprach er. Auf nicht einmal 25 Prozent der Ackerflächen im Landkreis werde Silomais angebaut. „Subjektiv trügt das Bild der vielen Maisanbaugebiete“, mahnte Eibisch, der für den Anbau auch eine Lanze brach. „Mais bindet Stickstoff und speichert viel Kohlendioxid." Zudem komme weniger Spritzmittel zum Einsatz als bei anderen Früchten, informierte er an anderer Stelle. „Der Mais blüht aber auch und trägt damit zum Nutzen der Imker bei. Unterschiedlich viele Früchte, die nebeneinander auf überschaubaren Flächen angebaut werden, sorgen für ein buntes Bild.“ Man brauche die Landwirte, betonte Eibisch. „Wir müssen nach Möglichkeiten suchen und die Bereitwilligkeit der Bauern, die eh schon viel leisten, auch in die Öffentlichkeit tragen“, empfahl er einen Abend mit beiden Parteien. Man stelle sich den Forderungen, hob Eibisch hervor. „Ich habe viel Verständnis für die Imker. Wir brauchen Nahrungsmittel, aber auch die erzeugte Energie.“

Wir müssen nach Möglichkeiten suchen und die Bereitwilligkeit der Bauern, die eh schon viel leisten, auch in die Öffentlichkeit tragen.

Ely Eibisch

Klaus Schmidt stimmte Eibischs Ausführungen in vielen Teilbereichen zu. Der Imker-Sprecher äußerte aber auch seine Meinung: „Der Mais bringt den Bienen nichts.“ Zudem verbrenne man Nahrungsmittel, um Energie zu gewinnen, während anderswo die Menschen hungern, bedauerte der Imker-Vorstand aus Erbendorf, ohne anklagen zu wollen. Die Pollen kämen relativ spät und seien minderwertig, fuhr er fort. „Das ist für die Bienen viel zu wenig“, äußerte sich Schmidt, der, wie er ausdrücklich betonte, den Landwirten keinesfalls aber ein „schlechtes Gewissen“ einreden möchte. „Auch ich weiß, dass wir auf die Bauern angewiesen sind.“

Landwirt Stefan Adam, der früher selber Bienenvölker hegte, empfahl einen ehrlichen Dialog, um kritiklos aufeinander zugehen zu können. Die Zusammenarbeit mit einem Premenreuther Imker, dem er seine Bienen in Obhut gegeben hat, bezeichnete Adam als sehr gut. „Daher kenne und verstehe ich auch die Probleme.“ Den gemeinsamen Austausch in Eiglasdorf und Ödwalpersreuth kommentierte Adam als „erfolgreich“. Das Pressezitat jedoch habe, so der Landwirt, „blankes Entsetzen“ ausgelöst. „Wir nehmen die Gespräche, auch auf Kreisebene, gerne an“, dankte Eibisch allen, die sich Zeit genommen hatten, um sich auszusprechen.

Info:

Hintergrund

Stefan Adam untermauerte seine Ausführungen auch mit Zahlen und weiteren Informationen, die er in Papierform vorbereitet hatte. „Die Landwirte schätzen blühende Zwischenfruchtbestände." Damit könne man bis zu 30 Kilogramm Honig pro Hektar ernten, informierte der Eiglasdorfer Landwirt. Nach seinen Worten spare man bei der regenerativen Energiegewinnung, auf den Landkreis bezogen, rund 35000 Tonnen Braunkohle. Laut Adams Zahlen arbeiten (Stand 2016) 46 Biogasanlagen, um auf den Landkreishöfen Energie zu gewinnen. Hoffnung hegte Kreisobmann Ely Eibisch, dass sich der Anbau von Kleesorten deutlich nach oben entwickelt. „Das kommt auch den Bienen beziehungsweise den Imkern zugute“, schob er nach.

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