09.06.2021 - 13:38 Uhr
ErbendorfOberpfalz

Gott suchen und den Menschen dienen: Bruder Michael aus Erbendorf empfängt die Priesterweihe

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Aus dem Erbendorfer Markus Bäumler ist im Oktober 2020 Bruder Michael geworden. Am Wochenende empfängt der Benediktinermönch die Priesterweihe. Er erzählt, wie er sich darauf vorbereitet.

Bruder Michael wird am Samstag in St. Ottilien zum Priester geweiht.
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Von Holger Popp

ONETZ: Vergangenes Jahr wurden Sie im Dezember zum Diakon geweiht. Nun erfolgt am Samstag ein weiterer Schritt: Sie werden zum Priester geweiht. Welche Vorbereitungen stehen noch an? Wie bereitet man sich innerlich darauf vor?

Bruder Michael: Die "äußeren" Vorbereitungen sind mittlerweile Gott sei Dank abgeschlossen, was coronabedingt eine gewisse Herausforderung darstellte, allerdings ist jetzt wie gesagt soweit alles geplant. Die innere Vorbereitung passierte natürlich nicht nur in den vergangenen Wochen, sondern schon längere Zeit, da ich mich ja bereits geraume Zeit auf diesen Weg gemacht habe. Vielfach passierte die innere Vorbereitung in Gesprächen mit Mitbrüdern, meinem geistlichen Begleiter, Freunden und Freundinnen sowie Wegbegleitern und Wegbegleiterinnen und vor allem in den sogenannten Weiheexerzitien, die ich von 30. Mai bis 5. Juni in der Abtei Königsmünster, Meschede hatte. Auch die Tage unmittelbar vor der Weihe, die ich noch in meinem Heimatkloster St. Ottilien verbringe, darf ich noch für die innere Vorbereitung nutzen. Vor allem auch das Gebet so vieler Menschen, die mich bis hierhin begleitet haben, glaube ich, haben mich innerlich vorbereitet.

ONETZ: Wann war Ihnen klar, dass Sie den Weg einschlagen wollen, Priester zu werden?

Bruder Michael: Ich glaube ich war noch relativ jung, als dieser Gedanke so in mir aufkeimte, durfte ich doch in der Kindheit und Jugend in der Pfarrei in einen guten Kontakt mit Glaube, Kirche und Religion kommen. Konkret allerdings wurde es dann, als ich nach dem Abitur ins Priesterseminar Regensburg eingetreten bin, und dann kam doch alles ein bisschen anders.

ONETZ: Welche Menschen haben Sie auf diesem Weg begleitet?

Bruder Michael: In erster Linie natürlich meine Familie. Dann meine Heimatpfarrer, Freunde, Studienkollegen und -kolleginnen sowie schließlich meine Mitbrüder in St. Ottilien.

ONETZ: Die eine Entscheidung für Ihr Leben war, Priester zu werden, die andere, in ein Kloster einzutreten: Wie haben Sie gemerkt, dass das Kloster in St. Ottilien genau Ihr Ort ist und so zu Ihrer geistigen Heimat werden konnte?

Bruder Michael: Die Entscheidung für ein Leben in einer geistlichen Gemeinschaft und in einem Orden kam zunächst daher, dass mich die Vorstellung, später einmal allein als Pfarrer in einem großen Pfarrhaus zu sitzen, immer mehr beunruhigt und immer weniger angesprochen hat. In Regensburg hatte ich einen Kommilitonen, der Benediktiner war und in vielen Gesprächen brachte er mich ein wenig auf die Spur. Ausschlaggebend dafür, dass St. Ottilien mein Heimatkloster werden sollte, war ein Ereignis, das ich in der Rückschau nicht selber machen konnte, es war mehr oder minder ein Zufall, dass mir ein Zimmernachbar eine CD in die Hand drückte mit dem Kommentar: "Hör dir das mal an, das könnte dir gefallen." Es war das gesungene Chorgebet der Mönche von St. Ottilien. "Angestachelt" von diesem gesungenen Gebet habe ich dann die Erzabtei besucht und dann noch einmal, hatte damals meine Exerzitien dort und einen Kloster-auf-Zeit-Kurs besucht. Und so bin ich dann quasi hängengeblieben.

ONETZ: Am Sonntag werden Sie nach Erbendorf kommen, um dann am darauffolgenden Wochenende Primiz zu feiern. Wie sieht die Woche in der Heimat aus? Auf was freuen Sie sich besonders?

Bruder Michael: Als kleiner Auftakt ist eine Vesper am Sonntagabend vorgesehen (13. Juni, Anm. d. Red.). Während der Woche werde ich vielleicht einige Freunde besuchen, natürlich viel Zeit mit meiner Familie verbringen und ansonsten bin ich (bisher) noch relativ unverplant, was sich aber wahrscheinlich schnell ändern wird. Ich freue mich vor allem auf die Begegnung mit den vielen Erbendorfern und Erbendorferinnen, die mich seit Jahren begleiten und mit dem einen oder anderen "Wann ist es denn endlich soweit?" auch stets motiviert haben, weiterzumachen. Ich freue mich, dass ich in meiner alten Heimat mit den Menschen meinen, unseren Glauben feiern darf und so zu erleben, dass wir miteinander unterwegs sind.

ONETZ: Haben Sie auch einen Primizspruch? Wie lautet er und was bedeutet er für Sie?

Bruder Michael: Mein Primizspruch ist dem Eigenrecht der Missionsbenediktiner von St. Ottilien entnommen. Im Eigenrecht regelt unsere Kongregation (oder Klosterfamilie) zum einen die Struktur(en), die allen missionsbenediktinischen Klöstern zu eigen sind. Zum andern ist diesen Konstitutionen (anderes Wort für Eigenrecht) eine theoretische und theologische Grundlegung unserer Tätigkeit, Aufgaben und Selbstverständnis als Mönche und Missionare vorangestellt, die sog. Präambel. Aus ihr habe ich auch meinen Primizspruch: Gott suchen und den Menschen dienen.

Gott zu suchen ist die erste und schönste Aufgabe, die ein Mönch und Benediktiner hat, und es ist sehr tröstlich, dass er dafür sein ganzes Leben lang Zeit hat. Den Menschen zu dienen ist für uns als Missionare und geistliche Gemeinschaft auch Aufgabe und gewissermaßen Pflicht. Sei es in Form von Gastfreundschaft, die wir jedem und jeder gewähren. Sei es in den vielen Menschen, die ins Kloster kommen und um geistlichen Beistand bitten oder sich unserem Gebet anvertrauen. Letztlich für mich auch Ansporn dann als Priester und Seelsorger.

Im Interview erzählt der Erbendorfer, wie aus ihm der Benediktiner Bruder Michael wurde

Erbendorf

ONETZ: Als Diakon waren Sie auch in der Pfarrei Mering eingesetzt. Wie ist es nun nach der Priesterweihe: Werden Sie auch eine Stelle als Kaplan in einer Pfarrei antreten? Wissen Sie schon wo?

Bruder Michael: Ich nehme am Pastoralkurs des Pastoraltheologischen Instituts der Pallottiner in Friedberg teil. Die Ausbildungsordnung dort sieht vor, dass man 14 Monate in einer Pfarrei verbringt als Pastoralpraktikant. Diese Zeit umfasst sowohl die Zeit als Diakon, aber auch nach der Priesterweihe. So bin ich quasi nach der Priesterweihe noch ein halbes Jahr dort als Kaplan tätig.

ONETZ: Welche wertvollen Momente konnten Sie als Diakon in der Pfarrei erleben?

Bruder Michael: Ich glaube, die einschneidenden Momente sind immer dann, wenn man etwas das erste Mal tun darf: die erste Taufe, die erste Hochzeit, vielleicht auch die erste Beerdigung. Aber grundsätzlich Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Menschen zu teilen, da zu sein, zuhören zu dürfen und so das Leben in all seinen Facetten teilen zu dürfen, ist für mich etwas wirklich sehr Wertvolles. Und gleichzeitig zu wissen, dass ich selber getragen bin von diesem geheimnisvollen Gott und von meiner Gemeinschaft. Ich versuche, an den freien Tagen in mein Kloster zu fahren und dann von dem einen oder anderen Mitbruder zu hören: Schön, dass du mal wieder hier bist; auch das tut gut und ist sehr wertvoll für mich.

ONETZ: Blicken wir mal in die Zukunft: Wo sehen Sie sich in zehn Jahren innerhalb von St. Ottilien? Gäbe es eine Aufgabe, die Ihnen entsprechen würde?

Bruder Michael: Diese Frage ist nicht leicht zu beantworten. Gott allein weiß, was in zehn Jahren sein wird. Ich hoffe, dass ich bis dahin sowohl die innere Freiheit aber auch die Fähigkeit haben werde, zu dem, was mir aufgetragen wird, Ja sagen zu können oder dort hinzugehen, wo ich gebraucht werde. In viele Aufgaben muss man vielleicht auch erst hineinwachsen und hineinwachsen dürfen, das ist im Kloster nicht anders. Ich weiß zumindest einige Aufgaben, bei denen mich mein Gehorsamsversprechen sehr stark auf die Probe stellen würde, aber daran will ich lieber gar nicht denken.

Bericht zur Diakonweihe

Erbendorf
Info:

Bruder Michaels Stationen nach dem Abitur

  • 2008 Eintritt ins Priesterseminar Regensburg
  • 2009 bis 2011 Studium der katholischen Theologie in Regensburg
  • 2011 bis 2016 Studium der katholischen Theologie in Salzburg
  • 2016 Eintritt in die Erzabtei und Gemeinschaft der Missionsbenediktiner von St. Ottilien
  • 2017 Nach dem Noviziat Ablegung der zeitlichen Gelübde
  • 2017 bis 2019 Beendigung des Studiums in Salzburg
  • 2020 Feierliche Profess (Oktober) und Diakonenweihe (Dezember)
  • Seit November 2020 Pastoralpraktikant und Diakon in der Pfarrei St. Michael, Mering (b. Augsburg)

Der Gottesdienst zur Priesterweihe wird live im Internet übertragen: https://erzabtei.de/live

Info:

Info

Die Pfarrei wird am Sonntag zum Empfang des Neupriesters am Abend eine Vesper organisieren. Während der Woche wird Bruder Michael mit Pfarrer Martin Besold und Gemeindereferentin Roswitha Heining in der Pfarrei unterwegs sein. Dazu gehört auch ein Besuch von Kranken im Rahmen der Krankenkommunion. Ebenso wird er Seniorinnen und Senioren treffen. Am 19. und 20. Juni wird dann in den Gottesdiensten die Primiz gefeiert.

"Ich glaube, die einschneidenden Momente sind immer dann, wenn man etwas das erste mal tun darf: die erste Taufe, die erste Hochzeit, vielleicht auch die erste Beerdigung."

Bruder Michael

"Ich freue mich vor allem auf die Begegnung mit den vielen Erbendorfern und Erbendorferinnen, die mich seit Jahren begleiten und mit dem einen oder anderen 'Wann ist es denn endlich soweit?' auch stets motiviert haben, weiterzumachen. Ich freue mich, dass ich in meiner alten Heimat mit den Menschen meinen, unseren Glauben feiern darf und so zu erleben, dass wir miteinander unterwegs sind."

Bruder Michael

"Die innere Vorbereitung passierte natürlich nicht nur in den vergangenen Wochen, sondern schon längere Zeit, da ich mich ja bereits geraume Zeit auf diesen Weg gemacht habe."

Bruder Michael

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