30.09.2020 - 15:10 Uhr
ErbendorfOberpfalz

Imker aus Erbendorf schlagen Alarm: Honigernte fällt aus

Bereits seit Juni werden die Bienenvölker gefüttert, um nicht zu verhungern. Die Bienen finden nichts zu fressen und produzieren keine Köstlichkeiten. „So was hat es bisher noch nicht gegeben“, sagt Imkervorsitzender Klaus Schmidt.

Fast schon exotisch: Auf dieser Blühwiese versorgt Imker Rudi Gürtler seine Bienenvölker. Die emsigen Insekten finden allerdings immer weniger Nahrung.
von Jochen NeumannProfil

Beim Monatstreff des Imkervereins läuteten die Alarmglocken. Nicht wegen Corona - mehr wegen der Bienen. "Es gab in diesem Jahr keine Sommertracht", bestätigte Imkervereins-Vorsitzender Klaus Schmidt. "Die Honigernte von Sommerblüten- und Waldhonig fiel in der Region Erbendorf und Umgebung schlichtweg aus." Außer Raps- und Löwenzahnhonig konnten die Imker heuer nichts vorweisen.

Fütterung seit Juni

"Noch schlimmer wiegt die Tatsache, dass unsere Bienenvölker in der Haupttracht- und Honigerntezeit bereits mit Beginn des Juni gefüttert werden mussten, um nicht zu verhungern", so Schmidt weiter. Selbst langjährige Imker bestätigten die Aussage des Vorsitzenden, dass so etwas bisher vorgekommen sei. Die Imker gingen auf die Suche nach den Gründen, die schnell gefunden wurden: Klimawandel, Trockenheit, fehlende Artenvielfalt und vor allem fehlendes Nektar- und Pollenangebot. "Es ist jetzt fünf vor zwölf, um sich umgehend um eine Verbesserung der Nahrungsgrundlagen für unsere Bienen zu kümmern", betonte Vorsitzender Schmidt. Denn schließlich könnten Bienenvölker ebenso wie Autos nur Leistung bringen, wenn der Motor laufe und genug Sprit zur Verfügung stehe.

Bienenfachmann Schmid zeigte die Ernährung eines Bienenvolkes anhand von Zahlen. "Jedes einzelne Bienenvolk benötigt jährlich 70 Kilo Honig, der aus 210 Kilo Nektar entsteht, der erst mal zur Verfügung stehen und dann auch noch eingetragen werden muss." Zusätzlich seien 50 Kilo Pollen pro Jahr für den Eigenbedarf als Futter für die Bienenbrut notwendig. "Dafür reicht der Platz in der engen Bienenbehausung aber gar nicht aus." Deshalb müsse der Nahrungseintrag kontinuierlich erfolgen, zumindest von April bis August. In dieser Zeit würden die meisten Bienen aufgezogen, und nur wenn ausreichend Nahrung zur Verfügung stehe, pflegten die Bienen ihren Nachwuchs eifrig. "Nur dann werden viele Jungbienen aufgezogen und nur dann wird das Volk wachsen." Dies sei die Voraussetzung dafür, dass dann die vielen Arbeiterinnen große Honigvorräte anlegen können, von denen der Imker einen Teil ernten kann. "Und nur dann wird das Bienenvolk mit vielen jungen Bienen und ausreichend Nahrungsvorrat den nächsten Winter gut überstehen", so Schmidt.

Die Vielfalt macht's

Bienenrettung ist Ehrensache

Erbendorf

"Der Nektareintrag aus der Rapsblüte im April und Mai 2020 war durchschnittlich", bestätigte der Fachmann. "Doch Raps allein reicht nicht aus, die Vielfalt macht's." Im Frühjahr blühte es zwar reichlich, das Angebot fehlte aber dann in der warmen Jahreszeit. "Gerade im Hoch- und Spätsommer bedürfen die Honigbienen eines reichen Nahrungsangebotes", wusste Schmidt. "Denn ab August werden die späteren Winterbienen aufgezogen, die das Überleben des Bienenvolkes während der kalten Jahreszeit sichern." Würden die Winterbienen in ihrer Jugendzeit mangelhaft ernährt, fehle ihnen die Kraft, bis zum Frühjahr durchzuhalten. Das Bienenvolk gehe vorzeitig ein und trage zum berüchtigten Bienensterben bei.

"Wichtig ist daher ein Angebot von vornehmlich einheimischen Pflanzenarten." Von diesen profitierten nicht nur die Bienen. Vögel und Kleinsäuger kämen dadurch zu Nistmöglichkeiten und reichhaltiger Nahrung für den Winter. "Vom vielfältigen Bienenweideangebot profitieren nicht nur Honig-, sondern auch alle Wildbienen und Hummeln", so Schmidt. Die aktuelle Situation gelte es zu nutzen, um nicht nur den eigenen Garten aufzuwerten, sondern auch Nachbarn, Freunde und Kollegen zu einem Umdenken zu motivieren.

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