06.03.2020 - 12:17 Uhr
ErbendorfOberpfalz

„Landfrauentag, das ist unser Tag“

Der Landfrauenchor feiert 40-jähriges Bestehen. Da darf eine Ehrung der Chormitglieder nicht fehlen. "Vier Damen" gratulieren zum Jubiläum mit einer Geburtstagstorte.

von Josef RosnerProfil

Es wurde wieder einer dieser fulminanten Nachmittage, mit der die Landfrauen sich selbst feiern. Einmal im Jahr lassen sie es sich bei guter Gesellschaft gut gehen, bei Kaffee und Kuchen, Musik und guter Unterhaltung. Kreisbäuerin Irmgard Zintl freute sich über 300 Landfrauen aus dem ganzen Landkreis und betonte: "Landfrauentag ist unser Tag."

Im Mittelpunkt stand der Landfrauenchor, der seinen 40. Geburtstag feierte. Ganz besondere Glückwünsche überbrachten Ottilie (Roland Grillmeier), Liliane (Toni Dutz), Marie (Johannes Reger) und Mathilde (Ely Eibisch): Sie übergaben als Geschenk der Landkreis-Landfrauen eine Geburtstagstorte, gebacken von Elisabeth und Stefanie Härtl. Gespielt wurde dazu der Udo-Jürgens-Hit "Aber bitte mit Sahne". Alois Fischer (Akkordeon) und Vladi Klier (Klavier) begleiteten den Landfrauenchor musikalisch .

Viel Mühe für Vorbereitung

Kreisbäuerin Irmgard Zintl erklärte, warum der Landfrauentag wie geplant stattfindet. "Wir wollen keine Panik wegen des Coronavirus. Wir haben uns so viel Mühe in der Vorbereitung gemacht, da sagten wir, wir halten ihn einfach" und erntete dafür Beifall der Landfrauen. Unter den Gästen waren auch Landrat Wolfgang Lippert, Landtagsabgeordneter Tobias Reiß, Kreisobmann Ely Eibisch, Erbendorfs Zweiter Bürgermeister Johannes Reger, IKOM-Stiftland-Vorsitzender Roland Grillmeier sowie Bezirksbäuerin Rita Blüml. Bernhard Zintl (Landwirtschaftliche Berufsgenossenschaft) wurde nach 40 Jahren Begleitung des Landfrauentags in den Ruhestand verabschiedet. Irmgard Zintl dankte ihm für die Treue zu den Landfrauen mit einem regionalen Wurstkorb. "Die Region ist unsere Heimat und Lebensmittelpunkt. Landfrauen gestalten das Leben unserer Heimat mit. Lassen wir in dieser Arbeit nicht nach."

Es folgte der Block mit dem Landfrauenchor, der vor genau 40 Jahren am 5. März 1980 seinen ersten öffentlichen Auftritt beim Landfrauentag hatte. Dabei waren damals 21 Sängerinnen. Kurzfristig sprang Elfriede Schultes als Chorleiterin ein, da Leiterin Sieglinde Kusche-Konrad ausfiel. Schultes leitete den Landfrauenchor von 1980 bis 2000. Sie berichtete ausführlich in Wort und Bild über die vergangenen vier Jahrzehnte.

Mit dem Lied "Blumen blühn in meinem Garten" wurde der festliche Teil eröffnet. Die Erhaltung des bäuerlichen Liedguts war damals der Antrieb für die Gründung des Chores, dessen Initiative von der ehemaligen Kreisbäuerin Monika Ernstberger ausgegangen war. "Ich bekam einen Anruf von Frau Ernstberger: 'Wir wollen einen Landfrauenchor gründen und du sollst ihn leiten.' 'Oh Gott', hab ich gedacht, 'das kann ich gar nicht.' Und so wurde der Chor gegründet", erinnerte sich Elfriede Schultes.

Erstes Treffen in Mähring

Das erste Treffen war im Februar 1979 in Mähring. Es folgten regelmäßige Auftritte bei kirchlichen und festlichen Anlässen. 1984 gab es sogar eine Rundfunkaufnahme, später folgten Auftritte auf der "Grünen Woche" in Berlin, im Freilandmuseum Perschen sowie bei Chöre-Treffen. Ein Höhepunkt war 1998 der Auftritt im Berliner Olympiastadion zum 100. Geburtstag des Deutschen Landfrauenverbands. Stargast war damals Anna-Maria Kaufmann.

2001 übernahm Sonja Gradl die Chorleitung, 2005 Friedrich Söllner und 2016 Sieglinde Kusche-Konrad. 2015 sang der Chor im Regensburger Dom zum 70-jährigen Bestehen des Bauernverbands. Dass die Frauen im Chorraum des Doms singen durften, dazu bedurfte es einer Sondergenehmigung. Die Chronik umrahmten die Landfrauen mit Liedern, so auch mit "Hinter der Stodltür" und "In meiner Heimat".

Es folgte eine Trachtenmodenschau des Dirndlnähkurses. Sechs Landfrauen präsentierten ihre individuell gestalteten Dirndl. Mit den Grußworten der Ehrengäste und dem gemeinsam gesungenen Lied "Im Frühtau zu Berge" endete der Landfrauentag.

Info:

Ehrungen

Verdiente Sängerinnen des Landfrauenchores wurden mit Urkunde, Blumen und einem Notenschlüssel geehrt. Seit der Gründung aktiv dabei sind Heidi Gradl, Elisabeth Härtl und Hildegard Kraus. 25 Jahre aktiv dabei ist Helga Scharnagl. 20 Jahre im Chor singen Frieda Gradl, Maria Wolfrum, Maria Böckl und Lucia Schneider. Geehrt wurden weiter die Chorleiter Elfriede Schultes, Sonja Gradl, Friedrich Söllner und Sieglinde Kusche-Konrad. Letztere wurde gleichzeitig als Chorleiterin verabschiedet, sie hört aus beruflichen Gründen als Chorleiterin auf. Gedankt und geehrt wurden auch die Initiatorinnen von vor 40 Jahren, Monika Ernstberger, Martha Richtmann und Elfriede Schultes.

Weitere Gründungsmitglieder waren Gabi Schneider, Elisabeth Kolb, Sieglinde Härtl, Helga Köstler, Anneliese Kraus, Renate Weiß, Waltraud Mayerhöfer, Annemarie Müller, Barbara Kaiser, Berta Franz, Maria Weig, Maria Zrenner, Christine Männer und Inge Kraus.

Stellvertretende Landesbäuerin Christine Singer gratulierte zum Geburtstag mit einer Ehrenurkunde und dankte für den Einsatz eines beeindruckenden Liedguts.

Info:

"Als Landwirtin privilegiert"

Nach der Pause sprach stellvertretende Landesbäuerin Christine Singer zum Thema „Region gestalten – Bäuerinnen in Bayern und Kenia“. Sie betonte, dass sie sich als Landwirtin privilegiert findet. In ihrer Heimat in Murnau/Garmisch bewirtschaftet sie mit ihrer Familie einen Grünlandbetrieb mit 50 Milchkühen. Sie zeigte auf, was Bayern ausmacht: „Es sind die Landfrauen, die Chöre, die unsere Gemeinschaft auszeichnen.“

Weiter sagte sie: „Wer die Region gestalten will, muss die Gemeinschaft pflegen. Jeder Menschenschlag in einer Region ist etwas Besonderes, wir müssen versuchen, unsere Identität zu erhalten. Freilich, ohne Ehrenamt wird dies alles nicht möglich sein. Es ist unsere Heimat, packen wir gemeinsam an, in unserem Dorf, überall wo wir leben. Bauer sein bedeutet Leben.“ Gerade die Landfrauen seien es, die sich einbringen, sie bewiesen damit ihre Alltagskompetenz.

In diesem Zusammenhang begrüßte Singer, dass an den bayerischen Schulen künftig Alltagskompetenz gelehrt und damit eine langjährige Forderung der Landfrauen erfüllt wird.

Bayernweit ist künftig an über 10 000 Klassen jeweils eine Projektwoche im Unterricht vorgesehen. „Öffnen wir unsere Bauernhöfe für die Schulkinder, lassen wie sie in unsere Stallungen“, appellierte Singer. Abschließend forderte sie zur Wertschätzung für die landwirtschaftliche Arbeit auf. Geradezu leidenschaftlich ergriff sie Position für die Landfrauen und die Landwirtschaft.

Zum Schluss gab sie Einblicke in die Arbeit der Landfrauen in Kenia, mit der die bayerischen Landfrauen seit 2017 eine Kooperation haben.

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