Erbendorf
18.11.2018 - 10:07 Uhr

Eine Lehre ziehen

„Wir sind aufgerufen, mit unserer Sprache dagegenzuhalten gegen jede Form von Fremdenfeindlichkeit und Rassismus.“ Das stellte Pfarrer Martin Besold bei der Gedenkfeier zum Volkstrauertag am Kriegerdenkmal fest.

Am Kriegerdenkmal am Unteren Markt legt Bürgermeister Hans Donko mit dem Vorsitzenden der Soldaten- und Reservistenkameradschaft, Thomas Härtl, einen Kranz nieder. Bild: njn
Am Kriegerdenkmal am Unteren Markt legt Bürgermeister Hans Donko mit dem Vorsitzenden der Soldaten- und Reservistenkameradschaft, Thomas Härtl, einen Kranz nieder.

Schüler der Grund- und Mittelschule riefen in einem Prolog dazu auf, Gewalt zu verhindern sowie Hass und Vorurteile zu überwinden: "Wir leben in der der Hoffnung auf Versöhnung der Völker und Frieden in der Welt." In seiner Ansprache ging Pfarrer Martin Besold auf das Ende des Ersten Weltkriegs vor genau 100 Jahren ein. "21 Jahre später befand sich Europa schon wieder im Krieg - ein Krieg, der die verheerenden Ausmaße des zweiten Weltkrieges noch weit in den Schatten stellte."

Warum Menschen Krieg führten, dafür gebe es viele Gründe. "Aber ich möchte nur ein paar allgemeine Überlegungen dazu nennen, die im Menschen, in unserem Wesen, grundgelegt sind." Der Ausbruch von Streitigkeiten und Krieg habe mit der Gewinnung von Macht zu tun oder auch mit dem Gefühl, benachteiligt oder ausgegrenzt zu sein. Die Ängste der Menschen würden instrumentalisiert und von Kriegstreibern geschürt. Dazu kämen Feindbilder, die aufgebaut werden. "Die oder jene sind schuld an der Situation", meinte Besold. Nationen, Religionen, Bevölkerungsgruppen oder ethnische Minderheiten werden so pauschal beschuldigt. "Ohne solch eine Atmosphäre von Angst, dem Gefühl der Benachteiligung und von Hetze gegen Andere würde kein Krieg entstehen."

"Die beiden großen Weltkriege müssen uns eine Lehre bleiben", stellte Besold fest. "Eine Lehre, aufzupassen auf die Atmosphäre unserer Gesellschaft, auf die Sprache, mit der an Stammtischen und auch in den sozialen Medien über Menschen gesprochen wird." Aber auch die Angst, die instrumentalisiert werde. "Das können wir nicht abtun als Gerede und das dürfen wir nicht unterschätzen."Diesen Anfängen gelte es zu wehren. Bis zu einem gewissen Punkt dürfe sich in einer Demokratie jemand zum Beispiel fremdenfeindlich äußern. "Das müssen wir tolerieren, aber wir brauchen es nicht zu akzeptieren." Jeder sei aufgerufen, gegen jede Form von Fremdenfeindlichkeit und Rassismus einzutreten. Es dürfen dumpfe Parolen und Halbwahrheiten Weniger dürften nicht die Oberhand gewinnen. "Das möge unsere Lehre aus den vergangenen Weltkriegen sein."

Nach den Musikstücken, unter anderen durch den Gesang- und Musikverein unter der Leitung von Elisabeth Liedl, legte Bürgermeister Hans Donko mit Thomas Härtl, Vorsitzender der Soldaten- und Reservistenkameradschaft, einen Kranz nieder. Abschließend dankte der Bürgermeister allen, die zur würdigen Gestaltung beigetragen haben.

Zuvor hatte der Geistliche in der Pfarrkirche Mariä-Himmelfahrt, den Pfarrer Martin Besold einen Gottesdienst zelebriert. Im Anschluss waren die Vereine und Verbände mit den Fahnenabordnungen sowie dem Stadtrat, angeführt vom Spielmannszug der Feuerwehr und der Stadtkapelle zum Kriegerdenkmal gezogen.

 
Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:
Zum Fortsetzen bitte

Sie sind bereits eingeloggt.

Um diesen Artikel lesen zu können, benötigen Sie ein OnetzPlus- oder E-Paper-Abo.