15.11.2018 - 11:09 Uhr
ErbendorfOberpfalz

Männer mit Geduld und Erfahrung

Fachleute halten die Brennerei Schraml für die älteste in Deutschland. Der Betrieb wurde 1817 von Johann Baptist Schraml gegründet. Das Reiterregiment in Amberg gehört zu seiner ersten Kundschaft.

Golden rinnt der 20 Jahre alte Apfelbrand aus der Flasche.
von Autor LSTProfil

Es riecht nach Weihnachten, nach frischem Glühwein, nach Punsch. Fehlen nur noch die Lebkuchen. Nein, wir besuchen keinen Weihnachtsmarkt! Vorsichtig steckt Gregor Schraml die Düse am Ende eines Schlauches in einen weißen Plastik-Kanister. Langsam sprudelt die dunkelrote, wohlduftende und schmackhafte Flüssigkeit hinein. "Das Weihnachtsgeschäft brummt", sagt der Inhaber der Erbendorfer Schnapsbrennerei Schraml.

Über 2500 Kanister füllen er und sein Bruder Martin als Geschäftsführer ab, verschicken diese an Weihnachtsmärkte in ganz Deutschland. Der Punsch und der Glühwein - zwei saisonale Produkte, mit denen Gregor und Martin Schraml im Winter beschäftigt sind. Aber nicht nur damit: An einem langen Metalltisch werden gleichzeitig die Etiketten für den "Oberpfälzer Zoigl-Brand" sorgfältig aufgeklebt. Alles in Handarbeit, echtes altes Handwerk. So, wie es schon seit fast 200 Jahren getan wird.

Brennrecht seit 1818

Denn seit 1818 besitzt die Familie Schraml das Brennrecht. "Wir haben dieses Recht bereits in sechster Generation, in der wir edle Brände aus Obst und Korn sowie feine Liköre produzieren", erläutert Gregor Schraml. Eine gewachsene Tradition also, die lückenlos mit Urkunden belegbar ist. Fachleute halten daher die Brennerei Schraml für die älteste in Deutschland. Gesichert ist: Der Betrieb wurde 1817 von Johann Baptist Schraml gegründet.

Der Urahn, ein Bäcker, war einer der wenigen bayerischen Soldaten, die aus Napoleons Russlandfeldzug zurückkehrten. 1818 bekam er dann vom Königreich Bayern das Brennrecht für "mehlige und nicht mehlige Brände" verliehen. Einer der ersten Kunden des Kavalleristen Schraml war das Reiterregiment in Amberg, das er mit Kornbrand belieferte. Mit einem Vorläufer des bekannten Grain Whiskys schottischer Art, der nachweislich seit über 100 Jahren nach dem gleichen Verfahren hergestellt wird.

Wer Hochprozentiges produziert, hat seit jeher mit strengen Auflagen zu rechnen. Auch heute noch werden die Brennereien regelmäßig vom Zoll kontrolliert, die Anlagen verplombt, so dass pro Jahr nur eine bestimmte Menge produziert werden kann und darf. Etwa nur rund 20 000 Kleinbetriebe und Bauernhöfe haben in Deutschland diese begehrte Erlaubnis.

Liebe und Know-how

Gregor Schraml, studierter Lebensmitteltechniker, ist heute für die neuen Schnaps-Kreationen zuständig und kümmert sich um den Einkauf des Obstes, am besten natürlich aus der Region - der erste, ganz wichtige Schritt zur Herstellung qualitativ hochwertiger Produkte. "Wir sind uns unserer Verantwortung bewusst. Wir wissen, welche Produkte in welcher Qualität von uns als Traditionsunternehmen erwartet werden", so die beiden unisono. "Daher stecken wir - im Gegensatz zu vielen anonymen Supermarktlieferanten - lieber auch mal einen Euro mehr in die Produktion und Entwicklung", erklären sie ihre Philosophie. Die Kunden, die mittlerweile auch aus Italien oder den USA kommen, wüssten das auch zu honorieren. Schramls Erfolgsgeheimnis heute: viel Liebe und Herzblut in Kombination mit fast 200 Jahren Know-how in der Schnaps-Produktion.

Genussreife abpassen

Beim Brennen kommt es nämlich besonders auf das Fingerspitzengefühl und die Geduld der Destillateure an. Die Handwerkskunst des Destillierens beginnt schon beim genauen Abpassen der Genussreife. Nach dem Einmaischen des vollreifen Obstes setzt sich der Fruchtzucker der geschmackvollen Früchte frei und der Prozess der alkoholischen Gärung setzt ein. Die Destillateure wissen genau, wann es soweit ist.

Alkohol und Aromastoffe werden nun von den festen Bestandteilen der Maische getrennt - aus dem Brenngut wird der sogenannte Rohbrand gewonnen. Danach folgt ein zweiter Brennvorgang, aus dem Vor-, Mittel- und Nachlauf entstehen. Bis heute gibt es keine technische Lösung, keine Computerberechnungen, die eine zuverlässige Unterscheidung der Brennphasen garantieren könnten. Wie seit Jahrhunderten in der Schraml-Tradition verankert, muss man sich allein auf die feine Nase und die jahrelange Erfahrung eines Menschen verlassen.

Wobei Anfang des 20. Jahrhunderts in Erbendorf eine weitere wegweisende Entscheidung getroffen wird. Die Familienbrennerei schafft sich neben Eschenholzfässern erstmalig auch Eichenfässer an, in denen noch heute im Keller bei gleichbleibender Temperatur und konstanter Luftfeuchtigkeit die edlen Tropfen zum Teil bis zu 20 Jahre heranreifen. Diese Entscheidung hatte zur Folge, dass auch der Grain Whisky namens "Stonewood" unter den Kennern zu den besten und aromatischsten überhaupt gehört.

Vielfach ausgezeichnet

Mit weitreichendem Erfolg: 2008 haben sechs Edelbrände der Schramls, darunter der "Stonewood-Whisky", der Schlehen- und der Rosenmarillen-Brand oder der goldene Apfelbrand, bei der "Weltmeisterschaft der Schnaps-Brenner", dem "World Spirits Award", im österreichischen Klagenfurt je drei Mal Gold und drei Mal Silber geholt. Ein Jahr später stand die gleiche Ausbeute zu Buche, wobei der allseits bekannte und beliebte "Wurzelstolperer" zu den Gewinnern zählte. 2010 gingen Martin und Gregor Schraml mit vier Produkten an den Start, es gab vier Mal Edelmetall.

Ein Ende ist sicherlich noch nicht in Sicht: Denn ebenfalls 2010 wurde der "Stonewood" erstmals in Jim Murrays "Whisky-Bible" mit 91 von 100 möglichen Punkten zu den besten 3500 Whiskys der Welt gekürt. Das Urteil: "High Quality Stuff". Der nächste Erfolg: Der Wacholder-Schnaps wurde bei einer internen Verköstigung der Juroren in London auf den zweiten Platz der Gin-Sorten gewählt und folgerichtig wurde er 2012 mit der Goldmedaille bei den "World Spirit Awards" prämiert. Gin, der genauso schmackhaft ist wie der Glühwein oder Punsch, nach dem die "Alte Propstei" derzeit noch lecker riecht.

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