26.12.2019 - 11:34 Uhr
ErbendorfOberpfalz

Paradiesspiel und rote Äpfel

Vom roten Paradiesapfel zum heutigen Christbaum: In der feierlichen Christmette in Erbendorf zeigte Pfarrer Martin Besold die Geschichte des Weihnachtsfestes auf. „Wir feiern heute den Beginn einer neuen Zeit“, stellte er fest.

Pfarrer Martin Besold feierte mit den Gläubigen in der Mariä-Himmelfahrts-Kirche die Christmette.
von Jochen NeumannProfil

In der Mariä-Himmelfahrts-Kirche feierte die katholische Pfarrei das Hochfest der Geburt Christi. Bereits vor dem Gottesdienst waren die Gläubigen zur Vormette eingeladen. Das Kirchenorchester und der -chor stimmten musikalisch auf das Weihnachtsfest ein. Dazwischen war vor dem Volksaltar durch Pfarrer Martin Besold die Krippenlegung.

Mit dem großen Einzug des liturgischen Dienstes und des Pfarrers Martin Besold begann dann die eigentliche Feier der Christmette. "Es ist eine Winternacht, eine der längsten Nächte des Jahres", sagte Besold. "In dieser Nacht feiern wir den Beginn einer neuen Zeit und wir öffnen uns für das Geschenk der Heiligen Nacht: die Geburt Jesu Christi."

Weg oft versperrt

In seiner Predigt ging Pfarrer Besold darauf ein, warum die Christen Jesu Geburt feiern. Dabei stellte er fest, dass Jesus Christus die Schlüsselfigur der Weltgeschichte sei: "Deshalb zählen wir ja die Jahre nach seiner Geburt - fast überall auf der Welt."

Und weiter: "Wenn wir ein paar Jahrhunderte früher gelebt hätten, wäre uns das heute an Weihnachten sinnfällig vor Augen gestellt worden", erklärte der Geistliche. "Denn damals gab es das sogenannte Paradiesspiel." Wie er ausführte, stand vor der Kirche ein Baum, an dem rote Äpfel als Sinnbild des "Baums des Lebens" hingen, in einem kleinen Theaterstück wurde die Geschichte vom Sündenfall nachgespielt.

Viele Zwänge im Leben

"Die Geschichte vom verschlossenen Paradies stand am Anfang der Christmette", wusste der Pfarrer. "Wenn das Paradies ein Bild ist für unsere Sehnsucht nach einer heilen Welt, ein Bild für unseren Traum von einem Leben in Freude und Frieden, dann macht uns ein solches Spiel aufmerksam", sagte er. "Denn der Weg in dieses Paradies ist mir oft versperrt."

Als Gründe nannte Besold die vielen Zwänge im Leben, Ängste und Sorgen, Unzufriedenheit, Neid und Streit im Kleinen sowie Krieg und Hass unter den Völkern. "Das alles könnte uns durch den Kopf gehen, wenn wir draußen in der Kälte ein mittelalterliches Paradiesspiel miterleben würden."

Besold meinte weiter: "Wenn wir damals, vor ein paar Jahrhunderten gelebt hätten, wären wir heute an Weihnachten in der Kirche aber auch Zeugen eines gewaltigen Stimmungswandels geworden." Denn die Portale der Kirchen wurden geöffnet, nach dem Paradiesspiel schloss sich in der Kirche ein Krippenspiel an: das Spiel von der Geburt Jesu Christi.

"Ganz sinnfällig ist es dann klar geworden: Jesus Christus ist der Schlüssel zum Leben, zu einem erfüllten Menschsein, zu Gott." Heute seien die Paradiesspiele aus dem kirchlichen Leben verschwunden. "Das wichtigste Requisit dieser Spiele ist aber geblieben", wusste Pfarrer Besold. "Aus dem Baum des Lebens mit den roten Äpfeln wurde unser Christbaum mit den traditionell roten Glaskugeln."

Zum Abschluss berichtete Besold noch von einer Legende, die von der Paradiesgeschichte geblieben ist: Es wird berichtet, dass Adam kurz vor seinem Tod im Traum noch einmal das Paradies sehen durfte. Da sei ihm aufgefallen, dass der Baum des Lebens, der ihm und seiner Eva zum Verhängnis geworden war, jetzt ganz verdorrt war. Aber auf den kahlen und dürren Zweigen des Baumes habe er ein neugeborenes Kind liegen sehen.

Tür zum Frieden

"Das Kind in der abgestorbenen Wurzel wie hier in unserer Kirche oder das Kind in der Krippe zu Hause - das ist unser Schlüssel, die Hoffnung: der Mensch, der uns Zugang verschafft zur neuen Welt Gottes", erklärte Besold. "Darum feiern wir Weihnachten, weil uns dieses Jesus-Kind die Tür zum Frieden, zur Freude, zum Leben in Gottes Gegenwart aufschließt."

Der Kirchenchor und das Orchester unter Leitung von Stefanie Rüger umrahmte die Mette mit der Pastoralmesse in C von Ignaz Reimann. Nicht fehlen durfte das "Transeamus" von Josef Ignaz Schnabel. In der Kirche sang die Gemeinde mit Kirchenchor, Orchester und Orgel zum Abschluss "Stille Nacht, heilige Nacht." Nach dem Gottesdienst lud die katholische Jugend zum Glühweinausschank vor der Kirche ein. Dazu erklang Musik von den Erbendorfer Turmbläsern vom Kirchturm.

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