18.02.2020 - 14:46 Uhr
ErbendorfOberpfalz

Programmieren in Kinderschuhen

Hohen Besuch empfingen zweiter Bürgermeister Johannes Reger und Geschäftsführer Herbert Schadt in der Firma KS TechnoCase in Erbendorf. Digitalministerin Judith Gerlach zeigte sich nicht nur von der Kofferherstellung beeindruckt.

Auch für ältere Kinder gibt es das passende Lernmaterial. In kürzester Zeit sind die Robo-Wunderkinder zusammengebaut und programmiert. Bayerns Ministerin für Digitales, Judith Gerlach, war angetan vom Projekt, das ihr KS-TechnoCase-Geschäftsführer Herbert Schadt (hinten links) vorstellte.
von Carolin BöcklProfil

Bekannt ist die Firma KS TechnoCase in Erbendorf für Aluminiumkoffer Made in Germany. Weniger bekannt ist die zweite Leidenschaft von Geschäftsführer Herbert Schadt, die Robotik. Der Bayerischen Ministerin für Digitales, Judith Gerlach, gab er in einem Rundgang zunächst einen Einblick in die Kofferproduktion. Im Anschluss führte er noch seine Lernroboter vor, mit denen er Schulen und Kindergärten in ganz Bayern ausstatten möchte. Mit dabei waren auch Landtagsabgeordneter Tobias Reiß und stellvertretender Landrat Roland Grillmeier.

Eingangs führte Schadt seine Gäste durch die Produktionshallen. Was die Firma KS TechnoCase von anderen unterscheide, sei vor allem die Fertigung sozusagen in einem Guss. Während andere Produzenten Einzelteile von Zulieferern bezögen, würde bei KS TechnoCase fast alles selbst gemacht. Dafür hat Schadt in etliche neue Hightech-Maschinen investiert. Die Schaumstoffeinsätze für die Koffer beispielsweise werden mit Hilfe einer hochmodernen Wasserstrahlschneidemaschine zugeschnitten. Mit einem Druck von fast 4000 Bar trennt dabei ein hauchdünner Wasserstrahl die gewünschten Formen aus der Platte. Auch eine Digitaldruckmaschine kommt zum Einsatz. So könnten die Koffer exakt und individuell nach Kundenwunsch produziert werden: "Wir machen nicht unsere Koffer, sondern die Koffer der Kunden." Im Jahr werden von den 41 Mitarbeitern so etwa 35 000 Exemplare hergestellt.

Auch für ältere Kinder

Auch sein zweites Standbein, die Robotik, präsentierte Schadt den Besuchern. Diese in der Bildungslandschaft zu etablieren, ist ihm ein besonderes Anliegen. Zu diesem Zweck hat er Lernroboter entwickelt. Mit Hilfe der sogenannten Bee-Bots beispielsweise könnten schon kleine Kinder im Vorschulalter auf spielerische Weise an das Programmieren herangeführt werden und dabei das räumliche Denken trainieren. Die kleinen schwarz-gelb-gestreiften Roboter werden mit Pfeiltasten auf ihrem Rücken programmiert und bewegen sich dann entlang der eingegebenen Strecke. Die Erbendorfer Kindergärten arbeiten bereits mit den Bee-Bots - "und das mit Erfolg", wie Schadt berichtet. Auch für ältere Kinder hat er passende Sets im Angebot. Bei Robo-Wunderkind wird aus bunten Bausteinen zunächst der Roboter selbst zusammengebaut. Mit Hilfe eines Tablets werden die Roboter dann programmiert und gesteuert. Produziert werden sie von Partnerunternehmen in England sowie Österreich und zusammen als Komplettset mit Schulungsmaterial - im Koffer - für Kindergärten und Schulen unter dem Namen "KlasseMobil" angeboten. Zweitem Bürgermeister Reger gefällt die internationale Zusammenarbeit: "Hier trifft sich Europa."

Roboter für bayerische Schulen

"Wir haben bereits ganz Niederösterreich mit den Bots ausgestattet", berichtete Schadt. Dort werde die Anschaffung von staatlicher Seite gefördert. Auch für Deutschland wünscht er sich einen schulischen Schwerpunkt im Bereich Robotik und ein stärkeres Engagement der Politik. "Uns läuft die Zeit weg. Andere Länder sind uns da bereits weit voraus."

Die Ministerin zeigte Interesse. Im Moment treibe der Freistaat mit dem Programm "Digitales Klassenzimmer" die Digitalisierung bereits voran, allerdings "derzeit noch sehr projektbezogen. Wir brauchen das aber flächendeckend". Gefordert sei hier auch das Kultusministerium. "Digitale Kompetenz ist bei den Kindern vorhanden", stellte Schadt fest, "aber sie konsumieren nur". Mit Hilfe der Roboter sollen die Kinder lernen, mit ihren Fähigkeiten dann auch umzugehen und diese gezielt einzusetzen.

Ministerin Gerlach stimmte dem zu: "Wir müssen die Leidenschaft und die Begeisterung bereits im Schulalter wecken." Schadt denkt dabei auch an die spätere Berufswahl: "Wir dürfen uns auf der Vollbeschäftigung nicht ausruhen, sondern müssen uns weiterentwickeln."

Er besitzt derzeit noch ein freies Grundstück im Gewerbegebiet. Dort möchte er ein Kompetenzzentrum einrichten. Sein Ziel und Wunsch ist es, Kindergärten, Grund- und Realschulen in ganz Bayern mit den Robotern auszustatten und die Lehrkräfte sowie Erzieher vom Erbendorfer Kompetenzzentrum aus entsprechend zu schulen.

In einem Rundgang erhielten die Gäste Tobias Reiß, Judith Gerlach, Roland Grillmeier (von links) und Johannes Reger (rechts) zunächst einen Einblick in die Kofferproduktion von Geschäftsführer Herbert Schadt (2. von rechts).
An der Wasserstrahlschneidemaschine begutachtet die Ministerin das entstandene Bauteil.
Kinderleicht ist die Bedienung der Bee-Bots, die sich auf auf den bunten Planfeldern bewegen.
Interessiert lauschen die Politiker den Ausführungen Schadts.

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