08.03.2021 - 11:41 Uhr
ErbendorfOberpfalz

Römische Reliquien in der Lorettokapelle in Erbendorf

Heuer werden es 270 Jahre, dass in der Lorettokapelle die Reliquien des Märtyrers Faustinus verehrt werden. 1751 kamen sie direkt aus Rom in die Steinwaldstadt. Nicht nur unterm Altar, auch an der Kapelle selbst ist Faustinus zu sehen.

von Jochen NeumannProfil

Beatrix und ihre Brüder Faustinus und Simplicianus gehörten um das Jahr 300 der frühen christlichen Gemeinde in Rom an. Die beiden Brüder waren römische Soldaten und wurden während einer der letzten Christenverfolgungen unter Kaiser Diokletian wegen ihres Glaubens gefoltert, umgebracht und in den Tiber geworfen. Beatrix vergrub die Körper in einer Katakombe. Nach ihrem Tod ließ sie sich ebenfalls dort begraben. Alle drei wurden heiliggesprochen.

Dass die Verehrung des heiligen Faustinus in der katholischen Pfarrei Einzug halten konnte, ist dem Geistlichen Johann Michael Pfreumbter zu verdanken. Der gebürtige Erbendorfer erhielt 1738 die Pfarrei, resignierte aber bereits ein Jahr später auf sie. Er kaufte sich westlich der Pfarrkirche ein altes Haus mit Garten und Acker und ließ sich dort nieder. Ein Wunsch Pfreumbters war es, zur Unterstützung der katholischen Seelsorge ein Frühmessbenefizium zu errichten, was ihm auch 1768 gelang und das heute noch besteht.

Pfarrer Pfreumbter holt Gebeine nach Erbendorf

Der resignierte Pfarrer ließ von 1747 bis 1750 sein Haus neu herstellen und die Erbendorfer Bürgerschaft baute an der Nordseite eine Kapelle an, die nach Überlieferungen wesentlich größer gewesen sein soll als heute und mit einem eigenen Turm versehen war. Gewidmet wurde diese Kapelle dem "Heiligen Haus" (Casa santa), in dem Maria geboren und das durch Engel von Nazareth nach Loreto in Italien gebracht wurde.

Im deutschen Sprachraum gibt es zahlreiche Loreto-Kapellen. Die Besonderheit: Der Wallfahrtsort Loreto wird mit einem „t“ geschrieben – in Erbendorf hat sich jedoch die Schreibweise der Lorettokapelle mit zwei „t“ eingebürgert.

Pfreumbter, der selbst mehrmals in Rom war und zahlreiche Heiligtümer mit nach Bayern gebracht hat, gelang es schließlich, die Gebeine des heiligen Faustinus für die Kapelle zu gewinnen. Denn auf Befehl von Papst Benedikt XIV. (1740-1758) wurden die Gebeine aus dem unterirdischen Friedhof der heiligen Priscilla in den Katakomben von Rom gehoben und in der päpstlichen Heiligtumskapelle aufbewahrt. Schließlich wurden sie nach Erbendorf verschickt.

Ein großer Festtag für Erbendorf war damals der 22. Juli 1751: Denn da wurden die Reliquien des heiligen Faustinus auf dem Hochaltar der Pfarrkirche erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. In einer feierlichen Prozession nach einem Festgottesdienst wurden die Gebeine in die Lorettokapelle übertragen, wo sie (vorerst) im Altar ihren Ruheplatz fanden. Denn 1771 und 1796 wurde die Kapelle bei den Stadtbränden ein Raub der Flammen.

Erst 1798 konnte das Benefiziumshaus, so wie es heute noch zu sehen ist, aufgebaut werden. Die Lorettokapelle befand sich dabei im nördlichen Teil des Hauses, die aber mehr als „Hauskapelle“ bezeichnet werden konnte.

Neue Inneneinrichtung

Ein Benefiziat, der sich sehr um die Lorettokapelle verdient machte, war Wolfgang Hösl, der 1844 nach Erbendorf kam. Er fertigte von 1848 bis 1850 mit dem 15-jährigen Schreinersohn Johann Tretter aus Wäldern eine neue Inneneinrichtung der Kapelle im gotischen Stil an. Dazu gehörten die Beichtstühle, Sitzbänke und der Altar. Der Erbendorfer Lebküchler Johann Baptist Schultes fasste hierbei den Märtyrer Faustinus mit den Reliquien in Wachs. Wie heute, war die Figur unter der Mensa des Altares zu sehen.

Nachdem der Kapellenraum neu eingerichtet war, bemerkte Hösl, dass der Raum nicht zur Ausstattung passte. Er ließ den nördlichen Teil des Hauses teilweise abbrechen und nach seinen Plänen wieder aufbauen. Durch die Baumaßnahme wurde der ursprünglich an der Ostseite stehende Altar an die Westseite verlegt, ebenso der öffentliche Eingang von der West- an die Ostseite. Die Fertigstellung der Lorettokapelle im Jahr 1857 konnte Benefiziat Hösl nicht selbst mit verfolgen, denn bereits 1856 wurde er als Pfarrer nach Adertshausen zwischen Hohenburg und Schmidmühlen versetzt. Doch bei einem späteren Besuch in Erbendorf soll er wegen der Ausführung der Fassade sehr erbittert gewesen sein, da sie nicht ganz nach seiner Planung ausgeführt worden war.

Auf den Erbendorfer Friedhof ist ein Engel zurückgekehrt

Erbendorf

Zwischen 1899 und 1904 wurde die Kapelle „dank wohltätiger Bürger“ umfassend renoviert. Hösls Altar wurde durch den heutigen Flügelaltar aus der Kunstanstalt Drießler in Würzburg ersetzt, der 1902 aufgestellt wurde. Der alte Altar ist übrigens noch erhalten und kommt bei der Fronleichnamsprozession am Kolpinghaus zum Einsatz. Die letzte großangelegte Renovierung der Lorettokapelle mit Benefizium konnte im vergangenen Jahr abgeschlossen werden.

Der Märtyrer Faustinus ist auch als Figur an der Fassade der Lorettokapelle gleich unter dem Türmchen zu sehen. Zur Erinnerung an ihn gibt es außerdem im Benefizium ein nach ihm benanntes „Faustinus-Stüberl“ – darauf ist die Pfarrgemeinde ganz besonders stolz.

Der heilige Faustinus ist übrigens mit seinen Geschwistern Mitpatron des Fuldaer Doms. Zudem ist eine Kapelle in Hainzell (Landkreis Fulda) den drei heiligen Beatrix, Faustinus und Simplician geweiht.

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