19.11.2020 - 12:19 Uhr
ErbendorfOberpfalz

Stadträte befürworten Bauernmarkt in Erbendorf

In Erbendorf soll es in besseren Zeiten regelmäßig einen „Bauernmarkt“ geben. Bürgermeister Johannes Reger stellte im Stadtrat einen Antrag der SPD-Fraktion vor. Alle Fraktionen zeigen sich angetan.

Vor ein paar Jahren gab es schon einmal den Versuch eines Landwirts, sein Gemüse direkt in der Erbendorfer Innenstadt zu verkaufen.
von Jochen NeumannProfil

Ein Markt für regionale Produkte soll durch die Stadt in Zukunft regelmäßig veranstaltet werden. Bürgermeister Johannes Reger gab diesen Antrag der SPD-Fraktion im Stadtrat zur Kenntnis. Denn es fehle, wie von den Genossen formuliert, gegenwärtig an einem leicht verfügbaren Angebot heimischer Erzeugnisse, obwohl es immer mehr Produzenten gebe. Zudem solle durch einen Markt den Kunden ein breitgefächertes Sortiment sowie den Erzeugern eine Plattform geboten werden. Nicht zuletzt soll auf diesem Weg ein neuer Anziehungspunkt in der Steinwaldstadt geschaffen werden.

Bürgermeister Johannes Reger teilte mit, dass die Verwaltung nähere Überlegungen zur Umsetzbarkeit angestellt habe. „Betrachtungen, die in Richtung des Antrags gehen, seien demnach bereits vor einigen Jahren angestellt worden“, stellte er fest. Vieles habe sein Vorgänger Hans Donko auch schon im Rahmen der Steinwald-Allianz umgesetzt. „Schwerpunkt ist derzeit vor allem die Arbeit am digitalen Angebot.“

Übersicht von Anbietern

Anhand einer Übersicht zeigte der Bürgermeister die Erzeuger in der Region und in der Stadt auf. Dabei nannte er auch die Haltestellen des mobilen Dorfladens. „Wir haben örtliche Bäckereien, Metzgereien, Land- und Teichwirtschaften, aber auch die Regional- und Biotheken der Supermärkte, bei denen der Kauf regionaler Produkte möglich ist.“ Er erkenne daraus, dass es bereits eine Reihe von Anbietern gebe und die Stadt und das Umland gut versorgt seien.

„Die Verwaltung hat bereits eine Umfrage unter den Produzenten durchgeführt, um die Möglichkeiten eines ansprechenden Warenangebotes auszuloten“, sagte Bürgermeister Reger. „Die Rückmeldungen haben im Gesamten ergeben, dass die meisten Anbieter der Idee grundsätzlich positiv gegenüberstehen, jedoch an der praktischen Umsetzung Zweifel bestehen.“ Mit größter Mehrheit hätten die befragten lokalen Anbieter die Teilnahme an einem solchen Markt abgelehnt. „Vielfältig sind die Gründe dafür“, stellte der Bürgermeister fest. Diese reichten vom fehlenden Absatz und Personal, unzureichende notwendige technische Ausstattung sowie die nötige langfristige Umstellung der Produktion. „Insgesamt ist das Interesse sehr verhalten gewesen.“

„Es ist der Stadt und der Steinwald-Allianz bereits seit mehreren Jahren ein Anliegen, regionale und Bio-Produkte zu fördern“, stellte Reger fest. Die Steinwald-Allianz beschäftige sich auch mit einer digitalen Verkaufsplattform. „Ein Problem ist hier vor allem die Bürokratie“, bestätige der Bürgermeister. Denn es seien beispielsweise für alle Produkte Inhaltslisten anzugeben. „An diesem Thema werde aber im Moment gearbeitet.“ Bürgermeister Reger stellte aus seiner Sicht und aus der der Anbieter heraus, dass damit eine gute Plattform vorhanden sei. „Das Angebot im Internet wird intensiv gefördert“, betonte Reger. „Auch besteht jederzeit die Möglichkeit, sich an einem der vier Jahrmärkte der Stadt oder am Markt im Zuge des Waldhausfestes zu beteiligen.“

"Erbendorf kann das auch"

Den Antrag begründete in der Sitzung Stadtrat Martin Gallersdörfer etwas genauer. Er betonte, dass es sich hierbei um einen Initiativantrag handle. „Mir ist klar, dass die Durchführung eines Marktes vermutlich nichts ist für die Hochphase einer Pandemie“, so der SPD-Stadtrat. „Es wird aber auch eine Zeit nach Corona geben und dafür gilt es zu planen und zu arbeiten.“

„Ein solcher Markt, landläufig gerne auch gerne als Bauernmarkt bezeichnet, trifft aus unserer Sicht in jeder Hinsicht den Zeitgeist“, so Gallersdörfer. „Wir wollen allerdings, dass möglichst viel der Wertschöpfung beim Erzeuger bleibt.“

Laut Gallersdörfer fehle ein Stück weit an einem leicht zugänglichen Angebot. „Wir wollen die einzelnen Kräfte bündeln und so eine Plattform schaffen, die Angebot und Nachfrage zusammenbringt.“ Eine Frage aber sei, ob die Stadt als Veranstalter auftritt oder geeignete Partner findet. Möglich sei die Gründung eines Vereins. „Wir erfinden das Rad hier nicht neu“, sagte der Stadtrat abschließend. "Tirschenreuth macht es bereits, die Stadt Waldershof startet bald und Kemnath plant es. Warum das nichts für Erbendorf sein soll, erschließt sich mir nicht. Erbendorf kann das auch.“

Die Sitzungsteilnehmer waren dem SPD-Antrag nicht abgeneigt. „Wir müssen die Einkaufsmöglichkeiten vor Ort generell unterstützen“, bekräftigte CSU-Fraktionsvorsitzender Dominik Vollath. Dennoch seien einige offenen Fragen zu klären. Der Fraktionsvorsitzende der Grünen, Josef Schmidt, selbst Betreiber eines Biohofs, begrüßte den Antrag: „Er geht in die richtige Richtung.“

Mit Verwunderung nahm Bürgermeister Reger diese Aussagen zur Kenntnis. Denn bei der entsprechenden Umfrage habe Stadtrat Schmidt eine Marktteilnahme abgelehnt. Auf Regers Frage, ob er inzwischen seine Meinung geändert habe, antwortete Schmidt nach einer kleinen Bedenkzeit: „Für meinen Betrieb ist es im Moment schwierig, aber es macht Sinn, wenn man die Sache weiterverfolgt."

"Stärkung für die Stadt"

Bernhard Schmidt, Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler, fand den Antrag „sehr, sehr interessant. Für einen Verkaufsmarkt sah er es als wichtig an, auf eine gewisse Regelmäßigkeit hinzuarbeiten. „Das wäre für unsere Stadt eine Stärkung.“

ie Stadträte beschlossen einstimmig, den Antrag an den Ausschuss für Tourismus und Umwelt weiterzugeben und eine entsprechende Konzeption zu erstellen.

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